Warum Familienbett nichts für mich ist

Unser Weg ohne Familienbett

Ich mag es sehr mit Wölkchen zu kuscheln. Die ersten neun Monate hat sie öfter bei mir, als in ihrem Bett geschlafen. Wir hatten uns quasi unser eigenes, kleines Zweier-Familienbett geschaffen. Ich liebe es ihren Atem zu hören, ihr über ihr schlafendes Köpfchen zu streicheln und ihre Körperwärme zu spüren. In unruhigen Nächsten streckt sie ihr kleines Ärmchen aus und sucht meine Nähe und schläft sofort weiter, wenn sie sich geborgen fühlt.

Warum es bei uns dennoch kein Familienbett gibt, möchte ich Euch heute schildern.

Das Familienbett – eigentlich eine prima Sache, aber…

Familienbett ist eigentlich etwas sehr Schönes, wie ich finde. Man weiß seine Kinder wohlbehütet, denn sie schlafen direkt neben einen. Man hört sie atmen, kann sie beruhigen, wenn sie schlecht träumen oder kurz aufwachen, ohne das Zimmer verlassen zu müssen. Die Kinder fühlen sich sicher und geborgen, denn Mama und Papa sind bei ihnen. Alles scheint richtig. Sie müssen nicht in einem dunklen, einsamen Raum schlafen, verwaist und allein.

Aber manchmal reicht das eben nicht aus, um mit der Schlafsituation glücklich zu werden. Warum es bei uns dennoch kein Familienbett gibt? Da kommen verschiedene Faktoren zusammen:

  1. Das Schlafzimmer ist zu klein. Der Vergleich mit Ölsardinen ist gar nicht mal so abwegig.
  2. Mama hat einen leichten Schlaf. So leicht, dass ich bereits wach werde, wenn sich das Baby im Schlaf dreht.
  3. Papa ist sehr ängstlich. Er befürchtet das Baby zu zerdrücken bzw. schreckt schon hoch, wenn es im selben Raum komisch atmet.
  4. (Ergo) Papa kann nicht mit einem Baby im selben Raum, geschweige denn im selben Bett schlafen.
  5. (Ergo) Papa und Mama haben seit der Geburt sehr oft nachts voneinander getrennt geschlafen haben. Nicht sehr schön für die Paarbeziehung.
  6. Die große Schwester ist neidisch, weil sie nicht mit bei Mama schlafen darf, wie das Baby.
  7. Die große Schwester ist ein sehr unruhiger Schläfer. Und da kommt wieder Punkt 2 zum Tragen.

Soll heißen: grundsätzlich mag ich das Konzept des Familienbettes sehr. Mein Problem ist nur, dass ich einen recht leichten Schlaf habe und selbigen dann eben nicht sehr oft praktizieren kann, wenn andere um mich herum röcheln und schnarchen. Auch der Papa ist nicht so der Familienbett-Typ. Er hat angst das Baby zu zerdrücken. Bei 1.60m besteht dazu auch eine reelle Chance. Und selbst wenn ich als Quetschpuffer zwischen Baby und Mann liege, schläft er so unruhig und schreckt bei dem kleinsten Grunzen auf, dass es auch für ihn (und erst recht für mich) keine erholsame Nacht ist. Wir haben es getestet.
Daher schlief Wölkchen die ersten neun Monate zwar in unserem Schlafzimmer, aber in ihrem Bettchen, damit ich etwas zu Schlaf kam. Zum Morgengrauen holte ich sie dann zu mir rüber. Genau „mir“, nicht „uns“. Denn damit auch der Papa zu Schlaf kam, schlief er, solange Wölkchen im Schlafzimmer verweilte, auf der Couch. Und das quasi neun Monate lang, von einigen Probenächten mit uns allen zusammen im Schlafzimmer abgesehen.

Die Große hat sich an ihr eigenes Bett gewöhnt und schläft dort auch sehr gut. Doch seitdem das Baby bei mir schläft, kommt sie in letzter Zeit auch öfter zum Papa auf die Couch kuscheln, damit auch sie, wie die Mama, einmal mit einem Erwachsenen kuscheln kann. Normalerweise hat sie es mit dem Kuscheln nicht so. Kuscheln bedeutet bei ihr Rumalbern, Kitzeln oder Turnen. Aber nicht ruhig daliegen und Nähe spenden. Darum war es auch kein Problem, sie damals als Baby nach neun Monaten in ihr eigenes Zimmer auszuquartieren. Aber zu sehen, wie Wölkchen jeden Tag bei mir schlafen durfte, das gefiel ihr wohl nicht so sehr, auch wenn sie es nie zugeben würde.

Ihr seht, es ist eine Farce. Es ist so kompliziert, dabei könnte es doch so einfach sein, mögen jetzt manche denken. Ich denke es auch manchmal.

Das ist unsere Lösung

Die ganzen Gründe führten dazu, dass wir Wölkchen vor etwa einem Monat ausquartierten. Zunächst kam sie in ein separates Zimmer, später, wenn sie durchschläft, soll sie sich das Zimmer mit Wirbelwind teilen.Nach Ostern, Wölkchen war gute neun Monate alt, wurde der Plan in die Tat umgesetzt. Sie gewöhnte sich schnell an ihr neues Bett im neuen Zimmer. Wir stellten ein Nachtlicht direkt neben ihr Bett, in das sie beim Zubettbringen lange hineinstarrt, wie eine Motte, die zu tief ins Bierglas geschaut hatte. Irgendwann kugelt sie sich dann zur Seite und schläft. Mal passiert das nach fünf Minuten, mal auch erst nach 45 Minuten. Aber in der Regel geschieht es ohne Protest, außer der Papa übernimmt das Zubettbringen, da wird auch mal etwas gemeckert. Aber es hält sich im Rahmen. Meist schläft sie dann sogar schneller ein, als bei mir. Ich liege die ganze Zeit neben ihr, bis sie eingeschlafen ist, damit sie sich nicht alleine fühlt. Und manchmal schlafe ich dabei selber ein. Das Nachtlicht scheint die ganze Nacht und soll ihr Orientierung geben.

Und der Papa? Der schläft nun endlich wieder bei mir, so wie es sich gehört. Doch auch jetzt hole ich Wölkchen im Morgengrauen in das Elternbett und der Papa flüchtet auf die Couch. Wirbelwind freut es, wenn sie morgens jemanden im Wohnzimmer vorfindet. Ansonsten schleicht sie sich wieder in ihr Zimmer und spielt selbstständig. Wann ist sie nur so groß geworden?

Krankenbett statt Familienbett

Natürlich beschreibe ich hier unsere Normalsituation. Wenn ein Kind krank ist, ob nun Wölkchen oder Wirbelwind, werden sie sofort in unser Bett geholt.
Als Wirbelwind letztens nachts meinte eine Komplettentleerung vornehmen zu müssen, haben wir das Sofa ausgezogen, und sie schlief beim Papa. Zu mir habe ich sie nicht genommen, um nicht auch noch krank zu werden (Papa war bereits angeschlagen).
Wenn Wirbelwind in einem Schub steckt, zahnt oder aus sonstigen uns unerklärlichen Gründen mal wieder einen „Rappel“ hat, dann hole ich sie ebenfalls zu mir ins Bett. Dann gebe ich ihr den Halt, den sie braucht und einfordert. Und das sehr gerne.

Wir sind für unsere Kinder da, jederzeit. Aber jeder in seinem eigenen Bett, im Normalfall.

Wie sieht es bei Euch aus? Schlafen Eure Kinder bei Euch oder in einem eigenen Zimmer? Seid Ihr glücklich mit der Schlafsituation?

Eure Wiebke

Hier findet Ihr mehr Links zu anderen Bloggern und Ihren Schlafgeschichten.
Und hier gibt es eine schöne Übersicht zum Thema Familienbett im Speziellen. Wer hat es und wer nicht?

10 Comments

  1. 18 April 2016 at 5:15 am

    Schön zu lesen wie es bei anderen so ist!!! 🙂
    Bei uns gibt es ein Familienbett, auf 1,80m. Sowohl der Mann als auch ich lieben das, mit der Maus zu kuscheln und wir schlafen beide wesentlich ruhiger wenn sie bei uns ist. wenn sie mal in ihrem Bett in ihrem Zimmer schlafen möchte, was sie Phasenweise tut, vermissen wir sie immer und schrecken dauernd hoch! Also genau andersrum als bei euch. Kommt halt immer drauf an, und wenn die Situation so wäre wie bei euch dann würde es hier sicher auch kein Familienbett geben.
    Ich habe auch schon über unsere Schlafsituation mitsamt nächtlichen Kuschelattacken und angebrochenen Nasen geschrieben: http://www.naehfrosch.de/2015/08/schlafen-im-familienbett/

    Ich bin sehr gespannt,wie sich das weiter entwickelt wenn der Bauchzwerg da ist. Der kommt dann in den angestellten Babybalkon am Bett. Wir erzwingen da aber gar nix und lassen es mal auf uns zukommen, ob die Maus dann keinen Bock mehr hat und (mit Papa?) in ihr Zimmer umzieht oder ob wir künftig alle 4 zusammen kuscheln! 🙂

    LG
    Katja

    • 18 April 2016 at 11:10 am

      Liebe Katja, Vielen Dank für Deinen Kommentar und Deinen Link. Ich finde es auch spannend zu erfahren, wie es bei anderen so ist und welche individuelle Lösung für jede Familie am Ende herauskommt.
      Ich hoffe es bleibt bei Euch so schön kuschelig, wenn der Bauchzwerg da ist 🙂
      LG Wiebke

  2. 18 April 2016 at 4:03 pm

    Hallo Wiebke,

    hab mich schon seit der Ankündigung auf deinen Bericht gefreut. Unsere Maus schläft noch im Beistellbett neben mir. Wie schaffst du es denn, das Wölkchen so ruhig im Bett liegen bleibt, bis sie – ohne Tränen – einschläft? Das klappt bei mir nicht. Es wird rumgeturnt, aufgestanden und immer wieder hoch gerollt – egal wie müde – dafür reichen die Kräfte stundenlang aus. Irgendwann trage ich dann in den Schlaf, weil dann kein Rumzappeln mehr möglich ist. Wie hast du das angestellt? Die Idee mit dem Nachtlicht gefällt mir schon mal sehr. Das probiere ich gleich mal aus:)
    VG, Meta

    • 18 April 2016 at 9:01 pm

      Haha, wer hat gesagt, dass sie ruhig im Bett liegen bleibt ;-P
      Wenn das Zubettbringen etwas länger dauert, dann liegt es daran, dass sie sich immer wieder aufsetzt. Ich stupse sie dann immer wieder um, oder sie (wie oben beschrieben), fällt am Ende selber um. Ich warte einfach, bis sie soweit ist. Manchmal denke ich, sie kann den Tag einfach noch nicht richtig loslassen und muss sich nochmal umschauen. Irgendwann schläft sie dann doch ein.
      Weint Euer Kind denn im Bett? Wenn nicht, lass sie noch herumturnen, bis sie sich selber hinlegt, oder versuche es immer wieder sanft sie in die Liegeposition zu bringen. Wenn sie es gewohnt ist im Arm einzuschlafen ist es natürlich schwer für sie plötzlich im Bett einschlafen zu müssen. Da muss man zwei-dreimal geduldig sein, irgendwann akzeptiert sie das Bett als Einschlafort, nicht den Arm. Klingt leicht dahergesagt, ich weiß. Aber ich denke es ist alles eine Frage der Gewöhnung. Ich drücke Dir die Daumen! LG Wiebke

    • 18 April 2016 at 9:02 pm

      Jetzt habe ich "sie" gesagt. Tausche "sie" bitte durch "es" aus. Da habe ich von meinem Kind auf Deines geschlossen, dabei kenne ich das Geschlecht ja gar nicht 😉

  3. 19 April 2016 at 7:37 am

    Liebe Wiebke,

    ich kann viele deiner Erfahrungen teilen – bei uns schläft auch Jeder in seinem eigenen Bett. Ich wurde z.B. auch bei jedem Geräusch, jeder Drehung, jedem Pieps des Babys wach. Ich finde, ihr habt eine sehr gute Lösung gefunden!
    Viele Grüße

    • 20 April 2016 at 5:57 pm

      Liebe Christine,
      vielen Dank für Deinen Kommentar <3
      So findet jeder den für sich richtigen Weg 😉
      LG Wiebke

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