Wir sind nuckelfrei – das war ja einfach!

So gewöhnt man dem Kind den Schnuller ab

Ach ja, der Nuckel, auch Schnuller, Nucki, Nuni, Beruhigungssauger oder ähnliches genannt. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um den heißbegehrten Nuckel geht. War er anfangs noch zur Beruhigung und zur Befriedigung des Saugbedürfnisses gedacht, avanciert er mit der Zeit zu einem liebenswerten Begleiter, einem Spielzeug, einem Kuschelersatz. Doch irgendwann muss er gehen, spätestens wenn das Milchgebiss vollständig ist, sollte man an den bevorstehenden Abschied denken. Doch das ist leichter gesagt als getan…

Warum den Schnuller abgewöhnen?

Alles fing mit unserem ersten Zahnarztbesuch kurz vor dem zweiten Geburtstag an. Die Zähne sahen zwar gut aus, soweit das die Ärztin beim maßlos schluchzenden und mundzusammenbeißenden Kind sehen konnte. Aber sie riet uns dennoch dazu, auf Grund des fast vollständigen Gebisses allmählich mit der Abgewöhnung des Nuckels zu beginnen.

Aber warum eigentlich? Wir erzählten Wirbelwind immer wieder: Du kannst den Nuckel nicht so oft nehmen, der
macht die Zähne kaputt. Und das ist nicht gelogen. Durch zu langes Nuckeln kann es zu Zahnfehlstellungen kommen, welche sich auch auf die zweiten Zähne übertragen können. Auch Verformungen des Gaumens sind keine Seltenheit, die wiederum Sprachstörungen verursachen können. Aus meiner Sicht wirklich gute Gründe die Saugvorrichtung aus dem Haushalt zu verbannen.
Andererseits ist so ein Nuckel auch echt tröstlich. Denn Nuckeln beruhigt und gibt ein Gefühl der Sicherheit. Und genau deshalb tun sich viele Kinder schwer damit, sich von ihrem heißgeliebten Nuckel zu trennen.

Wirbelwinds Nuckel-Historie

Blicken wir erst einmal zurück. Wie war es bei Wirbelwind? Wann hat sie den ersten Nuckel genommen und wie oft?
Erst mit sieben Monaten ließ Wirbelwind einen Nuckel zu. Und wir gaben ihn ihr nur zum Schlafen. Erst in den folgenden Monaten lernte sie ihn besser kennen und lieben. Auf Autofahrten oder im Kinderwagen schlief sie auch ohne ein, im Bett zum Mittags- und Nachtschlaf hingegen verlangte sie immer danach. Dennoch bekam sie ihn nur im Bett, auch wenn wir uns manchmal tagsüber etwas schummelten und uns in unser Bett verkrochen, damit sie
ihre Nuckeldosis erhielt.

Dann mit 1 ½ Jahren, als sie anfing Sandmann zu schauen, durfte sie auch bereits vorm Fernseher ihrer Leidenschaft frönen. Wenn wir also vom Spielplatz spät nach Hause kamen, erhielt sie ihren Nuckel, setzte sich vor die Glotze und nuckelte drauflos. Wenn wir allerdings zu früh nach Hause kamen, wollte sie dennoch den Nuckel. Und wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann ist sie davon nicht so schnell abzubringen. So kam es öfter mal vor, dass sie abends ganze zwei Stunden mit Nuckel herumlief – von Essens- und Redepausen einmal abgesehen. Das konnte so nicht weitergehen. Den Nuckel-Konsum mussten wir eindämmen – ihr habt die Ärztin ja gehört.

Tipps zum Schnuller abgewöhnen

Sinnvoll ist es, die Abgewöhnung des Nuckels nicht in den Start der Fremdbetreuung zu legen. Das wären zwei zu große Schicksalsschläge auf einmal. Sollte das Kind auch tagsüber sehr am Nuckel hängen, kann man versuchen mit Einsicht („Du bist schon groß, Du brauchst das nicht mehr“, „Das macht die Zähne kaputt“) oder mit Ablenkung den Nuckel aus dem Tagesalltag zu entfernen. Als Ersatz kann ein neuer Trostspender her, zum Beispiel ein kleines Kuscheltier.

Nachts ist es schon deutlich schwieriger. Das Gute: Selbst wenn der Nuckel zum Einschlafen gebraucht wird, fällt er bald eh aus dem Mund. Wenn man den Nuckel dann endgültig verschwinden lässt, kann auch hier ein Kuschelersatz helfen. Auch sollten Eltern gegenüber ihren Kindern Verständnis zeigen und beim Einschlafen ohne Nuckel zur Seite stehen.

Wie letztendlich der Schritt in die Nuckel-Freiheit gelingt, dazu gibt es zahlreiche Ideen. Hier eine kleine
Auswahl:

1. Schnullerfee

Die Nuckel werden abends unter das Kopfkissen gelegt. Die Schnullerfee holt sich diese ab und hinterlässt im Gegenzug ein Geschenk für das Kind da. Manchen Kindern bereitet die Vorstellung Unbehagen, dass die Schnullerfee in das Zimmer kommt. Dann kann man den Schauplatz auch nach draußen verlagern, zum Beispiel vor die Zimmertür oder in die Küche.

2. Schnullerbaum

In einigen Städten gibt es so genannte Schnullerbäume. Dort kann man gemeinsam mit dem Kind die Nuckel aufhängen und später immer mal besuchen kommen.

3. Weihnachtsmann und Osterhase

Normalerweise bringen Weihnachtsmann und Osterhase ja Geschenke. In diesem Fall nehmen sie etwas mit, nämlich den Nuckel. Blöd nur, wenn der Weihnachtsmann den Nuckel mitnimmt, und der Osterhase wiederbringt. Da muss man standhaft bleiben.

4. Beerdigung

ine weitere Variante ist eine Art „Beerdigung“ des Nuckels. Das Kind sollte bereits ein paar Wochen darauf vorbereitet werden. Alle Familienmitglieder gehen dann gemeinsam zum letzten Ruheort des Nuckels, wahlweise ein Loch im Garten oder die Mülltonne, sprechen ihre Abschiedsworte und das Kind darf die Nuckel hineinwerfen.

Und wie war das jetzt bei uns?

Ich habe mir also diese schönen Ideen zurechtgelegt, wie ich dem Kind den Nuckel abgewöhnen kann. Mein Favorit wäre der Schnullerbaum gewesen, den es auch bei uns in der Stadt gibt. An zweiter Stelle käme dann die Schnullerfee. Als Zeitpunkt hatte ich mir so 2 3/4 Jahre ausgeguckt, weil da viele in meinem Umfeld das Kind Nuckelfrei bekommen haben. Doch wie sagt man so schön: es kommt immer anders als man denkt. Und so war es auch…

Letzte Woche, Wirbelwind war also knapp über zwei Jahre alt, war ich abends beim Volleyball und der Papa durfte die Kleine alleine ins Bett bringen. 19:21 erreichten mich dann folgenden vier Worte auf meinem Handy: „Schläft jetzt ohne Nuckel“. Wie bitte?????? Da ist man einmal aus dem Haus, und schon wird die Welt umgekrempelt. Später erfuhr ich mehr. Er hat ihr erzählt, dass sie ja jetzt schon groß sei und demnächst in die größere Kindergartengruppe komme und deshalb keinen Nuckel mehr brauche. Etwas gemeckert habe sie wohl, aber mehr auch nicht. Sie hat bis 6:30 Uhr am nächsten Tag geschlafen, ohne in der Nacht nach ihrem Nuckel zu verlangen.

Auch die darauffolgende Nacht klappte es weiterhin so gut. Ich fragte sie abends, ob sie auch diese Nacht den Nuckel weglassen möchte, und sie antwortete überraschenderweise „Ja“. Dafür klammerte sie sich an ihren „Schnippsball“ und wollte ihn unbedingt mit ins Bett nehmen. Das durfte sie auch (quasi als Nuckelersatz), aber Geschrei gab es schließlich trotzdem, nicht wegen dem Nuckel, sondern wegen dem fehlenden Ball im Fangbecher. Auch die nächsten Abende ging es gut weiter. Insgesamt schlief sie zwar deutlich unruhiger ein, suchte immer wieder nach Ablenkung, aber nach ihrem Nuckel verlangte sie nicht mehr.

Unser Fazit

Das wichtigste beim Nuckelabgewöhnen ist aus meiner Sicht an das Verständnis des Kindes zu appelieren. Die oben genannten Varianten versuchen ja genau dies zu tun: sie sollen helfen vom Nuckel Abschied zu nehmen und zeigen, dass man nun groß genug für Neues ist. Wichtig dabei ist jedoch auch der richtige Zeitpunkt, der bei jedem Kind ein anderer sein kann. Das eine Kind hat von Beginn an keinen Nuckel, das zweite braucht ihn bereits mit einem Jahr nicht mehr, andere hängen mit vier noch daran. Doch je später man mit der Entwöhnung beginnt, desto schwerer wird es aus meiner Sicht, weil die Erinnerungen daran zunehmen.
In dem Sinne wünsche ich Euch das richtige Gespür für den passenden Augenblick, viel Geduld und Kraft, damit Eurer Liebling in einen zahnfreundlichen Neuanfang starten kann 😉

Kleiner Nachtrag:
Wer ein Beispiel hören möchte, wie es mit Schnullerfee geklappt hat (mit schönen Bildern), kann ja mal bei JesSi reinschauen.

8 Comments

  1. 27 Juli 2014 at 10:18 am

    Toll, dass ihr es geschafft habt.
    Zum Entwöhnen hab ich noch eine nette Idee in einem Kommentar bei Frau Mutter gelesen:
    Das Kind erhält vom "Schnullerbüro" einen Brief, in dem es aufgefordert wird, alle Schnuller so bald als möglich an das Schnullerbüro zu senden. Die Schnuller werden schön verpackt zur Post gebracht, als Entschädigung bekommt das Kind ein paar Tage später ein Paket mit einem Überraschungsgeschenk.

    • 27 Juli 2014 at 10:32 am

      "Schnullerbüro", klingt ja witzig. Aber das ist wohl eher was für Kinder, die schon etwas älter sind, so drei Jahre?! Unsere kennt das Wort "Büro" noch gar nicht :/
      Ja, der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt…

  2. 27 Juli 2014 at 3:41 pm

    Spannend wie es bei anderen so läuft – wir sind ihn viel schneller und komplikationsloser losgeworden als gedacht und haben hier http://feiersunsworld.blogspot.de/2014/04/Schnullerfrei.html darüber berichtet.

    So kann es ja auch gehen 😀

    Liebste Grüße
    JesSi

    • 27 Juli 2014 at 7:01 pm

      Ja das stimmt. Ich höre auch immer gerne, wie andere es so machen. Schön, dass Du nochmal drauf verwiesen hast, ich habe Deinen Link gleich mal im Post eingefügt 😉

  3. 29 Juli 2014 at 7:44 pm

    Ist ja toll! Wir werden das demnächst auch mal in Angriff nehmen und lesen gerade jeden Abend "Moritz Moppelpo braucht keinen Schnuller mehr", irgendwie findet der kleine Kaaskop das Buch voll toll. Aber bisher hat er immer einen Rückzieher gemacht, wenn ich ihn fragte, ob er es auch mal ohne Schnulli versuchen will. Die verbale Anti-Schnuller-Kampagne läuft auch ("Nur Babies haben Schnuller, du bist doch schon so groß" usw.). Mal sehen. Zur Not tische ich ihm das bei holländischen Eltern beliebte Märchen auf, dass in der Nacht vor dem 3. Geburtstag die Heinzelmännchen kommen und den Schnuller mitnehmen, um ihn an kleinere Kinder weiterzugeben, die ihn dringender brauchen…
    LG aus Holland, Kristine

    • 29 Juli 2014 at 8:13 pm

      Na da wünsche ich Euch auch viel Glück! Wirbelwind hat ja zuvor immer schon erzählt, dass sie ja jetzt groß ist und dies und das schon alleine kann. So konnten wir dann den Spieß umdrehen und ihr weismachen, dass große Kinder ja keinen Nuckel haben. Das Buch klingt ja auch sehr interessant, ist sicherlich der richtige Weg Einsicht beim Kind zu fördern. Du kannst ja berichten, wenn es geklappt hat 😉
      LG Wiebke

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