Von der Zwei-Kind- zur Ein-Kind-Mama – ein Experiment

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Unser Wirbelwind war eine Woche im Urlaub mit den Großeltern. Das bedeutete für uns, dass wir sieben Tage lang plötzlich von einer Zwei-Kind-Familie zurück in eine Ein-Kind-Familie katapultiert wurden. Und so niedlich die zwei zusammen auch sein können, Zoff, Gezanke und das Buhlen um die meiste Aufmerksamkeit ist eben auch immer dabei. Und das ist vor allem eines: laut. Und in diesen Momenten bin ich froh, „nur“ eine Zweifach-Mama zu sein. Ist eigentlich irgendwann, so mit drei Kindern, der maximale Lärmpegel erreicht? Oder steigt er mit jedem Kind weiter exponentiell an? Ich werde es wohl nie erfahren, denn meine Kapazitäten sind mit zwei Kindern eindeutig ausgeschöpft. Aber umso schöner, dass man auch als Zwei-Kind-Mama mal wieder Ein-Kind-Mama sein darf. Was ich an der Woche besonders schön fand? Das erzähle ich Euch gerne.

Kein Geschwisterstreit

Wenn das zweite Kind fehlt, merkt man, wie oft sich die kleinen, so süßen und scheinbar so freundlich miteinander umgehenden Geschwister eigentlich zoffen. Sie streiten sich darüber…

  • wer den letzten Joghurt essen darf,
  • wer das Auto aufmachen darf,
  • wer das Sandspielzeug trägt,
  • wer auf dem Laufrad fährt,
  • wer den Briefkasten öffnen darf,
  • wer den Fernseher anmachen darf,
  • usw.

Nicht so mit einem Kind. Wenn das Kind Auto, Briefkasten und Tür öffnen möchte, dann kann es das tun, ohne dass ein weiteres Kind darum buhlt. Wenn es Laufrad fahren möchte, dann kann es das tun. Wenn es den Fernseher anmachen möchte, hat es die Fernbedienung für sich alleine.

Fazit: Kein Streit, kein Gejaule, kein Weinen. Himmlische Ruhe, Entspanntheit und ein glückliches Kind.

Kein Neid

Endlich kann man etwas für ein Kind tun, ohne dass es das andere auch machen möchte. Und man kann eben genau das tun, WAS das Kind möchte, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass es das zweite Kind vielleicht noch nicht oder gerade in dieser Situation nicht haben darf. Klingt jetzt etwas kompliziert. Ich versuche es zu erläutern. Mit zwei Kindern sieht es folgendermaßen aus:

  • Das Kind brüllt, weil es nicht zusammen mit dem größeren Geschwisterchen zum Sport gehen darf.
  • Es brüllt, weil es nicht, wie das größere Geschwisterchen, einen Kaugummi essen darf.
  • Es brüllt außerdem, wenn man es aufhalten möchte, weil es dem badenden Geschwisterchen sofort hinterher springen möchte.
  • Und es brüllt, weil es kein Eis essen darf (was es bereits zu Hause getan hatte, und nun eben das Geschwisterkind ein verspätetes Eis bekommt).

Das entfällt nun. Einfach so. Das Kind muss nicht vor der verschlossenen Turnhalle stehen, weil man mit einem Kind, das keinen Sport macht, gar nicht erst dort landet. Das Kind muss nicht zusehen, wie ein anderes Kind Kaugummi isst oder Eis schleckt, wenn es selber das nicht haben darf. Und es muss nicht zusehen, wie ein anderes Kind in der Badewanne planscht, wenn es selber eigentlich nicht baden soll.

Fazit: Kein Zank, kein Gebrüll. Einvernehmliche Unternehmungen und jede Menge Ruhe.

Kein Aufmerksamkeits-Splitting

Ich habe nur zwei Augen, und die gucken in der Regel nur in eine Richtung. Zwei Kinder, die sich wild über den Spielplatz verteilen, sind da eine echte Herausforderung. Noch dazu zwei Kinder, die auf Grund ihres unterschiedlichen Alters ganz verschiedene Aufmerksamkeit von mir fordern. Ein Beispiel:

  • Das eine Kind braucht Hilfe beim Rutsche hochklettern, das andere sucht Beachtung für seine neuesten Turnkünste
  • Das eine Kind möchte etwas vorgelesen bekommen, das andere möchte kuscheln, selbstverständlich in Ruhe und ohne Buch.
  • Das eine Kind möchte volle (stundenlange) Aufmerksamkeit beim Zubettbringen, das andere möchte noch ein Spiel spielen.

Und so versucht man dem turnenden Kind mit zusammengepressten Zähnen ein lächelndes „Jaha, ich gucke!“ herauszupressen, während man das Geschwisterkind die Rutsche hinauf hieft. Oder man versucht dem Kind klarzumachen, dass man sehr wohl gleichzeitig kuscheln und Buch vorlesen kann. Und manchmal, ja da hilft alles nichts und man muss dem Kind verklickern, dass es nun eben NICHT die gewünschte Aufmerksamkeit erhalten kann, weil eben ein anderer Knirps diese gerade dringender braucht.

Das ist ein Zwiespalt, den man mit einem Kind nicht kennt. Man liest seinem Kind ein Buch vor. Bis zu Ende. Man kann sein Kind kuscheln, ohne die neidischen Blicke des Geschwisterchens auf sich zu spüren. Man kann sein Kind ins Bett bringen, ohne sich schlecht zu fühlen, weil da noch ein Exemplar auf dem Sofa sitzt und darauf wartet, dass Mama wieder aus dem Kinderzimmer kommt.

Fazit: Man hat ein mit Aufmerksamkeit aufgetanktes Kind, das angesichts der ungeteilten Aufmerksamkeit teilweise überfordert im Kreise rennt. Und eine entspannte Mutter, die sich einmal nicht zerteilen musste.

Kein Aufschaukeln, keine Ablenkung

Ein Kind ist vergleichbar mit einem Heuballen: es ist da. Zwei Kinder sind wie diese Fidget Spinner: Das eine stupst an, das andere dreht sich wild im Kreis. Ein paar Beispiele?

  • Beim Zähne putzen rennen die Kinder hin und her, necken sich, beschmieren sich mit der Zahnbürste am ganzen Körper und den Spiegel gleich mit, prusten herum und machen eine riesige Sauerei.
  • Beim Essen lenkt das eine Kind, das bereits fertig ist, das andere ab, stupst es mit dem Fuß an, bringt es zum Lachen, verkippt es sein Trinken und schmiert sich mit dem Löffel voll.
  • Beim gesitteten Spielen in der Wohnung rennen die Kinder kreischend umher, schmeißen sich aufeinander und strampeln wild mit den Beinen, bis der erste vor Schmerz aufschreit.

Also im Prinzip läuft es darauf hinaus, dass alles zu einer riesigen, lauten und manchmal schmerzhaften Sauerei wird, sobald mehrere Kinder aufeinander stoßen. Wenn das Kind alleine Zähne putzt, ist es ruhig, bleibt vor dem Spiegel stehen und bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen. Oder es isst konzentriert sein Brot. Und ein Kind alleine spielt auch mal für eine Zeit ruhig mit seinen Puppen, oder der Spielküche, ganze leise und ohne dabei die Wände zu bemalen.

Fazit: Entspannte Alltagssituationen ohne Eskalation.

Zurück zur Zwei-Kind-Mama

Nun hielt der Ein-Kind-Status ja „nur“ eine Woche an. Das Experiment war nach sieben Tagen also wieder beendet. Mit einer großen Umarmung und begeisterten Rufen wurde Wirbelwind von Wölkchen empfangen. So entspannt es mit einem Kind auch ist, genau diese Momente sind es, die ans Herz gehen. Und vielleicht, ja vielleicht lerne ich als Mutter genau diese Momente der Zweisamkeit der Kinder mehr zu schätzen. Wie sie miteinander reden, spielen, kuscheln, Wettrennen veranstalten. <3

Eure Wiebke

1 Comment

  1. Calliope
    Antworten
    21 September 2017 at 8:48 pm

    Interessant. Mein Kleiner ist immer unausstehlich, wenn der Große weg ist. Zu langweilig. Er möchte gerne Unterhaltung. Der Große ist bei den Großeltern handzahm, aber sobald er heimkommt, ist er launisch, müde und muss sich erstmal abreagieren. Wenn die Kinder es nicht so toll fänden, mal auswärts zu sein – das Weniger an Stress hält sich bei uns in Grenzen. Wie verschieden Kinder doch wieder mal sind…

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