Wölkchen lässt es krachen – Oder: „Es ist nur eine Phase… Ohhhhhm“

Autonomiephase

Es wird Zeit Euch mal wieder aus unserem verflixten Alltag berichten. Denn gestern hat Wölkchen mir genug Gesprächsstoff… äh ich meine Schreibstoff geliefert. Mehr als genug.

Also… ich liebe ja mein Wölkchen. Wirklich. Aber manchmal, ja manchmal hoffe ich, es ist nur eine Phase, eine wirklich kurze Phase. Morgen darf sie gerne schon zu Ende sein. Und wehe Ihr lieben LeserInnen schreibt mir am Ende ins Kommentarfeld, dass diese Phase nun noch ein ganzen Jahr andauern wird. :-/

Wirbelwind steckt mit ihren 23 Monaten mitten in ihrer Autonomiephase. Alles möchte sie selber machen. Vieles davon darf sie auch, aber nicht wirklich alles davon kann sie auch. Und das führt zu Frust: entweder weil ich es ihr (aus Sicherheitsgründen) verweigere oder weil sie es eben nicht so hin bekommt, wie sie es sich in ihrem kleinen Köpfchen ausgedacht hat. Um es Euch zu verdeutlichen, möchte ich Euch ein wenig von unserem gestrigen Tag berichten.

Ein autonomes Kind ankleiden

Morgens geht es bereits los. Früher ging das Ankleiden ruckzuck. Neue Windel, Strümpfe, Hose, Oberteil. Fertig war der Boxenstop. Leise, schnell und ohne Proteste. Hach, das waren schöne Zeiten.

Tja und heute sieht es dann eben so aus: Zum Anziehen hebe ich Wölkchen auf den Wickeltisch. Noch bevor ich sie hinsetzen oder -legen kann, greift sie nach der Zinkcreme. Mit der Dose in der Hand legt sie sich hin, lässt sich entblößen und cremt ihren „Popo“ (genau genommen ist es die „Mumu“, weil die Arme nicht bis zum Po reichen) ein. Ich habe zu tun ihr die Cremedose nach einmal eintunken aus der Hand zu nehmen und das Oberteil zur Seite zu schieben, damit es nicht mit eingesaut wird. Manchmal kommt sie dann auf die Idee, im gleichen Atemzug auch noch ihr Gesicht einzucremen. Diesmal zum Glück nicht. Ich versuche ihr die Windel anzuziehen. Sie jault auf, weil sie die Klebestreifen selber zumachen möchte. Es gelingt ihr nur bedingt, so dass ich unter Protest (ihrerseits) nachhelfen muss. Auch der Schlüpfer muss selber angezogen werden. Dass sie es doof findet, dass ich ihn noch auf Rechts drehen und das Bild nach Vorne wenden muss, ist ihr ebenfalls deutlich zu vernehmen. Bei den Socken teilen wir uns dann rein und das klappt sogar ganz gut. Eine Socke ich, eine Socke sie. Das Shirt schließlich möchte sie aber wieder alleine machen. Erstaunlicherweise schafft sie es tatsächlich.

Beim Zähneputzen möchte sie dann unbedingt die Zahnpasta selber draufmachen. Wenn es die große Schwester darf, warum dann nicht sie? Ja, es ist schwer zu begreifen. Ich biete ihr an es gemeinsam zu tun. Nein, das war nicht die richtige Lösung. Durchgefallen im Mama-Diplom. Sechs. Setzen.

Irgendwann sind die Kinder im Kindergarten. Kurze Verschnaufpause.

Einen Dickkopf bändigen

… auf dem Spielplatz

Nachmittags hole ich die Kinder aus dem Kindergarten ab. Auf dem Nachhauseweg möchte Wölkchen unbedingt ihre Jacke ausziehen. Es sind ca. 15 Grad und ich finde es viel zu kalt. Aber ich möchte keinen Wutanfall riskieren und lasse sie gewähren. Die Jacke musste sie allerdings selber tragen. Nach der Hälfte der Stecke hat sie keine Lust mehr und schmeißt sie auf den Gehweg. Ehe ich mich darüber aufregen kann, erklärt sich unser lieber Wirbelwind dazu bereit die Jacke zu tragen <3.

Auf dem Spielplatz angekommen spielt Wölkchen zunächst eine Weile im kiesigen Sand. Irgendwann wird es ihr allerdings zu langweilig. Sie kommt zu mir, isst etwas Mandarine und schmiert ihre Hände an meiner Hose ab. Grmpf.

Nun möchte sie klettern. Und plötzlich ist das sonst so selbstständige Kind wieder hilfsbedürftig. Die Netzleiter, die sie bereits erfolgreich erklommen hatte, ist nun angeblich unbesteigbar. Demonstrativ setzt sie ihren Fuß neben das Seil und fällt zurück. Sie jammert, bis ich ihr hinaufhelfe. Auf der Plattform angekommen setzt sie sich an den Rand. Ich gehe davon aus, dass sie sich wieder fallen und von mir auffangen lassen möchte. Aber falsch gedacht. Sie schubst mich weg und möchte kamikazemäßig hinunterspringen, so wie es die großen Kinder immer machen. Das Problem: aus dieser Sitzposition würde sie unweigerlich mit ihrem Gesicht im Kies landen. Natürlich halte ich sie davon ab und ernte großen Protest. Ich hebe sie herunter und sie wälzt sich auf dem steinigen Boden. Irgendwann geht sie auf die andere Seite und versucht über einen Holzstamm erneut auf die Plattform zu kommen. Auch hier bittet sie mich um Hilfe. Ich erkläre ihr, dass ich ihr nicht helfe, weil ich nicht möchte, dass sie dort hinaufgeht, um hinunterzuspringen. Sie heult und jammert erneut.

So ging es noch eine Weile weiter. Ich setze hier mal einen Cut und switche uns nach Hause, um Euch nicht zu langweilen.

… zu Hause

Während ich den Geschirrspüler ausräume, spielen Wirbelwind und Wölkchen in ihrem Zimmer. Plötzlich ruft Wirbelwind: „Hier stinkt`s!“. Ich komme gucken und sehe, dass Wölkchen keine Hose mehr trägt. Immer öfter legt sie nachmittags ihre Windel ab und geht auf das Töpfchen. Oftmals geht es gut. Heute nicht.

Ich denke der Tweet ist verständlich genug. Mehr sage ich zu dieser Szene jetzt mal nicht.

Als alle Spuren beseitigt sind, essen wir Abendbrot. Sie schmiert sich ein Brot mit Mettwurst, um dann doch lieber Käse essen zu wollen. Ich erkläre ihr, dass sie erst ihr geschmiertes Brot aufessen muss, ehe sie etwas Neues bekommen darf. Sie schnappt sich die Mettwurstbrot-Stückchen und pfeffert sie auf den Boden. Wir sollten uns ein Haustier anschaffen. Es könnte allein von den Resten unter dem Esstisch überleben.

Einen Duracell-Hasen ins Bett bringen

Eine Mama und zwei Kinder

Nun wird es spannend. Der Mann ist nicht da und so bin ich für beide Kinder verantwortlich. Schon seit längerer Zeit bringen wir beide Kinder gleichzeitig ins Bett, weil Wölkchens Einschlafzeiten immer weiter nach hinten gewandert sind. Also spule ich das übliche Ritual ab: Sandmann schauen, Vorlesen, Umziehen, Zähneputzen und ab ins Bett. Theoretisch. Während ich Wirbelwind vorlese, natürlich genau das Buch, das Wölkchen NICHT haben wollte, holt sie kurzerhand ein Puzzlebuch aus dem Regal und schleudert die Puzzelteile auf den Boden. Na zumindest hat sie diese am Ende wieder eingesammelt.

Gegen 20 Uhr sind die Mäuse im Bett. Wirbelwind legt sich pflichtbewusst hin, Wölkchen zunächst auch. Doch dann bemerkt sie, dass Wirbelwind eine Puppe in der Hand hat und möchte sie haben. Ich biete ihr eine andere Puppe an, die sie zum Glück als Ersatz akzeptiert. Sie freut sich, dass sie die Puppe zudecken kann. Etwas zu munter, für meinen Geschmack. Ich lege mich vor ihr Bett. Kurz ist es ruhig, dann hört man einen Klettverschluss. Kurze Ruhe, dann wieder. Ich schaue auf und sehe, wie Wölkchen gerade das Kleid der Puppe öffnet. Ich bin nicht sonderlich begeistert und teile ihr das mit. Sie legt sich hin, um dann doch wieder aufzuspringen.

„Perlen vor die Säue“

Immer wieder findet Wölkchen einen Grund aufzustehen und Blödsinn zu machen. Irgendwann wird es mir zu bunt und ich verlasse den Raum. Gefrustet Schokolade mampfend höre ich die beiden durch das Babyfon reden. Wirbelwind versucht mich zu imitieren und mahnt Wölkchen zum Liegenbleiben an. Irgendwann ruft Wirbelwind entsetzt auf. Ich komme rein und sehe, wie Wölkchen auf ihrem Bett steht und Wirbelwinds Kunstwerke von der Wand reißt. An einem war ein Armband befestigt. Dessen Perlen liegen nun in Wölkchen Bett verstreut.

Nach der Chaosbeseitigung schicke ich Wirbelwind in das Elternbett, damit wenigstens sie zu Schlaf kommt. Dann lege ich mich zu Wölkchen. Sie legt sich tatsächlich hin. Nach einiger Zeit werden die Atemgeräusche ruhiger und ruhiger. Ich schöpfe Hoffnung. Draußen dunkelt es nun auch. Es ist fast 21 Uhr. Als ich gerade nachsehen möchte, ob sie nun eingeschlafen ist, richtet sich Wölkchen plötzlich auf, spuckt ihren Nuckel aus, hält mir ihren Zeigefinger entgegen und ruft begeistert „Popel!“. Ich grummele ihr zu, dass ich den Popel nicht haben möchte und verlasse den Raum erneut.

Ende gut, alles gut?

Ich husche zu Wirbelwind ins Bett. Auch sie ist noch wach. Sie merkt, dass ich genervt bin und spricht mich darauf an. Ich bestätige, dass ich es mit Wölkchen gerade sehr schwierig finde. Und ich erkläre, dass es mit ihr (Wirbelwind) irgendwie viel einfacher war. Sie haben wir ins Bett gelegt, und schon war sie eingeschlafen. „Ich war auch müde!“, fügt Wirbelwind in einem ernsten und neunmalklugen Ton hinzu, als könnte sie sich erinnern. Und bevor ich diese goldige Person abknutschen kann, meldet sich Wölkchen wieder empört durch das Babyfon.

Als ich im Kinderzimmer erscheine, beugt sie sich gerade über ihr Bett und versucht ihren heruntergefallenen Nuckel zu fassen zu kriegen. Vergebens. Ich stecke ihn ihr energisch in den Mund und fordere sie auf sich hinzulegen. Sie tut es. Sie nimmt meine Hand, wälzt sich drölfzig Mal hin und her und irgendwann schläft sie tatsächlich ein. Es ist nach 21 Uhr. Nun muss ich nur noch meinen Finger aus ihrer Faust befreien. Ich dachte immer die Muskeln erschlaffen im Schlaf, aber Wölkchen hält meine Finger fest umschlossen, drückt sogar noch etwas nach, wenn ich mich versuche zu lösen. Sie ist eben, auch wenn sie schläft, etwas ganz Besonderes.

Kennt Ihr das auch? Schlafen Eure Kinder auch plötzlich so wenig bzw. sind sie so unleidig, wenn sie nicht sofort das bekommen, was sie wollen?

Und wenn ja: wie geht Ihr damit um?

Eure Wiebke

3 Comments

  1. 11 Mai 2017 at 9:56 pm

    Das, was Du hier beschreibst, liebe Wiebke, könnte auch unser Alltag sein. Meine Maus ist nur 2 -3 Monate älter als Wölkchen und hat es auch schon sehr gut drauf, das Trotzen. Zurzeit geht sie nicht vor 21:30 Uhr schlafen. Sehr mühsam…es ist aber bestimmt nur eine Phase. Dann kommen wieder Zeiten, wo sie allgemein „in sich ruhender“ ist und mehr kooperiert. Dann ist der Alltag und das Miteinander auch viel angenehmer und schöner…

  2. Kathrin
    Antworten
    12 Mai 2017 at 3:47 pm

    Tja, unser Sohn ist jetz fast 6 und ja, es wird besser. Mehr sage ich jetzt nicht 😕🙂

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