Mittagsschlaf

Ich liege in meinem Bett. Allmählich fallen mir die Augen zu. Schwerer und schwerer werden meine Lider. Es wird dunkel um mich herum. Nebel macht sich in meinem Kopf breit. Ich bin bereit wegzudösen. Da höre ich ein leises Rascheln und Schnaufen. Vorsichtig öffne ich ein Auge, nur einen Spalt. Gerade noch rechtzeitig sehe ich, wie sich eine kleine süße Patschehand in Zeitlupe auf meine Nase zubewegt. Ehe sich die scharfen Fingernägel in mich bohren können, ziehe ich die Hand sanft beiseite. „Schlafen!“, flüstere ich Wölkchen zu. „Schlafen!

Kurz dreht sie sich pflichtbewusst zur Seite und schmatz auf ihrem Nuckel herum. Allmählich schließt sie die Augen und veranlasst mich dazu selbiges zu tun. Doch schon höre ich ein „flopp“ und weiß, nun hat sie den Nuckel aus ihrem Mund befördert. Gegen die Müdigkeit ankämpfend schaue ich sie an. Dieses kleine perfekte Wesen, das da neben mir liegt und ausgiebig auf ihrem Nuckel herumkaut, immer wieder mit ihrem einen Zähnchen festbeißt und dann mit einem Geräusch von sich zieht, dass ich mich gedanklich bereits in der Drogerie neue Nuckel kaufen sehe. Dann tauscht sie den Nuckel gegen ihr Schmusetuch aus. Es hat so ein schönes Waschetikett, auch darauf lässt es sich genüsslich herumkauen. Ich schreite ein und stecke ihr den Nuckel wieder in den Mund. Das Waschetikett hat sie noch in der Hand und versucht es anschließend vergebens hinterherzuschieben.

Ganz abgelenkt von diesem wunderbaren Schauspiel fällt mir meine Mission wieder ein. „Schlafen!“, flüstere ich ihr erneut zu, stecke ihr den Nuckel in den süßen Mund und gebe ihr das Schmusetuch in die Hand. Wieder dreht sie sich beiseite. Diesmal kommt sie jedoch gar nicht erst dazu ihre Augen zu schließen, denn sie entdeckt einen Krümel. Ganz deutlich hebt sich das schwarze Körnchen vom Orange des Bettlakens ab. Den muss sie selbstversändlich genauer untersuchen. Gar nicht so einfach, sich unter der Decke zu bewegen. Fast hat sie ihn erreicht, die Finger zur Pinzette geformt. Doch ich bin schneller und jage ihn vom Bett. Wölkchen ist kurz verdutzt und findet gleich Ablenkung. Mamas Haare sind ja auch ganz nett. Und da hängt so eine schöne Strähne an der Seite herunter. Also nähert sich wieder das kleine Händchen meinem Gesicht, um mir damit durch die Haare zu streifen. Ganz fasziniert begutachtet sie jedes Härchen, als hätte ich bislang eine Glatze auf dem Kopf gehabt.
Vorsichtig aber bestimmt lenke ich ihre Hand von meiner Haarpracht weg, ehe es noch schmerzhaft wird. „Schlafen!“, höre ich mich flüstern, als hätte ich eine Schallplatte verschluckt. Um meinem Entschluss Nachdruck zu verleihen, stimme ich gleich noch ihr Schlaflied an. Doch der Nuckel landet wieder in ihrer Hand. „Aaaahhhh“, röchelt sie freudig zwischen den Schmatzgeräuschen herum. „Da… da!“, plappert sie weiter. Ein paar Mal bewegt sich der Mund ohne einen Ton von sich zu geben. Wie ein Fisch auf dem Trockenen wird er geöffnet und geschlossen, mit einem leichten Grinsen im Gesicht. Dann fällt ihr doch noch ein, was sie sagen möchte: „babababab!“.

Ich bin kurz davor abzubrechen. Ich wiederhole das Prozedere: Nuckel, Schmusetuch, Schlaflied, Streicheln. Diesmal scheint sie es zu verstehen. Ganz langsam schließt sie die Augen. Die Atemzüge werden gleichmäßiger. Die Hand spielt nicht mehr mit dem Tuch herum, sondern liegt nun ruhig vor ihrem Gesicht. Mein friedliches kleines Mäuschen. Schlaf gut.

Eure Wiebke

4 Comments

  1. 3 Februar 2016 at 1:22 pm

    Was für eine süsse Momentaufnahme!!! Und hast Du denn am Ende auch etwas Schlaf abbekommen?

    • 3 Februar 2016 at 2:05 pm

      Ja habe ich. Auch wenn ich mir vornehme aufzustehen und etwas zu schaffen, schlafe ich doch immer mit ein 😉
      LG

  2. 4 Februar 2016 at 3:19 pm

    Wie schön du das hier festgehalten hast =) Irgendwann ist der Mittagsschlaf Vergangenheit und du kannst dich dann beim Lesen nochmal in diese besondere Zeit hineinversetzen lassen =)

Ich freue mich über einen Kommentar

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