Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt…

Jeden
Morgen freue ich mich darauf, dass mein Wirbelwind erwacht und ich sie zum
morgendlichen Kuscheln in mein Bett holen kann. Ich liebe es mich an sie zu drücken,
ihr über den Kopf zu streicheln und mit Küssen zu übersähen. Ich glaube ich
brauche die Schmuseeinheiten fast mehr als sie! Und jeden Abend bin ich froh,
wenn ich sie in das Bett lege, das Licht ausknipse und ihr Gutenachtlied singe.
Denn dann weiß ich, dass ich mich gleich auf das Sofa lümmeln und in Ruhe im
Internet surfen, an meinem Blog schreiben, etwas online shoppen kann.
Und
so zwiespältig, wie der Tag beginnt und endet, sind auch die Stunden, Minuten
und Sekunden dazwischen…
Ruhe vs. Wirbelwind
Ich
kann mich noch erinnern, dass ich vor der Geburt des Wirbelwindes abends oft
unruhig hin- und her lief und mich einfach unvollkommen fühlte. Die Stille, das
Nichtstun am Abend, es brachte mich fast um den Verstand. Ich merkte, dass
etwas fehlte in meinem Leben, eine Füllung, eine Erfüllung. Und nun habe ich
sie, die (Er-)Füllung. Am Tag bleibt mir kaum eine ruhige Minute für mich
selber. Wirbelwind fordert die gesamte Aufmerksamkeit. Die abends einigermaßen
ordentlich geräumte Wohnung wird in Sekundenbruchteilen wieder verwüstet. So
schnell kann ich gar nicht gucken, da liegen Bücher, Stifte, Rosinen,
Taschentücher, Zeitungen und Kerzen auf dem Boden verstreut herum. Die
Aufforderung, das Chaos doch bitte wieder wegzuräumen sage ich doch eher zu mir
selber, als zu meiner Tochter. Ab und an, wenn sie gut gelaunt ist, hilft sie
mir sogar, zwei der gefühlten 100 Rosinen auf dem Boden in die Schale zurück zu
räumen. Gibt es eigentlich einen „Rosinenspender“? Das wäre doch mal eine tolle
Erfindung.
Am
Ende des Tages habe ich die Wohnung 20 Mal aufgeräumt und zwei Kilo abgenommen.
Die Ruhe am Abend finde ich heute nicht mehr beunruhigend, sie ist meine
notwendige Regeneration. Wie ein Arbeiter mit einem 12 Stunden-Arbeitstag falle
ich völlig erschöpft in mein Bett. Ich schlafe deutlich besser, tiefer und
fester als früher. Ich habe meine Erfüllung gefunden.
Liebe vs. Angst
Einen
ganz anderen Kontrast gibt es, wenn in einem Moment mein Herz vor Liebe und
Glück bersten will und es sich im nächsten Moment vor Schmerz und Angst verkrampft.
Viele Gefühle, die so widersprüchlich erscheinen, liegen manchmal doch eng
beieinander. Heute Morgen beispielsweise, nachdem wir das
Kuschel-Schmusen-Abschmatzen-Ritual hinter uns gebracht haben und ich sie auf
dem Wickeltisch ausgezogen hatte, schlug mir meine Liebe direkt ins Gesicht:
Wirbelwind hat, seit sie drei Monate alt ist, ganz leichte Neurodermitis. Wir
haben es immer als „Hautirritation“ bezeichnet, weil „Neurodermitis“ doch ein
sehr schweres Wort ist. Und seit diesem Sommer war die Haut auch fast fleckenfrei.
Kortison mussten wir zum Glück noch nicht geben. Seitdem sie aber in den
Kindergarten geht, wird ihre Haut von Tag zu Tag zusehends schlechter.
Vielleicht verträgt sie etwas nicht? Gestern habe ich erfahren, dass sie zum
Vesper Kuhmilch bekommen. Vielleicht ist es eine Milcheiweißallergie? Oder Möhren
hatten wir auch schon im Verdacht. Auf jeden Fall sahen ihre Knie- und
Armbeugen heute Morgen zum losheulen aus: rot glühend, rissig, erhaben. Das ist
die Kehrseite der Liebe: Angst. Angst, um die Gesundheit meines Kindes, Angst
davor, dass die Haut die nächsten Wochen NOCH schlechter wird. Angst, dass sie
sich irgendwann nur noch den ganzen Körper aufkratzt, so wie es bei ihrem
Cousin der Fall ist. Es ist diese Ohnmacht, die mir Fesseln anlegt, die mich
heute den ganzen Tag mit einem Kloß in dem Hals herumlaufen ließ. Morgen werde
ich zum Hautarzt gehen. Mal sehen, was er sagt. Und mit den Erziehern im
Kindergarten werde ich wohl auch reden müssen. Ich hoffe sie halten mich nicht
für verrückt, wenn ich Ihnen sage, dass sie dem Wirbelwind keine Milch geben
sollen…
Und
so kontrastreich wird es wohl auch die nächsten Jahre weiter gehen. Immer
wieder werden wir mit unseren Gefühlen konfrontiert, stehen in einem Zwiespalt
zwischen Geben und Nehmen, Halten und Loslassen, Erziehen und Lieben (für mich
teilweise zwei Gegensätze). Wir müssen Entscheidungen treffen, bei denen
entweder das Herz oder der Verstand zurückstecken müssen. Manchmal sogar beide
Seiten. Und es wird nicht einfacher, je länger die Knirpse in unserem Leben
sind. Mit der Liebe wachsen auch die Herausforderungen…

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