Auf diese 7 Privilegien verzichte ich als Mama

auf Privilegien verzichte ich als Mutter
Ich bin gerne Mutter. Mit Hingabe und Begeisterung. Ich fühle mich erfüllt und ausgefüllt. Es wird nie langweilig und mein Leben macht endlich einen Sinn. Das meine ich vollkommen ernst.
ABER… ja dieses kleine Aber ist irgendwie immer im Weg, wenn man vom Muttersein schwärmt. Denn ein paar kleine Dinge vermisse ich dann doch, ein paar Privilegien, die ich VOR der Zeit mit meinen Kindern genoss – ohne es zu wissen.

1. Ausschlafen

Bevor Ihr die Augen verdreht, weil schon wieder Kinder und Schlafen in einem Beitrag angekreidet werden, lasst mich einmal von mir erzählen. Gebt mir eine Chance 😉 Denn ich brauchte schon immer viel Schlaf. Schon als Kind habe ich echt gut geschlafen (ja, diesen Teil habe ich wohl nicht an meine Kinder weiter vererbt). Und ich brauchte auch später viel Schlaf. Abends war ich 22 Uhr hundemüde und kroch in meine Koje und schlummerte dennoch morgens bis 10 Uhr, wenn es der Zeitplan erlaubte. Was war das für ein Graus, im Studium um 8 Uhr für eine Vorlesung auf der Matte stehen zu müssen. Mein Job, der darauf folgte, gab mir zum Glück die Freiheit erst um 9 Uhr anfangen zu müssen. Ohne Kind kann man da getrost bis 8:15 Uhr Schlafen und vom Bett direkt aufs Fahrrad und dann in den Vorlesesaal fallen. (siehe Auch Punkt 3)
Ihr seht also, Schlafen war für mich ein wirklich wichtiger Punkt in meinem Leben. Und dieser wurde nun radikal gestrichen. Zur Zeit schlafe ich maximal vier Stunden am Stück, weil unser liebes Wölkchen weiterhin nicht daran denkt durchzuschlafen. Wenn ich alle zerstückelten Stunden und Minuten zusammen zähle, komme ich auf 6 Stunden Schlaf pro Nacht. Und spätestens um 7 Uhr ist die Nacht vorbei. Ui. Da muss ich mich nicht mehr wundern, dass ich dauermüde durch die Gegend watschele.
Apropros watscheln…

2. Direkte Wege

Ich bin ja jemand von der schnellen, pragmatischen Sorte. Schon immer ging ich am Liebsten die kürzesten und direktesten Wege. Menschen, die auf der Straße mittendrin stehen blieben und mir den Weg versperrten, wurden argwöhnisch beäugt. Denn nun musste ich von meiner Ideallinie abweichen. Grmpf.
Tja und nun eiere ich selber tagtäglich durch die Gegend. Das liegt aber nicht daran, dass ich nun keinen Wert mehr auf Effizienz lege, sondern mir einfach keine andere Wahl bleibt. Irgendjemand hängt immer an meinem Bein und zwingt mich, mich humpelnd fortzubewegen. Oder jemand steht im Weg, während ich mal schnell vorbeihuschen möchte. Ich will zum Beispiel nur mal kurz in die Küche und ein Glas aus dem Schrank holen? Ha, das wäre ja zu einfach. Denn sobald ich den Raum verlasse, stiefeln mir vier Füßchen hinterher. Und sobald ich mit dem Glas in der Hand die Küche wieder verlassen und zurück ins Wohnzimmer möchte, stehen eben diese vier Füße samt zwei Sturköpfchen obendrauf in der Tür und lassen mich nicht durch. Aaargh. Das ist ein echtes Geduldsspiel für mich.
Eines der ersten Wörter, das Wirbelwind damals beherrschte, war übrigens „durch“, weil ich ständig genervt „Darf ich mal bitte durch“ murmelte. Das sagt wohl schon viel darüber aus 😉

3. Schnelles Loskommen

Ich lege viel Wert auf Pünktlichkeit. Wenn ich einmal meine Uhr vergesse, merke ich erst einmal, wie oft ich eigentlich darauf starre. Durch mein spätes Aufstehen, musste ich während des Studiums immer darauf achten, pünktlich die Straßenbahn zu erreichen. Es war jedes Mal ein wahrer Zieleinlauf, wenn ich zeitgleich mit der Bahn die Haltestelle erreichte. Das war auch deshalb möglich, weil ich zu Hause einfach meine Schuhe anzog, meine gepackte Tasche schnappte und losging, wenn ich es wollte. Dauer dieses Prozedere: 10 Sekunden.
Heute muss ich da mehr Zeit einplanen, wenn ich weiterhin pünktlich sein möchte. (Dass nun viel mehr Störfaktoren meine so sauber geplante Pünktlichkeit zu Nichte machen, sei einmal dahin gestellt. Siehe auch Punkt 7) Ich möchte mit den Kindern aus dem Haus? Da sind aber einige Dinge zu klären, bevor die Tür ins Schloss fällt:
  • Wie wird das Wetter? Was müssen Sie anziehen?
  • Wo sind denn schon wieder die verdammten Schuhe?
  • Ach etwas zu Essen für Wölkchen brauche ich doch auch noch.
  • Und etwas Obst für Wirbelwinds Kindergarten muss ja auch noch mit.
  • Oje, und wo ist jetzt meine Jacke geblieben?
  • War Wirbelwind jetzt auch auf der Toilette?
Vergangene Zeit von Aufbruchsabsicht bis tatsächlichem Losgehen: 10 Minuten.
Besonders deutlich wurde mir diese Tatsache das letzte Wochenende, als unser Besuch fix und fertig in der Tür stand, nachdem ich meinte, wir machen jetzt los. Und ich wuselte eben diese besagten 10 Minuten weiter mit meinen Kindern in Flur, Küche und Bad umher, um auch nichts zu vergessen. Zwei Welten prallten aufeinander.

4. Putzarme Zone

Ich bin echt keine Putzfee. Sauberkeit war jetzt auch nicht gerade der höchste Wert, der mir in meiner Erziehung vermittelt wurde, um es vorsichtig auszudrücken. Ich putzte daher stets nur das Nötigste, und das ist als Single nicht viel.
Nun, als Frau mit Mann und zwei Kindern, ist es dann aber doch etwas Anderes. Ein wenig. Überall ist es plötzlich schmutzig. Unterm Tisch kleben die Mittagsreste von Wölkchen, am Waschbecken die Zahnputzspuren von Wirbelwind. Im Flur sammeln sich die Steinchen vom Spielplatz. Und das Schlimmste ist wohl die Toilette, die plötzlich zum Lieblingsspielort von Wölkchen mutiert ist. Wer hätte gedacht, dass mit Wasser gefüllte Keramik so viel Anziehungskraft hat.
Was ich damit sagen möchte: ich putze – viel mehr als mir lieb ist. Die Krümel auf dem Tisch, die Butterreste unterm Hochstuhl, die Wasserflecken im Waschbecken, noch mehr Krümel unterm Couchtisch, die Schokospuren an der Wohnzimmertür und, natürlich, die Toilette. Nein, darauf könnte ich echt verzichten.

5. Freier Zugang zum Essen

Ich aß schon immer gerne, besonders Süßigkeiten. Aber auch andere Speisen oder Getränke waren prima, besonders wenn man sie warm genoss.
Heute ist das mit dem Essen so eine Sache. Irgendwie kann ich nie dann essen, wenn ich wirklich Lust dazu habe. Denn irgendjemand muss dann gerade ins Bett gebracht, gewindelt, beruhigt oder abgewischt werden. OK, es hat sich gebessert. Als Wölkchen noch ein Baby war, habe ich meine Mittagsmahlzeiten stehts kalt zu mir genommen, weil Madame eben auch dann essen wollte, wenn das Essen auf dem Tisch stand. Aber an kalte Speisen gewöhnt man sich irgendwann. Schlimmer ist es, dass ich nicht mehr einfach so Naschen kann. Nun muss ich tatsächlich mein eigenes Wohnzimmer verlassen und heimlich in Küche oder Bad ein Stück Schokolade in meinen gierigen Mund stopfen, schnell herunterkauen, um dann – im besten Fall ohne Schokoladenreste am Mund – den Kindern wieder gegenüber zu treten.
Letztens war ich ganz klever. Da habe ich Wölkchen im Drehstuhl gedreht und immer dann, wenn sie mir den Rücken zudrehte, vom Eis abgebissen. Aber irgendwie hat sie dann doch skeptisch geguckt. Es wird echt schwierig, je älter die Kinder werden. Es kommen also noch echt harte Zeiten auf mich zu. Und ja: Schokolade essen, wann und wo ich möchte, das war ein Privileg für mich. Hach damals.

6. Ruhe

Ich liebe die Ruhe. Einfach ins Grüne auf eine Decke legen und der Natur beim Atmen zuhören. So könnte ich eine ganze Weile verbringen. Oder zu Hause auf dem Sofa liegen, ruhige Musik hören und den Gedanken freien Lauf lassen. So kann ich entspannen. Auch im Auto höre ich selten Radio, sondern fahre lieber in die Stille hinein. Das Geplärre von falscher Musik oder den völlig überdrehten Moderatoren muss ich mir nicht geben.
Natürlich ist dieses Bedürfnis nach Ruhe nicht so recht mit Kindern vereinbar, das ist keine Überraschung. Aber bitte, hätte man mir mal sagen können, dass Kinder sooo laut sind? Wirbelwind hat ein Plauder-Dauerabo gebucht, und ich weiß nicht, wo ich es abbestellen kann. In einer Tour redet, lacht, albert, gackert sie vor sich hin. Wenn dabei wenigstens informative Dinge aus ihrem Mündchen kommen würden, wäre das ja super. Aber oft sind es einfach nur ständige Wiederholungen von irgendwelchen sinnlosen Sätzen. Und Wölkchen liebt es ebenfalls ihre Stimme zu hören. Also wird gekreischt, was das Zeug hält. Einfach so. Ohne Grund. Im Auto höre ich nun Leo Lausemaus und dass ich schon ne ganze Weile nicht mehr auf einer Decke lag und der Natur gelauscht habe, brauche ich wohl nicht zu sagen. Ja, Ruhe ist ein Privileg.

7. Kontrolle

Ich bin ein Kontroll-Freak. Ich liebe es Dinge zu planen und genau zu wissen, was wann wo und wie passieren wird. Ich mache Checklisten, führe Terminplaner und habe meine Packliste für den Urlaub bereits eine Woche vorher fertig. Ich bin eben gerne vorbereitet. Wenn ich in einem Bus sitze, und der biegt plötzlich ab, obwohl ich gerade aus möchte, bekomme ich Panik. Kontrollverlust ist für mich schwer zu verkraften.
Tja, wen überrascht es: die Sache mit der Kontrolle gestaltet sich mit Kindern etwas schwierig. Denn mit ihnen sind ungeplante Katastrophen vorprogrammiert, angefangen bei der verkippten Apfelschorle, über überraschende Gemütszustände, hin zu Beulen und Schürfwunden. Das Leben mit Kindern ist überraschend und so überhaupt nicht planbar.

Nur ein kleiner Lichtblick bleibt: der Mittagsschlaf. Also werde ich meinen müden Körper aufraffen, um Wölkchen schlafen zu legen und anschließend, in aller Ruhe und so richtig geplant ein leckeres Eis verdrücken. Und ich werde durch die Wohnung flitzen, ohne dass mir jemand zwischen den Füßen umherrennt. Nur auf eines muss ich achten: dass ich nicht versehentlich anfange das Bad zu putzen oder auf dem Sofa einzunicken. 😉

Auf welche Privilegien verzichtet Ihr denn so? 

 

Eure Wiebke

9 Comments

  1. 13 September 2016 at 7:32 pm

    Klasse geschrieben und mir absolut aus der Seele :-D.
    Nur das mit der Schokolade ist bei uns nicht so, da Mausi auch ihre Naschereien bekommt wenn ich mal nasche und Mittagsschlaf macht sie nicht mehr.
    Auf was verzichte ich stattdessen noch? Ich bin zwar auch ein Mensch der gerne plant, aber ab und zu überkam es mich, dass ich einfach spontan ins Auto stieg und durch die Gegend fuhr, oder mal zum Shoppen usw. Das geht jetzt nicht mehr mit Kind, da muss dann geplant werden.
    Liebe Grüße,
    Nicole.

    • 14 September 2016 at 11:53 am

      Liebe Nicole,
      Ja das stimmt, Spontanität hätte ein achter Punkt sein können. Einfach mal ein paar Tage wegfahren, ohne zu überlegen, welchen Kinderarzt-Termin oder welches Kita-Event man dabei verpasst. 😉
      LG Wiebke

    • 15 September 2016 at 4:35 pm

      Genau das meinte ich, das geht mit Kind(ern) nicht mehr :-D.

  2. Anonym
    Antworten
    14 September 2016 at 1:27 pm

    OH mein Gott du sprichst mir aus der Seele… 😀

  3. 14 September 2016 at 7:34 pm

    Hallo.
    Mir fehlen meine früheren Hobbys manchmal. Seitdem die Kinder da sind. Ich habe früherer mit dem Herr Papa zusammen viel Computer gespielt, was wir natürlich nicht mehr machen und mit Ankunft des kleinen Knopf ist daran erstmal auch nicht mehr zu denken.
    Das zweite was mir so sehr fehlt, ist das larpen.
    Mein Mann möchte nicht zelten und dann ist es mit Kindern zum einen teurer und je kleiner sie sind, desdo anstrengender ist es.
    Und einfach mal nachmittags auf dem Sofa lümmeln, etwas Fernsehen schauen und Süßigkeiten essen.
    Aber ich weiß, wenn ich das wieder machen kann, werde ich es nicht mehr wollen, weil meine beiden Kinder mich dann nicht mehr so brauchen.
    Lieben Gruß
    Nadine

    • 14 September 2016 at 9:04 pm

      Liebe Nadine,
      "Larpen" kannte ich noch gar nicht. Klingt interessant, was google da ausspuckt 😉
      Ja irgendwann kann man seinen Hobbies vielleicht sogar wieder nachgehen. Ich gehe inzwischen auch wieder zu Volleyball und Chor. Aber manche Dinge, gerade die Sache mit der "mal in Ruhe etwas machen" brauchen wohl noch seine Zeit. Aber ich denke auch, dass wir uns später, wenn die Kinder aus dem Haus sind, wohl wieder etwas mehr Aktion wünschen würden 😉
      LG Wiebke

  4. 15 September 2016 at 11:08 pm

    Sehr informativ. Danke.

  5. 19 September 2016 at 7:48 am

    …aber wenn sie Dich einmal anlächeln… ;).
    Schön beschrieben, ich finde mich in jedem verlorenen Privileg wieder!
    Bei mir grad hoch im Kurs: Spontaneität! Wenn meine kinderlose Freundin aus Hamburg sagt: "Komm doch am Wochenende einfach mal rüber", dann poppen in meinem Kopf gleich tausend Fragezeichen auf und leisten sich einen erbitterten Kampf mit meinem früheren, kinderlosen Ich. Da ging das doch auch… mal eben 400 km für ein Wochenende Spaß. Jetzt frage ich mich oft:"Geht das jetzt wirklich nicht mehr?" Aber spätestens wenn ich mental versuche, mir die Liste zusammen zu stellen der Dinge, die ich mitnehmen muss wenn die Kinder mitkämen, weiß ich: "Nein, das geht jetzt nicht mehr so einfach und spontan." Vielleicht in 10, 12 Jahren. Aber dann so richtig :).

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