2 1/2 Stunden Autofahrt

2,5 Stunden Autofahrt mit zwei Kindern

Erinnert Ihr Euch daran, wie es war, als Ihr noch keine Kinder hattet und ein paar Stunden Auto fahren musstet? Das Fahren auf der Autobahn bereitete mir zwar angesichts meiner fehlenden Fahrpraxis ein mulmiges Gefühl. Aber das war auch schon mein einziges Problem. Ich konnte das Radio nach meinen Wünschen wählen und meiner Lieblingsmusik lauschen. Meine größte Sorge war es höchstens, ob ich doch noch mal auf die Toilette hätte gehen sollen.

Tja und heute mit zwei Kindern gestaltet sich so eine Autofahrt irgendwie… äh… anders. Längere Strecken plane ich grundsätzlich so, dass sie auf die Mittagszeit fallen, in der Hoffnung, dass mindestens eines der liebreizenden Kindern in wohligen, ruhigen Schlaf verfallen. Leider ist das keine Garantie für eine entspannte Autofahrt. So zeigte es das Beispiel vergangenes Wochenende.


Ich holte die beiden Mäuse als Mittagskinder im Kindergarten ab. Ihre Euphorie währte nur kurz, als sie erfuhren, dass sie im Auto gerne schlafen dürfen. „Aber wir sind doch Mittagskinder!“. Scheinbar schließt dieses Detail das Schlafen aus. Mein Fehler.

Wir waren so ca. 5 Minuten unterwegs, da ertönte das erste Mal die Frage von Wölkchen, ob wir bald da wären. So paradox das klingt, aber diesen Rekord unterbot Wirbelwind vor drei Jahren, als sie uns genau diese Frage stellte, nachdem unser Auto exakt 100 Meter zurück gelegt hatte. Es ist ein Phänomen.

Aber ich schweife ab. Zurück zur aktuellen Autofahrt. Wir fuhren auf die Autobahn und ich merkte an, dass heute recht viel Verkehr ist. Wirbelwind kommentierte: „Vielleicht waren alle heute Mittagskind!“. Ich liebe die kindliche Logik.

Für die Fahrt hatte ich den Kindern jeweils eine kleine Tic-Tac-Packung mitgebracht. Ein schwerer Fehler, wie sich später herausstellte. Während Wirbelwind ein paar Tic Tacs wohldosiert naschte, verschlang Wölkchen eines nach dem anderen. Dass sie die letzten beiden Stück nicht auch noch verdrückte, lag nur daran, dass diese mit der Packung verklebt waren.

Eine zeitlang war es ruhig, dann hörte ich Wölkchen „es schneit, es schneit!“, aus dem hinteren Bereich des Autos rufen. Ich kommentierte dies besserwisserisch mit: „Kann gar nicht sein, es sind sechs Grad draußen!“. Ein Blick nach Hinten verriet mir dann, dass Wölkchen gar nicht so sehr daneben lag. Sie hatte sich ein altes Taschentuch geschnappt und es in tausend Einzelteile zerlegt. Nun war sie heftig am Schütteln und freute sich über die späten Winterboten.

Inzwischen war über eine Stunde vergangen. Der Mittag wandelte sich allmählich in einen Nachmittag und das Autoschläfchen rückte immer weiter in die Ferne. Ich versuchte es mit Argumenten, wie: „Die Fahrt ist für Euch schneller vorbei, wenn Ihr etwas schlaft!“ Aber Wölkchen hatte inzwischen so viel Zucker intus, dass sie wahrscheinlich auch auf einer achtstündigen Fahrt nicht einschlafen würde.

Ich hatte damit zwei Probleme: Zum einen kam ich nicht an meine Süßigkeiten auf dem Beifahrersitz, weil meine aufmerksamen und wachen Kinder auf der Rücksitzbank das mitbekommen würden. Zum anderen stieg der Geräuschpegel ins Unermessliche, auch angesichts der übermüdeten Laune Wölkchens. Schließlich wurde ich grandios abgelenkt. Immer und immer wieder. Sagen wir mal so: zumindest bestand nie die Gefahr, dass ich einzuschlafen drohte. Meine Kaffee auf zwei … äh … vier Beinen sorgte schon dafür. Das ist schon ganz clever von der Natur eingerichtet, das unsere Kinder uns übermüdeten Eltern während der Autofahrt so gewissenhaft wach halten.

Der Höhepunkt der Fahrt war aber definitiv, als Wölkchen – wir waren immer noch auf der Autobahn – das Fenster herunter kurbelte. Als ich sie bat, es bitte wieder zuzumachen, drehte sie die Kurbel gleich noch ein Stück weiter in die falsche Richtung. Nun ja, nach unten geht es eben leichter, als nach oben. Wölkchen verzweifelte etwas angesichts der Schwere der Aufgabe. „Ich kann das nicht!“, rief sie mir zu. Und hier handelte Wirbelwind prima. Sie mutierte zum Motivationstrainer und feuerte Wölkchen immer und immer wieder an. Mit jedem Millimeter, den das Fenster mehr zuging und Wirbelwind begeistert jubelte, lachte Wölkchen breiter und breiter über das Gesicht. Und tatsächlich, ein paar Minuten später war das Fenster wieder geschlossen.

Nach zweieinhalb Stunden ununterbrochener Unterhaltung sind wir tatsächlich wohlbehalten am Ziel angekommen. Das ist doch schon mal einen Applaus wert.

Sind Eure Kinder eher stille Beifahrer, oder aktive „Mitgestalter“?

Eure Wiebke

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