Zwei Tage, zwei Launen und eine Erkenntnis

Stress mit Kindern - alles eine Frage der Einstellung?

Was Zeit so ausmacht, dass hat mir Wölkchen die letzten zwei Morgende sehr eindrucksvoll bewiesen. Genau genommen war es nicht die Zeit an sich, die zwei völlig verschiedene Reaktionen bewirkt hat, sondern die Tatsache, wie ich damit umgegangen bin. Und das macht mich nachdenklich und vielleicht, ja vielleicht lerne ich daraus sogar etwas für zukünftige stressige Situationen. Aber ich rede für Euch wahrscheinlich gerade in Rätseln. Ich werde einmal von Vorne beginnen, damit Ihr wisst, was ich meine….

Tag 1: Hektik pur

Ich muss 8:30 Uhr auf Arbeit sein, und so stelle ich mir den Wecker auf 7 Uhr. Das sollte reichen. Ich wache pünktlich auf, nur die Kinder schlafen und schlafen und schlafen. Nun gut, denke ich mir, dann kümmere ich mich erst einmal in Ruhe um mich. Als ich dann den Frühstückstisch decken will, steht Wölkchen ganz verschlafen mit Schnuller, Tuch und Schlafsack bekleidet im Flur. Wir wecken Wirbelwind, die tief und fest in ihrem Bett schlummert. Es ist bereits 7:30 Uhr und ich musst mit beiden Kindern um 8 Uhr das  Haus verlassen, um sie im Kindergarten abzugeben und dennoch pünktlich auf Arbeit zu sein. Das war heute besonders wichtig, weil ich den Schlüssel hatte. Diese Verantwortung! Eine halbe Stunde. Joah, sportlich.

Wir frühstücken. Jedes Kind bekommt einen Toast. Weil Wirbelwind noch hungrig ist, gebe ich ihr Knäckebrot. Während Wölkchen ihr Toastbrot isst, putzt sich Wirbelwind bereits die Zähne. Jetzt musst ich beide Kinder nur noch anziehen und bei Wölkchen die Zähne putzen. Wir haben noch 10 Minuten. Ich mache Stress. Wölkchen lässt sich davon nicht irritieren und will nun auch noch ein Knäckebrot essen. Ist ja logisch, wenn es das Wirbelwind auch durfte. Ich erkläre ihr hektisch, dass dafür keine Zeit ist und sie das Knäckebrot im Auto essen kann. Wölkchen schaute mich verdattert an, nach dem Motto: „Häh, was bitteschön ist diese Zeit, von der du da quatscht?“ und fängt dann jämmerlich an zu weinen. Ich schmiere ihr also doch noch ihr Knäckebrot, um es ihr nach der Hälfte aus der Hand zu reißen, unter Heulen Zähne zu putzen und ihr wieder in die Hand zu stecken. Schnell noch die Kinder einkleiden, Schuhe anziehen, Rucksäcke schnappen und dann nichts wie los. Dass ich hierbei Wölkchen ankleide, und sie nicht selber machen lasse, setzt einen weiteren Punkt auf Wölkchens Miese-Laune-Karte. Panisch starre ich auf die Uhr. Es ist bereits nach 8 Uhr. Wir gehen zum Auto. Wölkchen jammert, aber ich weiß nicht warum. Ich lasse sie die Tür öffnen und bitte sie einzusteigen, aber sie steht davor und weint. Also nehme ich sie und stecke sie in ihren Kindersitz. Sie windet sich und heult. Es tut mir im Herzen weh, aber in dem Moment sehe ich keine andere Möglichkeit. Ich schnalle Wirbelwind an, setzte mich auf den Fahrersitz und fahre los. Natürlich staut es sich im Berufsverkehr und wir brauchen für die 3-Minuten-Strecke eine gefühlte Ewigkeit. Gegen Ende der Fahrt beruhigt sich Wölkchen etwas.

Dennoch merke ich beim Aussteigen aus dem Auto das sehr zarte Nervenkostüm. Ich ziehe sie im Kindergarten aus und versuche die Wogen noch etwas zu glätten. Sie möchte von mir hochgenommen und reingetragen werden. Ich überreiche sie der Erzieherin mit den ehrlichen Worten, dass sie etwas aufgelöst ist, weil ich heute so viel Stress gemacht habe. Wie um es zu beweisen, weinte sie auch gleich los, als ich mich von ihr verabschiedete. Mist.

Ich fuhr auf Arbeit und war exakt 8:30 Uhr da.

Was war denn das?

Den ganzen Tag lang dachte ich über die morgendliche Situation nach. Es tat mir so Leid, dass Wölkchen so durcheinander und (zu Recht) empört darüber war, dass ich mich so seltsam verhalten habe. Ich nahm mir vor das nächste Mal besser zu handeln. Ruhiger, verständnisvoller, gelassener.

Ich konnte es gleich testen, denn auch am zweiten Tag musste ich um 8:30 Uhr auf Arbeit sein. Ich stellte mir den Wecker auf 7 Uhr und beschloss, die Kinder sofort zu wecken und nicht ausschlafen zu lassen.

Tag 2: Alles besser?

Ich werde um 5:48 Uhr wach. Die Sonne scheint ins Schlafzimmer und ich schrecke hoch, weil ich angst habe den Wecker überhört zu haben. Eine dreiviertel Stunde lang wälze ich mich im Bett, dann höre ich Wölkchen durch das Babyphone und kurze Zeit später auch Wirbelwind. Ich gehe rüber und wir kuscheln uns alle noch ein wenig zusammen. Dann steht Wirbelwind auf und ich genieße die Zweisamkeit mit Wölkchen. Sie sichtlich auch. Irgendwann kommt Wirbelwind rein und lockt sie mit Joghurt. Wölkchen wirft Nuckel und Tuch beiseite, springt auf und sprintet zur Tür. Ich lächle hinterher.

Es ist 7 Uhr, als wir am Frühstückstisch sitzen. Mein Wecker klingelt und ich schalte ihn aus. Die Kinder essen Joghurt und Toastbrot. Wölkchen möchte irgendwann nicht mehr von ihrem Platz aus essen, sondern von meinem Schoß. Ich lasse sie gewähren. Sie ist zufrieden.

Nach dem Frühstück sitzen beide auf dem Teppich und puzzeln. Ich schnappe mir Wölkchens Zahnbürste und putze ihre Zähne kurzerhand auf dem Teppich. Sie lacht, während sie gleichzeitig meine Zahnbürste in meinem Mund herumrührt.

Nun muss ich beide ankleiden. Wölkchen darf sich selber anziehen, nur die Windel und die Creme mache ich ihr. Sie ist zufrieden. An der Eingangstür entdeckt sie einen Schlafsack, den ich eigentlich aussortieren wollte. Sie gibt ihn nicht mehr aus der Hand. Ich gestatte ihr ihn mit in den Kindergarten zu nehmen. Was sie dann dort damit macht, ist mir ja egal. Zügig aber dennoch ruhig verlassen wir die Wohnung. Gut gelaunt laufen die Kinder das Treppenhaus hinunter.

Als wir uns dem Auto nähern, meldet sich Wölkchen, ähnlich wie gestern. Doch nun verstehe ich sie. Sie möchte den Autoschlüssel haben. Ich gebe ihn ihr und sie ist glücklich. Zum Türöffnen gibt sie ihn mir ohne Probleme wieder zurück. Es ist eine entspannte und ruhige Autofahrt, unterbrochen von Ampelgrünpusten und „Oh-Bagger“-Rufen.

Als wir im Kindergarten ankommen, darf sie alleine aus dem Auto steigen. Sie schnappt sich ihren Schlafsack und schlendert zum Eingang. Sie geht selbstständig in den Raum. Der Erzieherin erkläre ich, dass sie den Schlafsack unbedingt mitnehmen wollte. Sie meinte darauf hin „Na, zur Not legst Du Dich einfach drauf, wenn es zu warm wird“. Und damit war die Sache gegessen. Auf dem Weg in Richtung Bett drehte sie sich zu mir noch einmal fröhlich um und winkte mir zum Abschied zu.

Ich war 8:20 Uhr auf Arbeit.

Und was lerne ich daraus?

Zwei Tage, zwei Morgende mit den selben Personen. Und zwei so unterschiedliche Wege. Diese beiden so unterschiedlichen Verläufe machen mich unglaublich nachdenklich. Denn im Prinzip ist das Einzige, was anderes war, mein Verhalten. Am ersten Tag war ich gestresst und hektisch und die Kinder, insbesondere Wölkchen entsprechend auch. Es ist ja auch nicht verwunderlich, wenn sie mein Verhalten spiegelt oder es vielleicht sogar überhaupt nicht versteht. Am zweiten Tag war ich deutlich ruhiger, ging auf meine Kinder ein und genoss einfach die Zeit mit Ihnen, ohne dabei den Blick auf die Uhr zu verlieren. Und heraus kam nicht nur eine pünktliche Wiebke sondern auch noch glückliche Kinder. Ist es so einfach? Ja, manchmal ist es das. Manchmal haben wir es in der Macht über den Verlauf des Tages und die Laune der Kinder zu bestimmen. Und meistens ist es gar nicht so schwierig, wie man denkt.

Das behalte ich im Hinterkopf, wenn ich das nächste Mal hektisch auf die Uhr schaue. Ich hoffe nicht zu weit hinten im Hinterkopf.

Eure Wiebke

3 Comments

  1. Claudia
    Antworten
    16 Mai 2017 at 10:49 pm

    Oh ja, das kenne ich genau so!! Bin zur Zeit unter der Woche alleine mit den Kindern, der Umzug steht kurz bevor, da ist man noch schneller gereizt und wenn dann die Trödelei losgeht… argh!! Dann weiß ich zwar genau, dass es meine Schuld ist, aber das ärgert mich dann noch mehr.

    • 16 Mai 2017 at 11:05 pm

      Manchmal kann man dann auch einfach nicht aus seiner Haut fahren. Wir sind auch nur Menschen. Aber es zumindest zu erkennen, hilft ja ungemein, es das nächste Mal anders zu machen. Nehme ich mir zumindest so vor… 😉 Und wenn Du unter der Woche ganz alleine mit den Kindern bist, da kann ich verstehen, dass man schnell mal gereizt ist. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft.
      LG Wiebke

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