Gedanken zum ersten Tag der Kita-Eingewöhnung

Auf dem Weg in den KindergarteDa sitze ich nun auf dem Boden, strecke die wackeligen Beine von mir und beginne tief durchzuatmen. Nun hat es begonnen. Ich kann es nicht mehr stoppen, sondern nur noch meinem Wölkchen lächelnd dabei zusehen, wie sie die Welt entdeckt. Ja, lächelnd. Denn obwohl mir gerade ganz andere Gedanken durch den Kopf gehen, möchte ich meinem Wölkchen gegenüber Zuversicht ausstrahlen. Hier soll er beginnen, der neue Weg. Ohne mich.

Rückblick 2012

Wirbelwind ist 14 Monate alt. Optimistisch gehe ich an die Eingewöhnung heran. Die Monate zuvor war ich bei einer Krabbelgruppe und konnte auch dort bereits für einige Minuten ohne Prostet den Raum verlassen. Und in der Eingewöhnung ist es dann auch tatsächlich so. Nach ein paar Tagen verlasse ich das erste Mal den Raum, ohne dass es Wirbelwind stört. Erst als sie die Woche darauf mit anderen einzugewöhnenden Kindern von mir getrennt wird, stimmt sie in das Heulen der anderen Kinder ein. Vier Tage dauert der Spuk, dann ist es in Ordnung. Ich gehe. Sie schaut hinterher, geht spielen und rennt bei meinem Zurückkommen erfreut auf mich zu. Eingewöhnt.

Vor ein paar Tagen

Wölkchen ist deutlich anhänglicher und ich somit deutlich angespannter, als vor drei Jahren. Ich mache mir viele Gedanken. Eine Woche vor der Eingewöhnung bekommt Wölkchen zudem eine schlimme Erkältung. Der Rotz läuft in Bächen. Ich bange, dass sie bis zur Eingewöhnung wieder fit sein wird. Dann zeigen sich vor drei Tagen rote Punkte auf Wölkchens zarter Haut: an den Fingern, am Handgelenk, an der Stirn und der Wange. Sofort schoss mir „Hand-Mund-Fuß“ in den Kopf. Den Start der Eingewöhnung sehe ich plötzlich in weiter Ferne. Doch es kommen keine weiteren Punkte hinzu. Es scheinen tatsächlich Mückenstiche gewesen zu sein. Die Erkältung ist noch da, aber sie ist fit.

Am Tag der Eingewöhnung

Die Eingewöhnung soll um 15 Uhr beginnen. Eine Stunde wird sie in der Babygruppe der Kita spielen, in der auch Wirbelwind vor drei Jahren ihre ersten Erfahrungen sammelte. Es ist kalt. Ich entschließe mich den Vormittag in der „Krabbelgruppe“ zu verbringen. Obwohl sie den Ort kennt, klammert sie sich sofort ganz fest an mich, als wir den Raum betreten. Die ersten 10 Minuten verbringt sie auf meinem Schoß. Immer wieder denke ich bang an den Nachmittag. Bei jedem Meckern schießt es mir durch den Kopf „Na toll, sie ist heute mies drauf.“ Meine Nervosität steigt.

Es geht los

Wieder zu Hause. Nach dem Mittagsschlaf packe ich alles zusammen, schnappe mir Wölkchen und laufe los. Es beginnt. Als wir ankommen, möchte sie in den Garten flitzen, wo wir die Monate zuvor Wirbelwind stets abgeholt hatten. Ich erkläre ihr, dass wir zunächst noch etwas spielen werden, ehe wir zu Wirbelwind gehen. Etwas irritiert, aber ohne viel Widerstand lässt sie sich die Schuhe ausziehen und wir betreten den Raum. Gespannt schaut sie auf die anderen Kinder. Ich zeige auf ein Spielzeug-Telefon, das in der Mitte des Raumes liegt. Sie lässt sich abstellen und geht zielsicher darauf zu. Sie nimmt es kurz in die Hand, ruft ein „ejo“ hinein und geht dann weiter auf Erkundungstour. Puh, geschafft. Die erste Hürde ist genommen. Sie spielt und sitzt NICHT auf meinem Schoß.
Ich setze mich auf den Boden, strecke meine Beine aus und beobachte das Treiben. Erinnerungen werden wach. Wie ich vor drei Jahren an der selben Stelle saß und meinem Wirbelwind zuschaute. Staunend beobachtete ich, wie sie die Rampe hinunterlief ohne zu Stolpern. Nun ist es Wölkchen, welche die Steigung zunächst meistert, um dann jedoch bäuchlings wieder hinunterzurutschen. Sie sind eben doch verschieden, die zwei. So verschieden.
Ich schaue aus dem Fenster und erblicke meinen Wirbelwind. Sie spielt mit ihren Freunden im Garten. Sie sammelt voller Eifer einen riesigen herbstlichen Blätterstrauß, den sie mir später noch überreichen sollte. Ich sehe sie an und werde wehmütig. Auch sie fing genau in diesem Zimmer an, und nun war sie so groß, so selbstständig. Und in drei Jahren wird es Wölkchen sein, die dort im Garten herumflitzen und Blätter zu einem Strauß sammeln wird.
Emotional geladen schaue ich wieder auf Wölkchen, wie sie ein Auto mit lauten „dud-dud“-Geräuschen über den Boden fortbewegt, wie sie den Puppenwagen schiebt und mit Bällen spielt. Ganz vertieft merkt sie nicht, wie Wirbelwind an das Fenster herangetreten ist und mir begeistert zuwinkt. Ich winke zurück.
Als die Stunde vorüber ist und Wirbelwind zu uns trifft, ist sie euphorisch. „Wölkchen war heute im Kindergarten!“ ruft sie immer wieder und teilt es allen mit. Sie freut sich, dass Wölkchen endlich bei ihr ist. Mehr bei Wirbelwind, weniger bei Mama. Beschwingt gehen wir nach Hause. Der erste Tag war geschafft. Die anderen Tage schaffen wir auch.
Eingewöhnung – wir sind bereit.
Eure Wiebke

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