Ich bin keine entspannte Mutter.

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Ich würde es so gerne sein: entspannt. Ich würde gerne lächelnd meine Kinder bespaßen, ihnen die Welt zeigen und selber entdecken lassen. Und das ganze würde ich ihnen gerne ermöglichen, ohne Druck, ohne Ängste und ohne diese vielen Abers, die man ständig bei anderen Müttern und Vätern hört. Ja selbst unseren Papa bitte ich gerne, bitte nicht so viel zu meckern. Doch wenn ich ganz ehrlich bin, bin ich nicht besser. Denn ich tue es doch selber. Ich selbst gehöre zu den Aber-Mamas.

Die ABER-Mama

Was soll das sein, eine Aber-Mama? Aber-Mamas (und auch -Papas) sind Eltern, die gerne ihren Kindern alles erlauben möchte, weil sie wissen, dass es gut für sie ist. Doch dann kommen ihnen Zweifel, ob das wirklich so eine gute Idee ist. Oder sie denken an die Folgen, beispielsweise den Aufwand, das Chaos hinterher wieder zu beseitigen.
Und ich gehöre also auch dazu. Immer wieder kommen solche oder ähnliche Gedanken in meinen Kopf:

  • Ist ja eigentlich nicht schlimm, wenn das Kind den Joghurt über den Tisch verteilt, aber ICH bin dann diejenige, die das ganze wieder aufwischen muss.
  • Klar darf mein Kind im Matsch spielen, aber die Sachen habe ich gerade erst ganz frisch angezogen. Und die Wäschetruhe ist sowieso schon rammelvoll. gmpf
  • Natürlich darf Wölkchen den Brei mit den Fingern essen, aber muss es denn die Finger anschließend über ihren Sitzbezug verteilen?! Aaaaah!
  • Ist doch irgendwie schön, wenn Wirbelwind so schön mit den anderen Kindern auf der Wiese spielt, aber muss sie dabei mit ihrer neuen Leggins über den Untergrund schrammen? Die Flecken gehen doch nie wieder raus!
Es gibt Tage, da haben diese Sätze kein ABER dran. Da dürfen die Kinder wirklich viel machen, und ich wische ihnen mit einem Lächeln im Gesicht hinterher. Aber ich muss zugeben, dass es nicht sonderlich viele Tage sind. Meistens sieht es nämlich genauso aus, in meinem Kopf, wie die vier Beispiele zeigen. Viel zu wenig lebe ich im Hier und Jetzt, und viel zu oft denke ich daran, was der ganze „Spaß“ für mich eigentlich bedeutet. Und viel zu oft spreche ich die Abers auch gegenüber den Kindern aus und schränke sie in ihrem Spieltrieb ein, um meine Arbeit hinterher zu verringern. Und manchmal, da gibt es Tage, da gibt es nicht mal ein ABER, sondern gleich ein „Nein“, weil ich dann einfach nicht die Kraft hätte, hinterher den Wischmop zu spielen.

Ein richtig unentspannter Tag

Chaosmorgen

Wenn ich schlecht geschlafen habe, zum Beispiel, da habe ich keine Nerven für nichts. Ja, heute war so ein Tag. Wölkchen wurde gegen Fünf wach und wollte nicht mehr in ihrem Bettchen schlafen. Also nahm ich sie mit zu mir, wo sie sich eine Stunde lang herumwälzte, ehe sie endlich einschlief. Zerknirscht und Zerknittert kletterte ich heute morgen aus dem Bett. Und dann fielen die Abers wie die Blätter im Herbst vom Baum: Wölkchen darf morgens einen kleinen Joghurt essen, selbstständig mit eigenem Löffel. Etwa die Hälfte landet davon tatsächlich im Mund. Heute konnte ich mir das Spektakel nicht mit ansehen und fütterte sie, nachdem sie den Joghurt als Glanzpolitur für unseren Tisch benutzt hatte.

Der Tag wurde nicht besser, als ich Wirbelwind im Kindergarten absetzte und mit der Erzieherin noch klären wollte, wann ich sie mittags abhole. Wir hatten um 14 Uhr einen Arzttermin (U8) und ich hatte gehofft, ich könnte sie kurz vorher, also nach dem Mittagsschlaf abholen. So hätte Wölkchen ebenfalls ganz entspannt ihren Mittagsschlaf zu Hause abhalten können. Die Erzieherin guckt mich entsetzt an und meinte: „Wirbelwind denkt doch aber, sie ist heute Mittagskind (d.h. sie wird VOR dem Mittagsschlaf abgeholt). Das können sie ihr nicht antun. Sie ist doch so selten Mittagskind! Außerdem schläft sie immer spät ein und wird bestimmt erst um 2 wach!“

Ich knickte ein und willigte zu, sie nach dem Mittagessen, 11:30 Uhr abzuholen. Auf dem Nachhauseweg stieg die Wut in mir auf. Was bildet die sich eigentlich ein? Hatte sie mir gerade tatsächlich Vorwürfe gemacht, dass ich mein Kind so spät abholte? So nach dem Motto: die ist den ganzen Tag zu Hause und lässt ihr Kind bis nachmittags im Kindergarten? Hatte sie mir gerade wirklich vorgeworfen, dass ich mein Kind viel zu selten mittags abhole, obwohl ich eine 7,5-Stunden-Betreuung habe? Nur damit es auch mal zu den Kindern gehört, die eher gehen dürfen? „Das kann ich ihr nicht antun“, hatte sie gemeint. Aber mir kann ich das schon antun, oder was? Wie soll das denn gehen, wenn Wölkchen genau um die Abholzeit eigentlich ihren Mittagsschlaf macht?

Ihr merkt schon, ich war richtig wütend. Entsprechend aufgewühlt war ich anschließend auf dem Spielplatz und unentspannt am Mittagstisch mit Wölkchen. Immer wieder schaute ich auf die Uhr.
Immerhin aß Wölkchen erstaunlich gut ihren Brei. Sonst sind es zwei Löffel, diesmal war es tatsächlich ein halbes Glas. Dennoch blieb meine schlechte Laune über mir schwebend, wie eine dunkle Gewitterwolke. Als Wölkchen ihr Lätzchen entdeckte und es sich kurzerhand in den Mund steckte, atmete ich schon wieder tief ein. Ruhig bleiben. Die Breireste aus ihrem Mund verteilten sich auf dem Stoff. In meinem Kopf machte es „tick tick tick“, während ich versuchte entspannt zu gucken und Wölkchen klar zu machen, dass ich das doof finde, lachte sie mich an und wiederholte ihr Spiel. Ich wollte sie nicht in ihrem Spiel stören, aber…. Da war es wieder, das ABER. Ich erklärte das Essen für beendet und steckte sie ins Bett.

Mittagschlaf – ist doch ganz easy. Nicht.

Es war 11:15 Uhr. Mein Plan war, sie schlafen zu legen und anschließend mit dem Auto zu Wirbelwind in den Kindergarten zu hetzten, sie abzuholen, und vor dem Ende der ersten Schlafphase wieder zu Hause zu sein. Alles ganz easy. Nicht.

11:30 Uhr war sie immer noch nicht eingeschlafen. Ich schnappte sie mir, steckte sie ins Auto und suchte einen Parkplatz vor der Kita. Natürlich war keiner mehr frei und ich parkte im Halteverbot. Fluchend betrat ich die Kita. Natürlich war Wirbelwind noch beim Essen. Umsonst abgehetzt. Die 10 Minuten, die ich nun auf sie wartete, dachte ich fortwährend: Da hätte ich Wölkchen ja doch noch zum Einschlafen bekommen. Und bestimmt steht jetzt gerade eine Politesse vor meinem Auto. Gmpf.

Als Wirbelwind endlich in der Tür erschien, erklärte ich ihr die Notwendigkeit zur Eile. Sie ließ das unbeeindruckt. Sie quatschte viel lieber noch mit einer Freundin, als sich zu beeilen. Ich wollte entspannt bleiben, schließlich ärgerte mich Wirbelwind ja nicht absichtlich, aber… (da, schon wieder!). Eventuell wurde ich nun etwas lauter. In der Tür stehend und mit dem Fuß auf den Boden pochend schaute ich schließlich Wirbelwind beim Schuheanziehen zu. Wir liefen zum Auto und Wirbelwind teilte mir erfreut mit, dass kein Zettel am Auto klebte. Das war süß. Sehr süß. Wir stiegen ein und ich war wieder etwas besänftigt. Aber das hielt nicht lange an.

Ich erklärte Wirbelwind, dass ich Wölkchen jetzt schlafen legen müsse. Wenn sie schläft, könnten wir dann miteinander spielen. Sie wollte lieber Tablet anschauen. OK, dachte ich, dann kann ich bei Wölkchen mitschlafen. Ich hatte eh noch ein kleines Schlafdefizit nachzuholen. Also stellte ich ihr das Tablet an und legte Wölkchen ins Bett. Sie war etwas irritiert von dem Hin und Her und dachte selbstverständlich nicht ans Einschlafen. Wie ein Stehaufmännchen schnippste sie immer wieder in die Höhe. Irgendwann blieb sie doch liegen und wühlte sich ins Kissen. In dem Moment fing Wirbelwind an zu rufen „Maaaaaaamaaaaaa!“. Immer und immer wieder. Ich verließ Wölkchen und flitzte zu Wirbelwind, um ihr Problem zu klären. Ihr Programm hatte sich aufgehängt. Ich versuchte es zu beheben. Währendessen tabste Wölkchen durch den Flur hinter mir her und kletterte quietschvergnügt zu Wirbelwind aufs Sofa. Ich wollte ruhig bleiben, aber SO GEHT DAS NICHT!!!!

Ich schnappte mir wieder Wölkchen und legte mich erneut mit ihr hin. Kurze Zeit später hörte ich Wirbelwind aus dem Nachbarraum heulen. „tick, tick, tick“, machte es erneut in meinem Kopf. Ruhig bleiben. Ruhig bleiben. Wölkchen schläft sicherlich gleich ein und dann kannst du dich um Wirbelwind kümmern. 5 Minuten später stand ich vor Wirbelwind und versuchte ihr in einem wohl leider nicht so ruhigen Ton, wie ich mir vorgenommen hatte, zu erklären, dass ihr Verhalten nicht sehr hilfreich war. Hey ich habe mich wirklich bemüht, aber entspannt ist anders.

Der zweite Teil des Tages verlief deutlich besser, obwohl wir mit Wirbelwind zur U8 mussten. Kein ABER 😉 Wirbelwind machte alles so toll mit. Dazu werde ich noch gesondert berichten. So stressig der Tag begann, so normal und endete er. So ist es wohl manchmal. Freud und Leid, Anspannung und Entspannung liegen nah beieinander.

Eure Wiebke

6 Comments

  1. 18 August 2016 at 7:36 pm

    Hach tut das gut zu lesen, nicht das ich dir nicht wünschen würde so entspannt sein zu können wie du gerne wärst. Nein es beruhigt mich wirklich ungemein, dass auch andere diese Aber-Tage kennen. 🙂
    Schön das der restliche Tag dann doch noch seinen normalen Gang genommen hat.

    Lieben Gruß
    Petra

    • 20 August 2016 at 6:17 pm

      Liebe Petra,
      mir geht es genauso. Einerseits ärgere ich mich darüber, dass ich selber es nicht schaffe ruhig zu bleiben. Doch dann höre ich von so vielen anderen, dass es ihnen genauso geht, und irgendwie fällt mir dann alles gleich wieder etwas leichter 😉
      LG Wiebke

  2. Anonym
    Antworten
    21 August 2016 at 11:34 am

    Eine gelungene Beschreibung meines Alltags mit 2 Kindern,Dankeschön

  3. 23 August 2016 at 7:16 pm

    Ja, in der Tat passt dieser Beitrag wunderbar zu meinem. 😉
    Gut zu wissen dass man nicht alleine ist.

  4. 27 September 2016 at 6:32 pm

    Habe gerade ein krankes Kleinkind 2,5 und ein krankes Baby 3Monate zu Hause. Das ist echt nix mit entspannt bleiben. Warum verstehen die Großen eigentlich nicht, dass sie davon profitieren,wenn sie uns in Ruhe das "Baby" schlafen legen lassen? Dachte,es wird besser,aber deine ist ja schon 4. 🙁 Naja,wir sind alle nur Menschen.

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