Ich will meine rosarote Blogger-Flauschwolke wieder zurück!

Ich habe Herzrasen, wenn ich den PC anschalte oder mein Handy zücke. Ich öffne Twitter, um zu sehen, wie es meinen Blogger-Freunden geht, welche neuen Blogposts sie online gestellt haben und auch, was sie gerade so machen. Und dabei denke ich bang: hoffentlich wird nicht wieder eine Sau durch`s Dorf getrieben. Hoffentlich wird nicht wieder jemand für seine persönliche Meinung niedergemacht. Hoffentlich ist etwas Flausch da, der mich zum Lächeln bringt. Wie früher.

Mein Wunderland

Vor etwas mehr als drei Jahren fing ich mit dem Bloggen an. Damals war ich weder bei Twitter, noch bei Facebook. Ich suchte über Brigitte Mom Blogs interessante Blogs heraus, speicherte sie mir in meinem Lesezeichen und schaute jeden zweiten Tag bei ihnen vorbei. Ich las spannende, unterhaltsame, lustige und berührende Texte von anderen Müttern und tauchte ab in eine heile Welt. Es war wie bei Alice im Wunderland. Ich war winzig klein und schaute staunend auf die bunte Welt, die sich da gerade vor mir auftat.

Ich kommentierte in dieser Zeit viel auf den Blogs, und gesellte mich damit zu vielen anderen Kommentaren, die lieb, wohlwollend und gut gemeint waren. Es baute sich ein kleiner Stamm von Bloggern auf, die mit mir angefangen hatten. Wir schauten regelmäßig bei den anderen vorbei. Es fühlte sich richtig und heimisch an. Es war eine kleine, angenehme und flauschige Bloggerblase, die ich mir da aufgebaut hatte.

Dann meldete ich mich bei Facebook an und etwas später auch bei Twitter. Insbesondere Twitter gefiel mir, weil ich meinen Mama-Alltag in so schön kurzen Sätzen in die Welt hinaus schubsen konnte. Perfekt. Nach und nach lernte ich die Menschen dahinter kennen. Andere bloggende Twitterer, aus denen meine fast gesamte Timeline besteht. Es wurden lustige Sprüche gepostet und gelacht. Es wurden traurige und bestürzende Nachrichten versendet und ganz viel Umarmungen geschickt. Es wurden Hoffnungen geäußert und mitgebangt. Es war ein schönes Miteinander. War.

Zickenkrieg statt Blogger-Flausch

Denn irgendwie ist der Ton rauher geworden. Auf Facebook (davon bekomme ich allerdings nicht so viel mit), aber auch auf Twitter und in Blogposts und den darunter befindlichen Kommentaren. Die Zahl der Blogger ist gestiegen, jeden Tag entdecke ich neue Blogs, insbesondere über Twitter, aber beispielsweise auch über meine Herzpost-Aktion. Einerseits ist die Vielfalt toll. Andererseits ist es vielleicht gerade diese Vielfalt, die wieder mehr Abstand zwischen die einzelnen Blogger bringt (von inzwischen festen Sympathien auf Twitter einmal abgesehen). So viele Mütter und Väter wollen sich der Welt mitteilen und gesehen werden, in dem Wust an Blogs. Auch die professionalisierten Blogs, die auf „Gesehenwerden“ und entsprechende Klickzahlen angewiesen sind, sehen sich hier eventuell bedroht.

Und dann passiert es: Die einen versuchen sich mit hetzerischen Blogposts Gehör zu verschaffen, die anderen mit reißerischen Themen. Wieder andere steigen in jede Diskussion mit ein, um auf der Welle mitzuschwimmen. Und wieder andere fangen plötzlich an ihre Nische in Gefahr zu sehen, weil eben immer irgend jemand gerade Themen anspricht, die eben schon mal da waren oder Nischen bedient, die bereits von älteren Bloggern „besetzt“ sind. Überall wird gemotzt und gemeckert. Überall wird – so vermittelt es mir den Anschein – versucht aus dem Dickicht der Elternblogger an die Oberfläche zu kommen und Luft zu holen. Und immer öfter landen dann eben nicht nur von Lesern, sondern auch von anderen Bloggern Kommentare in meinem Sichtfeld, die mich erschauern lassen. Mit jedem übergrifflichen Wort, mit jeder Zickerei und jedem Angriff zucke ich zusammen. Meine Wunderland-Blase zerplatzt, Stück für Stück. Das ist nicht der Grund, warum ich mit dem Bloggen begonnen habe. Zickereien habe ich im Real Life genug! HÖRT AUF DAMIT!

Gefühle zeigen ja, aber…

Ich bin ein Freund davon seine wahren Gedanken und Gefühle zu äußern. Ich nehme Euch regelmäßig mit auf eine Reise in meinen verflixten Alltag, meinen Erlebnissen und meinen Gedanken. Ich lasse Euch teilhaben an Ängsten, Sorgen, Freuden und Glück. Denn das ist das Leben. Und das spreche ich auch allen anderen zu. Selbstverständlich! ABER diese Gefühle sollten immer so geäußert werden, dass andere dabei nicht verletzt werden. Man kann doch verschiedener Meinung sein, ohne andere auf Grund dieser Verschiedenartigkeit fertig zu machen! Es fängt hier bei Meinungen an, und hört dann wo bitteschön auf? Wo führt es hin, wenn wir die Verschiedenartigkeit nicht respektieren, sei es im Denken und Handeln, oder (mal ganz plakativ) in Aussehen, Geschlecht, Ethnie….

Also können wir uns bitte einfach zusammensetzen, eine halbe Tasse Tee trinken, uns gegenseitig zuhören und konstruktive miteinander austauschen? Geht das?

Und nun noch eine Frage zum Schluss: Möchte noch jemand Tee? Für die Twitterer mache ich auch extra Kaffee und Nutella-Brot 😉

Eure Wiebke

20 Comments

  1. 14 Januar 2017 at 12:20 pm

    Super schön geschrieben. Mir ist das alles auch schon aufgefallen. Zwar blogge ich selbst noch nicht lange, aber andere Blogs lese ich schon seit ca. drei Jahren. Es war anders, da gebe ich Dir recht. Mich erschreckt das auch alles, aber was der Grund für diese Entwicklung ist weiß ich nicht. Liebe Grüße, Nicole.

    • 14 Januar 2017 at 1:50 pm

      Danke für Deinen Kommentar. Und interessant zu hören, dass Du es auch so wahrgenommen hast!
      LG Wiebke

  2. 14 Januar 2017 at 12:34 pm

    Ich nehme gerne einen Kaffee. Und bin ein großer Freund von Diskussionen ohne das man den anderen persönlich fertig macht.

    • 14 Januar 2017 at 1:51 pm

      Ja genau. Diskussionen finde ich prima, da habe ich selber auch schon viel gelernt. Es ist eben immer eine Frage, wie man andere Meinung verpackt.

  3. 14 Januar 2017 at 12:54 pm

    Ich mag keinen Tee, kann ich auch einen Kaffee haben? 😊

    Ich blogge nach der Regel: schreib nichts – nirgendwo! – ins Internet, was du dich nicht auch trauen würdest, dieser Person direkt zu sagen. Und so schreibe ich auch Artikel, wenn sie sich an Diskussionen beteiligen oder an bestimmte Menschen richten sollen. Ich lese sie meist noch 2-3 Mal mindestens durch und stelle immer noch mal Formulierungen um. Ich komme damit gut zurecht und wünsche mir auch, dass mit mir so umgegangen wird. Bisher hatte ich Glück. Aber du hast Recht. Bei jedem Text, der auch nur ansatzweise kritisch ist, hat man ja schon Angst bei jedem Kommentar oder Pingback, das rein kommt….

    • 14 Januar 2017 at 1:52 pm

      Darum lese ich auch so gerne bei Dir: Deine Texte sind sehr überlegt. Und auch ich schaue (meistens) noch ein paar Mal drüber und formuliere um 😉
      Lieben Gruß, Wiebke

  4. 14 Januar 2017 at 1:43 pm

    Ich sehe das Problem in der Professeionalisierung. Habe nie verstanden warum ein Hobby auf einmal ein Job sein kann. Ich blogge und twittere just for fun. Hab keinen Pfrund zu verteidigen. Das macht mich sehr frei. Habe aufgehört an Verlosungen teilzunehmen weil ich dieseS System der BlogFinanzierung nicht unterstützen will. Wir müssen alle kritischer werden. Und ehrlicher.

    • 14 Januar 2017 at 1:53 pm

      Ich denke auch, dass das ein wichtiger Punkt ist. Darum kommt es für mich auch nicht in Frage. Ich möchte ohne Druck bloggen können, und ohne mich zu verbiegen, um hervorzustechen.

  5. 14 Januar 2017 at 3:15 pm

    Danke. Mich nervt das alles als Leserin (Blogs und Twitter) sehr!
    Mein Rat an alle Blogger*innen/Schreiber*innen:
    Bleibt bei euch! Schreibt von euch und eurem Leben, Umfeld, Beruf, Erlebnissen etc.
    Aber schreibt nicht über Dinge, Menschen, Gefühle anderer, worüber ihr keine Ahnung habt!
    Bitte!
    Und wenn ihr auf eurem Blog Dinge, Erlebnisse, Gefühle anderer haben wollt, dann lasst Gastblogger*innen, die sich damit auskennen (aus-fühlen) darüber bei euch zu Wort kommen!
    Ich bin euch allen dankbar, wenn ihr mal darüber nachdenkt! 💜

  6. 14 Januar 2017 at 4:42 pm

    Toller Beitrag zur derzeitigen Stimmung.
    Als ich 2011 das erste Mal einen Mamablog hatte, war alles nur rosarot. Mensch, was haben wir Blogger uns unterstützt. Heute gönnt die eine der anderen nicht den Dreck unterm Fingernagel. Es ist verdammt schade, aber ich lasse mich keinesfalls entmutigen, ich habe Spaß am bloggen.

    Nun noch eine dicke virtuelle Umarmung, für diese wahren Worte, liebe Wiebke <3

    Ganz liebe Grüße Melanie

  7. 14 Januar 2017 at 6:23 pm

    Liebe Wiebke,

    Du sprichst mir mit Deinem Text aus der Seele. Ich war gestern enttäuscht, als ich meine Timeline bei Twitter durchging und so viel Kritik, Hass, Unverständnis spürte. Wo war der Flausch geblieben? Wir als Mamas müssten doch zusammenhalten, der Alltag ist schon schwer genug, oder nicht? Jedenfalls danke nochmals für Deinen Text und den virtuellen Kaffee nehme ich auch gerne entgegen! *schlürf*

    Liebe Grüße
    Schokomama

    • 19 Januar 2017 at 4:19 pm

      Liebe Wiebke,
      super geschrieben!

      Ich als Künstlerin und jetzt Mommy möchte auch mit einem Blog starten. Danke für deinen Artikel.
      Und es wird für mich wahrscheinlich sehr schwer am Anfang sein… Aber ich hoffe es klappt und ich finde auch nette und liebe Leser. Es ist aber leider so, dass es verschiedene Leute und Meinungen gibt, sonst würden wir in einer viel friedlichen Welt leben.

      Ganz liebe grüße,
      aliya_abs_art

  8. 14 Januar 2017 at 9:37 pm

    Wenn ich sowas lese, dann bin ich ganz ehrlich froh, dass es mir zeitlich nahezu unmöglich ist, solche Diskussionen zu verfolgen. Ich will das einfach nicht wissen. Ich will keinen Neid, keine Missgunst, keine Engstirnigkeit lesen…

    Ich folge denjenigen, die Interessantes schreiben – ich lese, was mich interessiert und sobald sich Auseinandersetzungen abzeichnen, nehme ich Abstand. Das Leben ist kurz. Das Leben ist schön. Und es ist verdammt noch mal viel zu schade, sich zu bekriegen!

    Liebe Grüße
    Danielle

  9. 14 Januar 2017 at 10:14 pm

    Da sagst du was. Ich lese schon länger Blogs und fand das immer sehr schön. Es half mir als Neumama, weil ich sah, irgendwo gibt es immer jemanden, der eine ähnliche Situation durchlebt wie ich. Das tröstete mich. Ich lernte auch etwas. Ich überdachte manche meiner Gedanken.
    Ich fing vor einem guten Jahr an selbst zu bloggen. Ich schrieb und malte immer gern. Alle für mich nennenswerten Ereignisse schrieb ich auf. Schreibe ich weiterhin auf.
    Noch frisch in der Bloggerwelt sah ich mich blauäugig um, kommentierte hier und da. Lernte nach und nach, wie es zu geht. Ich glaube, ich machte auch einige Fehler. Aber egal. Man lernt ja. 😀 Zuerst sah es recht flauschig aus. Doch vor allem in den letzten Monaten bemerke ich auch eine gewisse Ruppigkeit. Warum frage ich mich? Es gibt wirklich sehr viele Blogs. Viele wirklich gute. Und vor allem für JEDEN Geschmack ist was dabei. Ich glaube, es ist für jeden Platz. Die große Bandbreite an Meinungen sollte man nutzen, um zu lernen. Jedenfalls lernte ich das in dem vergangenen Jahr verstärkt. Manchmal lese ich Beiträge oder Kommentare, die ich nicht nachvollziehen kann. Wenn mich etwas ansäuert, denke ich (meistens) erstmal genauer nach. Und so manches Mal lernte ich auch die andere Sichtweise nachzuvollziehen. Wir sind alle anders. Ein einziges Kriterium für mich ist: Man darf nicht anderen bewusst schaden wollen, sollte ehrlich sein und respektvoll miteinander umgehen. UND: die virtuelle Welt zeigt nur Ausschnitte. Wie schnell hat man ein falsches Bild, wenn man die Menschen nicht persönlich kennt. Die Betonung beim Sprechen nicht hört. Man konstruiert sich auch schnell Wahrheiten, die nichts mit der Realität zu tun haben.

  10. 15 Januar 2017 at 9:04 am

    Liebe Wiebke,

    da hast Du wirklich so Recht!!! Es hat sich ganz schön verändert, da draußen in der „Blase“. Das ist auch so ein Grund, warum ich schon seit einigen Monaten nur noch sporadisch bei Twitter bin. Denn es hat mich so müde gemacht, diese Anfeindungen und der Ton. Finde es schon schlimm, wie im RL der Ton oft viel zickiger und rauer geworden ist. Es scheint, als müsse man sich ständig und überall nur rechtfertigen. Das ist mühsam und die Zeit ist mir dazu echt zu schade. Ich lese wieder meine Blogger über Bloglovin, so kam ich eben auch hier vorbei.

    Sag mir Bescheid, wenn es wieder mehr rosa wird. Bis dahin würde ich gerne Nutella und Kaffee nehmen und setz mich einfach in die Runde Deiner netten Kommentierenden, ich glaub das wäre ne schöne Runde.

    Lieben Gruß
    Tanja

  11. Silke
    Antworten
    15 Januar 2017 at 10:13 am

    Liebe Wiebke, Ich selber blogge nicht und kommentiere selten und wenn dann positiv. Klar bin ich auch mal anderer Meinung als die Bloggerin, aber in der Regel denke ich mir, ich muss das hier nicht lesen. Wenn mich ein Blog nervt, zwingt mich niemand, dabei zu bleiben. Nur wenn der Artikel einseitig andere Meinungen zerpflückt ohne verschiedene Sichtweisen zu beleuchten (oder- was noch nie vorgekommen ist- rassistisch oder ähnlich ist), werde ich mich auch deutlich kritisch äußern. Nur Flausch ist meiner Meinung auch langweilig, aber eine faire! Diskussion sollte es sein!

    • 15 Januar 2017 at 2:51 pm

      Genau das meine ich. Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht. Konstruktive Kritik und ein Aufzeigen von Alternativen nehme ich gerne an. Es geht um die Bemerkungen, die eben dann sehr persönlich werden und einfach nur verletzen. LG Wiebke

  12. 16 Januar 2017 at 11:28 pm

    Kaffee und Nutellabrot hört sich gut an, bekomm ich das auch ohne twitter? Ich blogge erst seit kurzem, bin ein absoluter Neuling. Allerdings lese ich schon eine Weile verschiedene und ich muss dir sagen…es gibt spezielle Themenblogs da hast du absolut Recht. am meisten ist es mir in Familienblogs aufgefallen, besonders dann wenn es um die Allseitsbeliebten Themen wie Erziehung, impfen und stillen geht. Jeder hat seine Meinung, einige denken, dass es nur ihre ist, die richtig sein kann. Wie genau das alles gekommen ist…ich weiß es nicht. Aber es scheint in der Bloggerwelt ein richtiger wettkampf ausgebrochen zu sein, wer hat die besten Beiträge, die meisten follower und ähnliches. In so einer Welt ist Ärger und Missgunst fast vorprogrammiert…leider.

  13. Sabine
    Antworten
    23 Februar 2017 at 1:50 pm

    Und ist es nicht auch so, das man als einkindmama auch nicht als „richtige“ mama ernstgenommen wird und sich eine reihe von dummen sprüchen anhören darf. Man ist halt nicht „mainstream“. Nur zwei kinder sind das wahre und bitte möglichst stressig alles schildern. Wo bleibt das „leben und leben lassen“. Für jeden einzelnen gibt es ein persönliches lebensmodell, das halt nicht für alle passt. Auch die kommentare_ sodenn sie überhaupt freigeschalten werden_ werden gehässiger und untergriffiger. Muss man denn jeden anfeinden und anpöbeln? Muss ich unbedingt fiese kommentare schreiben, nur weil ich anderer meinung bin? Versteh ich nicht. Klick ich halt weg und denk mir meinen teil. Man kann auch freundlich kritik anbringen. Ich hoffe dein blog bleibt von gehässigen, dummen kommentaren weitgehend verschont.

    Liebe grüsse

Ich freue mich über einen Kommentar

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