Der schwere Start

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Es heißt, man vergisst die Schwerzen, die man unter der Geburt hat, damit man nach einiger Zeit wieder bereit ist ein neues Kind in die Welt zu setzen. Das Gleiche gilt wohl auch für die erste Zeit mit Baby. 
Ich wusste noch, welche Schmerzen ich in der ersten Woche bei Wirbelwind hatte, jedes Mal wenn ich sie angelegt hatte. Darauf war ich vorbereitet, dachte ich. Doch die Schmerzen haben mich wieder überrascht. 
Ich wusste noch, dass das Baby anfangs viel an der Brust sein würde, weil es einfach noch nicht genug Milch bekommen würde, bis der Milcheinschuss käme. Auch darauf war ich vorbereitet, dachte ich. Doch auch diesmal hat mich die Häufigkeit überrascht. 

Und so saß ich Samstag da, nach zwei Tagen, und war überfordert. Die Brust schmerzte, und dennoch wollte das Baby ständig ran. Immer wieder biss ich die Zähne zusammen, wischte eine Träne weg und ließ es daran nuckeln. Irgendwann baute ich eine Wut auf. Eine Wut auf das arme Baby, weil es so wenig schlief und so viel nuckeln wollte. Ich versuchte ihr einen Schnuller in den schreienden Mund zu legen, ohne Erfolg. Ich gab das Baby kraftlos dem Vater mit den Worten „Ich kann nicht mehr“, nur um es ein paar Sekunden später wieder in Empfang zu nehmen und erneut anzulegen. Die Hebamme drohte mit einem Einlauf, wenn mein Stuhl nicht käme und mit der Pumpe, wenn das Baby nicht richtig zunimmt. Das war zu viel. Ich sank am Tisch kraftlos zusammen und heulte los. Gescheitert an meinen eigenen Ansprüchen und den Erwartungen anderer.
Gleichzeitig ahnte ich, dass die Milch bald kommen würde. Meine Hebamme hatte mich darauf vorbereitet, dass die Wochenbettdepression mit dem Milcheinschuss einhergeht. Und so war es auch. Kurz darauf sah ich die erste Milch herauströpfeln. Der Milcheinschuss kam diesmal einen Tag eher, als bei Wirbelwind. Zumindest bekam ich nun mein Kind satt. Doch die Schmerzen blieben. 
Am Montag schien bereits alles viel leichter. Die Milch floss, das Baby trank und schlief zwischendurch etwas. Ich konnte durchatmen. Am Dienstag jedoch sah es plötzlich ganz anders aus. Wölkchen wollte nur nuckeln, trank wenig, verlangte aber viel die Brust. Es erinnerte an einen Wachstumsschub, jedoch viel zu zeitig für das kleine Würmchen. Und ich erinnerte mich an Wirbelwinds Stillzeit und bekam plötzlich Panik, dass es mit Wölkchen auch so werden würde. Die Hebamme fand mich völlig aufgelöst vor und leistete erst einmal erfolgreich Aufbauarbeit. Am Mittwoch war Wölkchen dann wieder viel ruhiger und ich ging entspannter an das Stillen heran. Abends stillte ich dann vier Stunden lang durchgängig und wurde anschließend mit 5 Stunden Schlaf belohnt. Ein Rekord, den Wölkchen in den Folgenächten leider nicht noch einmal zeigte. 
Dennoch bin ich nun zufrieden. Meine eine Brust schmerzt immernoch etwas, doch es wird besser. Wölkchen will immernoch häufig an die Brust, doch auch das ist in Ordnung. Denn im Gegensatz zu Wirbelwind kann ich sie auch bei Lärm stillen. Ich saß bereits stillend auf dem Spielplatz und in einem Cafe. Ich komme raus, auch wenn ich der ganzen Welt meine Brüste zeigen muss 😉  
Waurm ich das alles schreibe? Vielleicht in erster Linie für mich. So kann ich in fünf Jahren, wenn ich mit dem Gedanken spiele, vielleicht doch noch ein drittes Kind zu bekommen, nachlesen, was meine Erinnerung bereits verklärt hat. Vielleicht wird es mich abschrecken, oder es wird zumindest meine Ansprüche erden. Wir werden sehen…
Wie ist es Euch in der ersten Woche mit Baby ergangen?
Eure Wiebke

7 Comments

  1. 13 Juni 2015 at 3:32 pm

    Die erste Woche mit dem Meedchen ist nun schon gute 19 Monate her.
    Ich erinnere mich noch daran, dass ich auch viel geweint habe. Ich hatte Schmerzen vom Kaiserschnitt, konnte mein Baby nicht, wie gewünscht stillen und sie schrie und schrie…
    Aber ganz ehrlich…das weiß ich nur noch schemenhaft…

    • 13 Juni 2015 at 3:47 pm

      Oh mit Kaiserschnitt ist es gleich nochmal heftiger.
      Eigentlich sind meine Probleme "Luxusprobleme" angesichts dessen, was andere durchmachen. Aber der Hormoncocktail lässt wohl alles dramatischer aussehen…
      LG

  2. 13 Juni 2015 at 5:37 pm

    Ich lasse Dir mal Links da.
    Mich hatte es auch bei Kind 3 wieder heftig erwischt beim Milcheinschuss. Körperlicher Totalschaden nannte ich es und war grauslig – aber eben auch recht schnell wieder vorbei.
    http://nullpunktzwo.de/2014/06/25/stillen-ein-kleines-tagebuch-woche-1-bis-3/
    http://nullpunktzwo.de/2014/07/17/stillen-ein-kleines-tagebuch/
    Ich wünsche Euch alles Gute weiterhin!

    • 13 Juni 2015 at 8:30 pm

      Danke für die Links. Irgendwie beruhigend zu lesen, dass es anderen ähnlich geht und es auch bald besser wurde…
      LG Wiebke

  3. 13 Juni 2015 at 6:58 pm

    Ach Du Liebe,
    ich kann mir vorstellen, was für eine heftige Umstellung das wieder ist. Man liest deutlich heraus, dass eben nicht mit jedem weiteren Kind alles einfacher wird. Das finde ich sehr sympathisch und ehrlich, auch wenn ich es Dir natürlich einfacher gewünscht hätte. Aber die erste Zeit ist ja sowieso meist eine Ausnahmesituation.
    Bei mir war das zum Glück beim 2. Kind nicht schlimm, vor allem deshalb, weil sie nicht so eine Dauernucklerin gewesen ist wie mein Großer. Dieser hing ja stundenlang an der Brust, so dass es auch sehr schmerzte und unangenehm war. Meine Kleine hat viel geschlafen, nur kurz getrunken und hatte auch kaum Clusterfeeding-Phasen. Das war wirklich entspannt. Der Abstand zwischen meinen beiden Stillphasen war auch recht kurz, mein Großer hat sich mit 20 Monaten abgestillt und 6 Monate später wurde die Kleine geboren. Vielleicht war die Brust noch "in der Übung";)
    Nee, ich denke wirklich, dass es an ihrem anderen Trinkverhalten lag und dass die Brust einfach nicht so strapaziert war. Kann mich aber noch lebhaft erinnern, wie es beim Großen schmerzte. Vor allem beim Stillen während Milchstaus bin ich vor Schmerzen fast an die Decke gegangen.
    Ich wünsche Dir, dass es bald besser wird und die Dauerstillphasen weniger werden. Schlimmer wäre, wenn sie die Abende durchschreien würde. Und sollte es gar nicht gehen, gibt es ja zum Glück Alternativen. Gutes Durchhalten und viel Entspannung für euch!
    Liebe Grüße!

    • 13 Juni 2015 at 8:32 pm

      Da hatten wir wohl ähnliche Erfahrungen beim ersten Kind gemacht.
      Ich hatte gehofft, dass das zweite Kind ein besserer Trinker wird. Naja, vielleicht wird es ja noch. Danke für Deine aufmunternden Worte! LG

  4. 14 Juni 2015 at 12:45 pm

    Hallo Wiebke,

    ich kann mich immer noch sehr deutlich daran erinnern, dass ich fünf Wochen lang teilweise Schmerzen wie Hund hatte. Ich habe geheult und geschrien, weil es eben nicht nur an der Brust wehtat sondern zeitgleich auch stechende Schmerzen im Schulterblatt, während des Stillens. Nach fünf Wochen war alles vorbei, ich konnte endlich schmerzfrei Stillen und damit endlich auch mal raus aus der Wohnung. Nicht alles verklärt sich ;-).
    Kaiserschnitt hatte ich auch, aber die Schmerzen vom Stillen haben einfach alles übertönt!

    Also, es wird besser. Ich hab mir irgendwann gesagt: "Entweder klappt es endlich ohne Schmerzen oder es gibt die Flasche." Ab da gings auf einmal besser.

    Lg
    Astrid

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