Ich muss noch…

Ich muss noch... Gedanken einer Mutter

Ich liege im Bett. Die Morgensonne kämpft sich links und rechts an dem Verdunklungsrollos vorbei. Es ist Wochenende und Zeit zum Entspannen. Abschalten. Doch das erste, was mir in den Sinn kommt, ist „Ich muss noch…“.

Pflichten über Pflichten

Ja, ich muss noch. Ich muss noch die Wäsche abhängen, Einkaufen, Frühstück machen, die Kinder umsorgen, sauber machen. Ich muss daran denken, mir die Termine und Pläne und To-Dos, die mir gestern Abend beim Einschlafen durch den Kopf gegangen sind, aufzuschreiben, um sie Anfang der Woche anzugehen. Ich muss noch…

In meinem Kopf schwirrt es. Es ist ein Dauerschwirren, das nie zur Ruhe kommt. Selbst nachts träume ich von meinen Pflichten und Vorhaben. Sie kreisen um mich herum und immer dann, wenn ich hoffe entspannen zu können, dann lachen sie hämisch und stürzen sich auf mich hernieder.

Letztens saß ich beim Zahnarzt im Warteraum. Ich saß da und musste mir die Zeit vertreiben. Kein Laptop, in den ich etwas hineinhacken konnte, kein Telefonat, das ich führen konnte. Und ich ertappte mich dabei, wie ich alle drei Sekunden auf mein Handy starrte. Es könnte ja eine Nachricht reinkommen. Ich könnte ja auf Twitter was verpassen. Irgendwann legte ich das Handy weg und schaltete ab. Starrte auf die „Dekoration“ im Warteraum. Die Korkschoner an der Wand, den Mülleimer, die Zeitschriften, die ich nicht anrührte, die Kinderspielecke, aus der ich bereits alle Bücher meinem Wirbelwind vorgelesen hatte. Und langsam wurde ich ruhiger. Und ruhiger.

… zumindest bis die Zahnärztin meinen Namen durch die Sprechanlage rief.

Damals und Heute

Früher hatte ich viel Leerlauf. Ich nutzte die Zeit, um stundenlang in der Stadt shoppen zu gehen oder mir beim Schlendern durch den Supermarkt mein nächstes Essen oder Backvorhaben vorzustellen. Niemand hetzte mich und ich genoss die ruhige Zeit zu Hause. In Allerseelenruhe kochte und backte ich das, was mir in den Sinn kam. Nicht um satt zu werden, sondern einfach weil ich mal dies oder mal das ausprobieren wollte. Ich hatte Zeit Serien zu schauen und mich tagsüber mit Freunden zu verabreden. Abends saß ich dann vor dem Fernseher und genoss das Abendprogramm. Ich ließ mich berieseln und dachte auch einfach mal an nichts.

Heute ist es anders. Mit Kindern verringert sich die Leerlauf-Zeit sowieso auf ein Minimum. Durch das Bloggen und andere Projekte und Hobbies bleibt mir aber selbst diese Minimum-Zeit nicht. Zwar dienen mir manche Dinge auch als Entspannung und zum „Runterkommen“, aber im Leerlauf bin ich nie. Heute shoppe ich meine Sachen im Internet oder im Vorbeigehen im Einkaufszentrum. Im Supermarkt wird in Windeseile das notwendige Überlebenspaket für das Wochenende besorgt. Lebensmittel werden nicht nach Geschmack sondern nach dem Aufwand der Zubereitung eingekauft.

Was ist jetzt besser?

Bevor ich das erste Kind bekam und allabendlich auf dem Sofa herumlümmelte, fühlte ich eine Leere. Ja, der Leerlauf breitete sich in mir aus. Ich fühlte mich unvollkommen. Ich hatte immer das Gefühl, etwas tun zu müssen, ohne zu wissen, was es denn sein könnte.

Das änderte sich erst mit der Geburt von Wirbelwind. Plötzlich war sie da, die Fülle. Ich war gefüllt mit Liebe, Zuneigung, Aufopferung und Verantwortung. Bis zum Anschlag. Und ich hatte keine Zeit, um dies sacken zu lassen und wieder Leerlauf zu generieren. Und es war toll! Zwar kam ich tagsüber immer wieder an meine Grenzen, sowohl mit Wirbelwind, als auch mit Wölkchen, aber in der Summe war es Erfüllung, die sich in mir breit machte. Ich fühlte, dass es richtig war, so wie es nun eben war und ist.

Alles Kopfsache

Gibt es etwas dazwischen? Kann ich erfüllt und glücklich sein, ohne Leere, aber ab und an mit Leerlauf, um neue Energie zu tanken und Gedanken sacken zu lassen? Kann ich irgendwann wieder in meinem Bett liegen, ohne ein „Ich muss noch“ vor mich hin zu murmeln?

Ich weiß schon, dass dieses „Müssen“ eigentlich nur in meinem Kopf existiert. Klar steigen mit der Verantwortung für eine vierköpfige Familie auch die To-Dos. Aber es bin am Ende dennoch ich, die sich diese Pflichten auferlegt. Möglichkeiten zu Entspannen gibt es auch als arbeitender Familienmensch. Theoretisch. Ich habe den Weg dahin nur noch nicht gefunden. Aber irgendwann, da mache ich das. Da schalte ich meine wirren Gedanken auf Pause und lasse mir den Wind um den leeren Kopf sausen. Irgendwann. Aber bis dahin muss ich noch schnell die Waschmaschine anschalten. 😉

Eure Wiebke

2 Comments

  1. 22 November 2017 at 12:33 am

    Ein toller Text! Genauso geht und ging es mir auch 🙂

    • 22 November 2017 at 5:32 pm

      Danken :-* Irgendwie beruhigt es zu hören, dass es anderen ähnlich ergeht 😉 LG Wiebke

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