Ganz der Papa / ganz die Mama – Was wir in unseren Kindern sehen

Quelle: Pixaby.com

Ja, wir Eltern sind doch in einer Hinsicht alle gleich: sobald wir den ersten Ultraschall in den Händen halten oder dann, nach einer mehr oder weniger schweren Geburt das gemeinsame Baby, fangen sie an, die Spekulationen. Ich weiß noch, wie ich auf das Ultraschallbild nach der Feindiagnostik schaute und dachte: hm das fliehende Kinn hat aber keiner von uns beiden. Oder wie ich nach der Geburt in die scheinbar so vertrauten und irgendwie doch so fremden Gesichtszüge schaute, völlig überwältigt war von der Schönheit des Kindes und dennoch gleich mit dem Vater anfing zu spekulieren, ob Mund oder Ohren nun von ihm oder von mir waren.

Wirbelwind – ein Abbild von Mama oder Papa?

Die Optik
Noch im Krankenhaus, als ich mit meiner Mutter telefonierte, versuchte ich ihr das Aussehen zu beschreiben. Ich erzählte ihr, dass sie die Nase von mir hätte und der Mund so eine Mischung von beiden Elternteilen sei. Viel mehr kann man in dem verknorkelten Neugeborenengesicht ja noch nicht erkennen. Von Beginn an aber (und das denke ich auch heute noch) fand ich sahen die Beine wie die vom Papa aus. 
In der ersten Zeit sah ich sehr viel von mir im Wirbelwind. Auf den ersten Blick ähnelte sie sehr stark meinen Babybildern. Die Stirn, die Gesichtsform, die Nase, der Mund (der direkt nach der Geburt viel mehr nach Papa aussah, als später). Später, so nach drei Monaten zeigte sich dann aber eine Veränderung. Wenn sie lachte, zeichneten sich Papas Mundwinkel und Bäckchen ab. Ihre Füße waren ebenso er im Miniformat. Die Augen ähneln irgendwie keinem von beiden. Meine waren größer, seine anders, die Augenfarbe ist eher eine Mischung aus meinem Braun und seinem Graugrün. 

Nach einem Jahr dann zeigte sich, dass sie – zum Glück – die Knie vom Papa hatte, nicht meine knubbeligen Dinger. Dafür hat sie meinen Rücken. Die Haarfarbe ähnelt wieder eher Papas hellbraunem Haar, meine sind deutlich dunkler. Ihre leichten Löckchen kann sie von uns beiden haben. Auch die Bauchform ähnelt sehr der des Papas, insbesondere, wenn sie viel gegessen hat. 
Auch kommentiert Papa immer: „Na, die ´Mumu`hat sie ja von Dir“. Doch genau genommen hat er ja das Geschlecht definiert.

Das Verhalten
Inzwischen weiß man, dass das Verhalten bzw. der Charakter einer Person teilweise vererbt wird, teilweise im Laufe der Sozialisation geprägt wird. Daher halte ich es für sinnvoll, auch das Verhalten einmal näher zu betrachten. Da wird doch was zu finden sein 😉
Ich bin ja eher eine ruhige Person. Der Papa hingegen trägt das Herz auf der Zunge und zeigt auch schnell mal, wie er sich fühlt. 
Wirbelwind ist implusiv, aufbrausend, beruhigt sich aber auch schnell wieder. Sie ist kontaktfreudig, steht aber dennoch fremden Situationen ersteinmal skeptisch gegenüber. Sie hat einen großen Bewegungsdrang. 
Die ersten Punkte, das Impulsive und auch das Kontaktfreudige, hat sie definitiv vom Papa, die Skepsis vor Neuem hingegen eher von mir. Lange dachte ich, der Charakter ist im Großen und Ganzen doch sehr der Papa. Doch letztens erzählte mir meine Mutter, dass Wirbelwind sie sehr an mich als kleines Kind erinnert. Ich war – im Gegensatz zu meiner Schwester – auch ein kleiner Wirbelwind, flitzte viel in der Gegend herum, war sehr aktiv. Den Bewegungsdrang hat sie dann wohl von mir?
Eine Gemeinsamkeit mit dem Papa hat sich jetzt ganz frisch noch herausgestellt: Ab und an schnarcht sie wie er. Letztens schlief sie bei mir im Bett (Papa war nicht da), als ich nachts vom Grunzen wach wurde. Ich wollte schon meinen Mann anstupsen, damit er sich zur Seite dreht, um dann festzustellen, dass eben mein zartes Kindchen neben mir lag und Bäume fällte. Naja, bei Kindern ist das ja noch irgendwie süß 😉
Wir halten also fest
Von Mama hat sie: die groben Gesichtszüge, die Nase, den Mund, die Ohren, den Hals, den Rücken, den Bewegungsdrang, die Skepsis vor Fremdem
Von Papa hat sie: die Füße, die Knie, die Beinform, die Haare, die Mundwinkel bzw. Bäckchen, die Bauchform, den Charakter, das Schnarchen
nicht schön, aber selten: Blau ist Papa, Rot ist Mama

Oder kurz gesagt: sie ist die perfekte Mischung aus uns beiden!

Warum machen wir das?

Warum ist es uns so wichtig, dass wir Teile von uns in unserem Nachwuchs wiederfinden? Warum versuchen wir auch bei anderen jungen Familien den Sprössling einem Elternteil zuzuordnen? Wie oft habe ich schon zu Freunden und Bekannten gesagt, dass man eine Ähnlichkeit des Kindes zu Mama oder Papa sehen kann.
Warum wir es bei Anderen machen, weiß ich ehrlich gesagt nicht, vielleicht wollen wir ihnen schmeicheln. Warum wir es aber bei uns selber immer wieder nach Ähnlichkeiten suchen, kann ich mir denken: Identifikation. Wir versuchen uns über das Aussehen, über den Charakter oder das Verhalten des Kindes wiederzufinden, um eine Identifikation mit dem Kind aufzubauen.
Der Papa meinte anfangs immer: sie ist ein Ebenbild von ihm als Baby. Als dann seine Eltern diese Aussage nicht so ganz teilten und ich ihm meine Babyfotos zeigte, war er doch etwas geknickt. Mit Freude habe ich ihm deshalb jedes Mal erzählt oder gezeigt, welche Gemeinsamkeiten ich bei Wirbelwind mit ihm sehe. Inzwischen hört man doch des Öfteren eben den obigen Satz: „Sie ist die perfekte Mischung aus uns beiden“. Ich denke es stärkt die Bindung zum Kind. Gerade bei Vätern ist es wichtig, wo sie doch das Kind nicht selbst geboren haben und demnach einen anderen Beweis für die Weitervererbung ihrer Gene brauchen.

Oder was denkt Ihr?
 
Eure Wiebke

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade von Mama on the rocks.

8 Comments

  1. 26 März 2015 at 1:03 pm

    Ja, wir kennen das mit der Indentifikationssuche auch – und wir beide sind uns einig, welcher unserer Jungs wem ähnlich sieht – und das nicht nur äußerlich 😉 Es bleibt spannend, wie es weitergeht….

  2. 26 März 2015 at 3:23 pm

    Das finde ich eine gute Beobachtung von Deinem eigenen Verhalten. Ist bei uns auch nicht anders. Und dabei ist es so wichtig, jedes Kind, jeden Menschen so zu nehmen, wie er / sie ist. Meine Kinder sind totale Mischungen – und das alles auch noch phasenweise. 🙂

    • 27 März 2015 at 6:20 am

      Ja das stimmt, es ist wichtig jedes Kind so zu akzeptieren, wie es ist. Aber beobachten darf man ja 😉 Ich bin auch gespannt, wie sie sich noch verändern wird…
      LG Wiebke

  3. 27 März 2015 at 8:41 am

    Solche Beobachtungen sind wirklich total spannend =) Habe das Gefühl, dass diese Vergleiche mit dem Wesen meines Sohnes bei mir dazu geführt haben, dass ich nun mein eigenes Verhalten und das meines Mannes noch viel mehr reflektiere als zuvor 😀 Aber das ist ja auch nichts Schlechtes =) Musste schon bei deiner Einleitung echt schmunzeln, weil ich dann direkt ein Bild von uns vor Augen hatte, wie wir damals immer und immer wieder die Ultraschallbilder in der Hand hielten und über Ähnlichkeiten spekulierten 😀 Danke für diesen Post und herzliche Grüße an dich =)

    • 27 März 2015 at 4:48 pm

      Das stimmt. Gerade auch bei dem Gesagten merke ich, wie schnell sie sich dem annimmt. Hier überlege ich auch inzwischen zweimal, was ich sage! Beim Verhalten ist es natürlich ähnlich.
      Viele Grüße, Wiebke

  4. 1 April 2015 at 8:33 am

    Oh da ist ein neuer Aspekt für mich drin: Dass wir durch den Vergleich eine Identifikation mit dem Kind aufbauen. Tolle Beobachtung! Ich finde es sehr schön, wie wunderbar Du die Ähnlichkeiten abstrahieren und auch zuordnen kannst. Und dass Dein Mann geknickt war, weil die Grosseltern die Ähnlichkeiten verneinten, kann ich sehr gut nachvollziehen <3. Danke fürs Teilnehmen an der Blogparade!

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