Aspekte der Liebe (#BlogOuttakes)

Einen emotionalen Beitrag zur Entwicklung der Liebe zu meinen Kindern hatte ich bereits verfasst. Beim Schreiben kamen mir noch ganz andere Gedanken, wie „Was ist eigentlich Liebe? Was macht Liebe aus?“ Doch das passte irgendwie nicht zu dem genannten Post, und so beschloss ich einen zweiten zu verfassen. Dieser schlummerte nun in meinem Entwürfe-Ordner und schwimmt nun als „BlogOuttake“ an die Oberfläche 😉 Und hier ist er.

Aspekte der Liebe

Die Liebe zu einem Baby ist für mich eine ganz andere, als zu einem Kind. Die Liebe zu einem Baby ist bedingungsloser. Man verzeiht viel mehr, als man es später tun würde. Zumindest geht es mir so.
Denn: Babys sind süß. Selbst wenn man ihre Scheißwindeln wechselt, kann man sich weiter in sie verlieben, während man auf ihren süßen Popo starrt und in Verzückung gerät. Wenn sie einen Heulkrampf haben und man es am liebsten einfach liegen lassen und aus dem Raum rennen möchte, muss man es die nächste Sekunde doch wieder ganz fest in den Arm nehmen, abknutschen und um Verzeihung bitten. Sie sind wie diese Babywelpen, die einen mit großen Kulleraugen ansehen.
Je älter die Kinder werden, desto mehr sinkt dieser Niedlichkeitsbonus. Doch worüber wird dann die Liebe gehalten? Es ist für mich eine Mischung aus Identifikation, Stolz, erfüllten Erwartungen und die Zeit. Das klingt jetzt für Manche sicherlich etwas seltsam, daher möchte ich es erklären.
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Identifikation – Liebe ist Identifikation. Diese Identifikation ist aus meiner Sicht leichter möglich, wenn das Kind ein leibliches Kind ist. Man findet Ähnlichkeiten zur Mutter oder zum Vater, seien diese nun optisch oder charakterlich, und stärkt damit die Bindung. Es ist ein Teil von uns. Wir haben es geschaffen. Es ist uns ähnlich. Und Ähnlichkeit verbindet.
Stolz – Auch Babys rufen Stolz in einem hervor. Nicht umsonst verkünden so viele Eltern mit geschwellter Brust, dass ihr Sprössling nun durchschlafe, den ersten Zahn habe oder gar erste Gehversuche mache. Sie sind stolz auf das, was ihr Baby tut. Dabei tut es nur das, was die Evolution vorgelegt hat. Dieser Stolz begründet sich vielleicht aus den Genen, aber nicht aus einer eigenen Leistung der Eltern heraus im Sinne von Erziehung.
Bei Kindern wandelt sich dieser Stolz. Wenn sie etwas tun, dann interpretieren wir immer mehr unsere Leistungen hinein. Es fährt Fahrrad, weil wir es zu einem selbstbewussten Kind erzogen haben, ihm die Freiräume gegeben haben, die es braucht und ermutigt haben, wenn es erforderlich war. Es kann seinen Namen schreiben, weil es nicht nur klug ist (natürlich die Gene!), sondern weil wir es ermuntert haben seine Interessen zu verfolgen, weil wir es gefördert und in die richtige Richtung gestupst haben….
Es ist ein ganz anderer Stolz, als der, den uns das Baby gibt. Ein Stolz, der uns als Eltern größer werden lässt, der uns sagen lässt „Wir haben alles richtig gemacht“. Es ist ein Stolz, der die Liebe zu unserem Kind wachsen lässt.
Noch weiter wachsen? Geht das? Wo soll sie denn noch hinwachsen, die Liebe? Ich glaube, genau diese stolzen Momente sind wichtig, um den „Liebestank“ aufzufüllen. Denn andere Situationen (und die werden mit zunehmendem Alter mehr), zehren an diesem Tank. Es sind eben diese Momente, die nicht von Stolz gefüllt sind, sondern von Enttäuschungen. Je älter die Kinder werden, desto größer werden auch die Erwartungen an sie. Sie sollen auf uns hören, sich ordentlich benehmen, sich nicht streiten, keinen Unfug machen, … . Mit der Zunahme der Erwartungen steigt auch die Wahrscheinlichkeit der Enttäuschungen. Denn niemand kann all die Erwartungen erfüllen. Niemand. Ich möchte nicht sagen, dass diese Enttäuschungen die Liebe reduzieren. Aber sie treiben uns etwas hinaus, aus dieser rosaroten Welt, lassen den Blick auf unsere Kinder vielleicht etwas realistischer sehen.
Liebe entsteht durch Kommunikation. Das klingt jetzt sehr trocken. Aber gesunde Liebe ist aus meiner Sicht etwas, das auf Gegenseitigkeit beruht. Mutterliebe wächst also, wenn Mutter und Kind in Austausch miteinander treten, wenn sie miteinander reden (auch nonverbal), wenn sie kuscheln, wenn sie lachen. Erst mit zunehmenden Alter sind Kinder fähig die Zuneigung, die ihnen von der Mutter entgegengebracht wird, wieder zurückzugeben. Sie gackern, wenn Mama sie kitzelt, sie freuen sich, wenn man nach Hause kommt. Sie drücken Dich. Und irgendwann, irgendwann sagen sie „Mama, ich hab` Dich lieb!“
Dafür braucht es Zeit. Je häufiger man sich sieht, desto sympathischer wird man sich, das ist kein Geheimnis und trifft es hier auf den Punkt. Man teilt sein Leben, teilt seine Erfahrungen. Die Kinder erfüllen das eigene Leben, speisen unsere Erinnerungen, unsere Gefühle und Gedanken.
Wir gehen die Straße entlang und erinnern uns, wie unser Kind genau hier hingefallen ist, uns eine Blume gepflückt hat oder das erste Mal Fahrrad gefahren ist.
Kinder sind einfach präsent, auch wenn sie gerade mal nicht da sind. Und wie kann man sie nicht lieben, wenn sie doch so präsent in unserem Leben sind?!
Was macht für Euch „Liebe“ aus?
Eure Wiebke

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