Was Nicht-Eltern über uns Eltern wissen sollten

Kinderzimmer Chaos

Liebe Nicht-Eltern. Bevor ihr uns Eltern verurteilt, lest bitte diese Zeilen. Vielleicht fällt es Euch dann leichter, mit uns auszukommen, zu leben und eventuell sogar zu verstehen. Habt Nachsicht mit uns. In ein paar Jahren werdet ihr es vielleicht sogar nachvollziehen können, wenn Ihr selber Kinder habt. Dann werdet Ihr plötzlich verstehen, eine behellende Erkenntnis wird über Euch kommen. Hoffentlich. Doch bis dahin: habt Nachsicht mit uns.

1. Scheinbare Unordnung

Wenn Ihr uns zu Hause besucht, folgt hier der ultimative Tipp: schaut auf den Boden, damit Ihr nicht in buntes, kleinstückiges, spitzes Spielzeug lauft. Und denkt nicht, dass für Euch nicht aufgeräumt wurde. Doch sicherlich. Nur gab es scheinbar einen unachtsamen Moment von drei Sekunden, der das erneute Chaos hervorrief, kurz bevor Ihr kamt.
Und behaltet den Blick am Besten gleich gesenkt, denn auf Augenhöhe – außerhalb der Reichweite der Kinder – könnten sich seltsame Sammelsurien offenbaren. Aber bedenkt: manches ist tatsächlich so beabsichtigt, und somit kein Zeichen von Unordnung. Die Kastanien, Stöcken und Steine auf dem Fensterbrett, das zerrissene Papier auf dem Couchtisch. Das muss so. Und wehe, Euch kommt in den Sinn, Euren Freunden unter die Arme zu greifen und beim Aufräumen zu helfen! Bitte lasst ALLES AN SEINEM PLATZ. Sonst brechen noch Dramen aus.

2. Verwahrlostes äußeres Erscheinungsbild

Oh es ist nicht so, dass wir kein Wert auf unser Äußeres legen. Wirklich nicht. Vielleicht waren wir für ein paar Minuten sogar perfekt gestylt: schicke Haare, saubere Kleidung. Doch mit Kindern ist so ein Zustand eben nicht von Dauer. Und ehe man sich versieht, hat man einen breiigen Handabdruck auf dem Rücken, Schuhabdrücke auf der viel zu hellen Hose und vom Kinde zerzaustes Haar. Nur die Augenringe, die sind wohl ein ständiges Accessoire. Bitte beachtet unsere Mühen und belohnt uns mit nicht ganz so entsetzten Blicken.

3. Seltsames Verhalten

Wir wissen, dass wir Eure Geduld zuweilen auf die Probe stellen. Nicht immer läuft das Leben mit Kindern eben so geordnet ab und manche Verhaltensweisen, die wir Eltern an den Tag legen, scheinen bei Euch Unverständnis hervorzurufen. Wenn wir beispielsweise die Kinder den Pfandautomat befüllen oder die Ware aufs Kassenband legen lassen, dann sind das solche Momente, in denen Ihr mit dem Fuß tippelnd ungeduldig hinter uns steht. Doch beachtet: wir versuchen nur den nächsten Trotzanfall zu verhindern und – noch viel besser – dem Kinde ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Ja, das ist manchmal das höchste Gut.

4. Einseitige Gesprächsthemen

Die Gesprächsthemen können mit uns wohl auch langweilig werden. Wie genau nun heute der Stuhl unserer Kinder ausgesehen hat oder wie teuer Kinderkleidung ist, das interessiert Euch weniger. Das ist ja auch nachvollziehbar, denn es ist eine so ganz andere Welt. Aber bedenkt: es ist unsere Welt. Das, was für Euch die Vernissage ist, das sind für uns die vom Kind gemalten Bilder. Die Shoppingtour in Paris ist bei uns der tägliche Besuch im Drogeriemarkt. Ja und die Zigarette danach wurde wohl schon längst durch die Kopfschmerztablette ersetzt. Bitte versteht, dass in dieser abstrusen Welt, in der die Kinder so sehr im Mittelpunkt stehen, genau diese unsere Wunder sind. Und ja, wir quatschen vom „Wunder“. Verdreht nicht genervt die Augen. Wir können nicht anders.

5. Vorsicht vor ruckartigen Bewegungen

Auf der Straße solltet Ihr Euch vor uns in Sicherheit bringen. Wenn Ihr uns seht, wie wir einen Kinderwagen schieben beispielsweise. Es könnte passieren, dass wir ohne scheinbar ersichtlichen Grund stehen bleiben und mit unserer Hand in das Innere des Kinderwagens fassen. Oder wir tippeln im Kreis herum, laufen Schlängellinien oder wechseln plötzlich die Richtung, um dem Sprössling die bestmögliche Einschlafbegleitung zu bieten. Bei einem Buggy kann es hingegen passieren, dass Gegenstände hinausgeschleudert werden und als Stolperfallen auf dem Gehweg herumirren. Also nehmt etwas Abstand und vielleicht hebt Ihr die heruntergefallene Mütze sogar wieder auf. Oder Ihr lauft schleichend am Kinderwagen vorbei, damit das Baby nicht aufwacht. Das wäre toll.

6. Schlingerndes Autofahren

Kinderfreundliche Autos, wie Vans, Kombis bzw. generell Fahrzeuge mit buntem Sonnenschutz im Fondbereich solltet Ihr großzügig umfahren. Auch hier könnten Dinge passieren, die im Vorfeld schwer einzukalkulieren sind. Wir könnten Schlingerlinien fahren, weil wir während der Fahrt dem schreienden Baby einen Nuckel in den Mund stecken oder dem trotzigen Kleinkind das heruntergefallene Buch wieder aufheben müssen. Und während Ihr hinter uns fahrt und klassische Musik aus dem CD-Player plätschert, schlingern wir mit Leo Lausemaus-Gedudel so vor uns hin. Bitte bedenkt das, wenn Ihr uns das nächste Mal auf der Straße begegnet.

7. Schnelles, mildes Essen

Ihr seid zu uns zum Essen eingeladen? Stellt Euch darauf ein, dass es Nudeln geben wird. Denn wir Eltern haben das Nudel-Kochen perfektioniert. Eventuell gibt es dazu noch eine sanft gewürzte Tomatensoße. Aber viel wahrscheinlicher ist es, dass einfach eine Tube Ketschup auf den Tisch gestellt wird. Und bitte seid nicht irritiert, wenn wir das Essen herunter schlingen und den Esstisch schneller wieder verlassen, als Ihr „Mahlzeit“ sagen könnt. Es ist einfach so in unserem Blut. Jahrelange Gewohnheiten lassen sich nicht so schnell ablegen.In dem Sinne hoffe ich, dass ich Euch mit diesem Beitrag ein wenig die Augen öffnen konnte. Habt Nachsicht, habt Einsicht, habt Rücksicht mit uns. Danke!

Eure Wiebke

9 Comments

  1. 2 Oktober 2016 at 6:45 pm

    Schöner Text, vor allem das Thema "Stuhl vom Baby". Hätte man vorher (als noch Nicht-Eltern) auch nicht gedacht, dass man darüber mal mehr oder weniger philosophieren kann.

  2. 2 Oktober 2016 at 8:45 pm

    Einfach genial :-D. Klasse geschrieben und wirklich alles wahr. Ertappe mich auch sehr oft das es genauso bei uns abläuft (außer vielleicht das mit dem Van, wir haben ein etwas kleineres Modell, grins).
    Liebe Grüße Nicole.

  3. 3 Oktober 2016 at 12:24 pm

    Das ist soooo unfassbar toll geschrieben. Einfach nur herrlich! Ich habe sehr schmunzeln UND NICKEN müssen. 😀

    Sonnige Grüße.

  4. 7 Oktober 2016 at 9:16 am

    Echt sehr schön erklärt, musste echt dauergrinsen.. 😀

  5. Stefan Böddeker
    Antworten
    4 November 2016 at 10:53 am

    Also ich bin begeistert.
    Wir haben selber vier Sprösslinge, und ich kann jeden Satz einfach nur zu 100% bestätigen.
    Da wir wir weder Blog oder Webseite hatten hängt bei uns im Flur seid 27 Jahren (erstes Kind) ein gesticktes Bild, das ich jedem Zeige der das erste mal bei uns ist, mit folgendem Text:

    Freund, wenn Du dieses Haus betrittst
    vieles nicht ganz sauber blitzt.
    Du merkst das es hier Kinder gibt,
    die man wohl mehr als Putzen liebt.
    Da gibt es Spuren an den Wänden,
    kreiert von flinken kleinen Händen.
    Wir machen das mal später weg.
    Jetzt spielen wir erst mal Versteck!
    Spielzeug liegt an jedem Ort,
    doch eines Tages ist es fort.
    Die Kinder sind uns kurz geliehen
    bis sie erwachsen von uns ziehen.
    Dann wird auch alles aufgeräumt,
    dann läuft der Haushalt wie erträumt.
    Jetzt freuen wir uns an unseren Gören
    und lassen uns daran nicht stören.
    (Autor unbekannt)

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