Ein Tag aus den Augen des Wirbelwindes… TEIL 1

Nicht
zu verwechseln mit dem Auge des Tornados. Obwohl, die Verwüstung ist ähnlich 😉
Darf
ich mich vorstellen? Ich bin der Wirbelwind. Ich bin 17 Monate alt, 85 cm groß
(hihi, ich bin sogar größer als manche Zweijährige in meiner Kindergartengruppe)
und 11 Kilogramm schwer. Und jetzt erzähle ich Euch mal, wie mein Tag aussieht.
Als erstes wache ich in meinem Bettchen auf. Es ist noch dunkel, aber ich bin
irgendwie wach. Also rufe ich immer wieder „Maaaammaaaa!!!“, und schon kommt
sie angeflitzt. Sie gibt mir Bescheid, dass sie mir Milch macht und ist schon
wieder weg. Zwei Sekunden später ist sie immer noch nicht wieder mit der Milch
da, also rufe ich sie nochmal und drücke ein bisschen auf die Tränendrüse. Es hilft,
denn schon taucht sie mit der Milch in der Hand an der Tür auf. Ich trinke
gierig, schließlich habe ich die ganze Nacht nichts bekommen. „Gluck, gluck,
zutsch“. Hm schon wieder leer. Ich höre meine Mama irgendwas von „Kuscheln“
sagen, ich antworte ein lässiges „Jo“, schließlich weiß ich, wie gern meine
Mama das hat. Also geht es noch rüber ins große Bett von Mama und Papa und
jetzt wird sich gekugelt, gedreht, Kopfstand gemacht (das sollen eigentlich
Purzelbäume werden, aber irgendwie klappt das nicht so richtig) und Mama
knutscht mich immer wieder ab. So, jetzt ist aber genug. Jetzt will ich das Wohnzimmer
auf den Kopf stellen. Meine Mama zieht mir noch den Nucki aus dem Mund (warum
darf ich den denn nicht behalten?) und schon bin ich weggetappst.
Das
sieht ja so ordentlich aus im Wohnzimmer. Wo sind denn meine Spielsachen? Ach
da im Körbchen. Also nichts wie raus damit. Am einfachsten ist es, wenn ich den
ganzen Korb auskippe. Den Trick habe ich schon vor einiger Zeit gelernt. So,
ich glaub ich guck mir jetzt lieber ein Fotoalbum an. Also rauf aufs Sofa
gekrabbelt Licht angeknipst und das Buch auf dem Schoß aufgeschlagen. Da sind
ja lauter Bilder von mir drin! Wie schön! Ich höre es im Schlafzimmer rascheln
und sehe dann, wie die Mama den Kopf durch die Tür steckt und nach einem kurzen
Blick auf mich und das Fotoalbum lächelt. Oh wie schön, Mama ist aufgestanden. Ich
klettere vom Sofa wieder runter und rufe „Mama“. Dann horche ich kurz in mich
hinein und füge noch ein aufgeregtes „AA“ hinzu. Mama guckt gleich ganz ernst
und will schnuppern. Ich weiß schon, dass sie dann ihre Nase an meinen PoPo
hält. Manchmal strecke ich ihn auch entgegen. Es scheint sie nicht zu freuen,
was sie riecht, denn jetzt soll ich auch noch auf die Toilette gehen und weiter
AA machen. OK, das mache ich, aber nur, wenn ich mir das Buch angucken kann,
das daneben liegt. Ich gebe mein Bestes, aber Mama ist einfach nicht zufrieden.
Und jetzt will sie auch noch selber auf die Toilette. Na gut, dann setzt ich
mich halt auf das Töpfchen. So, jetzt hab ich aber bestimmt AA gemacht, ich
stehe mal auf, und gucke nach… Oh nichts drin. Nanu, was ist denn das? „Plop“
macht`s, und dann liegt AA zwischen meinen Beinen. Und nass wird es auch auf
einmal. Mama springt von der Toilette auf, ruft irgendwas von wegen „ins Töpfchen
machen“ und wischt schließlich alles weg. Ist sie jetzt böse oder lacht sie?
Ich glaube beides. Zur Belohnung dafür, dass ich so schön AA gemacht habe, darf
ich noch kurz in die Badewanne. Ach so muss ich es also anstellen 😉
Nun
cremt mich Mama noch ein, auch die Stellen am Arm und Bein, die „Aua“ machen
und zieht mich an. Jetzt ruft sie „Frühstück“, ich laufe zum Schrank mit der
dicken Tür, in dem es immer so kalt ist. Aber ich komme einfach nicht an meinen
Joghurt ran. Mama holt ihn raus. Dazu gibt es Brot. Mama fragt mich, was ich
drauf haben möchte, ich antworte „Butter“. Denn etwas anderes kann ich leider
noch nicht sagen. Marmelade wäre ja auch ganz schön, aber wie spricht man das
aus? Mama ist mit meiner Antwort zufrieden und schmiert mir das gelbe Zeug aufs
Brot. Warum macht sie es erst auf das Brot? Dann muss ich es doch so
umständlich ablecken. Sie könnte mir es auch gleich in die Hand geben. So, ich
glaub ich bin fertig, der Joghurt ist auch verputzt. „Alle“ rufe ich und
versuche aufzustehen. 
Mama lässt mich runter. Doch ehe ich wieder zu meinem
Spielzeugberg laufen kann, ruft sie „Zähneputzen“. O nein, das mag ich nicht.
Da ist sie schon, die blöde Bürste. Ich drehe meinen Kopf weg und freue mich,
dass ich die Mama ausgetrickst habe. Aber irgendwie lässt sie nicht locker. Das
ist jedes Mal so. Ich wehre mich jetzt mit meinem ganzen Körper, aber Mama ist
stärker, und so schuffelt sie am Ende mit der Bürste in meinem Mund herum,
obwohl ich das gar nicht möchte. Noch so ein unnützes Ding, genauso wie Nuckel-wegnehmen.
Nun sagt Mama etwas mit freudestrahlenden Augen zu mir. Ich verstehe nur „Kindergarten“.
Aber das reicht ja aus, denn jetzt weiß ich, dass ich Schuhe, Hose, Jacke,
Mütze und Schal anziehen muss.
Fortsetzung folgt…

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