Es wird nie wieder so sein, wie es war!

Rollerfahren nach Armbruch

Es wird nie wieder so sein, wie es war!

Diese Gedanken schießen mir die letzten Tage immer wieder durch den Kopf. So gerne ich meinem Wirbelwind gegenüber locker flocker fröhlich reagieren würde, so sehr friert mir die Angst das Lächeln ein. Immer wieder höre ich mich, beinahe verzweifelt, rufen.

„Bitte strecke Deinen Arm! Nicht die ganze Zeit beugen! Du musst üben, sonst wird das nicht besser!…“

Die Halterung am Arm ist ab, im Kopf ist sie noch dran

Vor vier Tagen hat Wirbelwind ihre Armhalterung abbekommen. Vier Wochen hatte der Arm Zeit, um den Bruch heilen zu lassen. Vier Wochen lang lief Wirbelwind mit gebeugtem Arm herum. Dass die Streckung unangenehm werden würde, das war uns klar. Die Bizepssehne hatte sich in der Zeit arg verkürzt. Aber dass Wirbelwind nach vier Tagen immer noch vor Schmerzen aufschreit, wenn man ihren Arm vorsichtig streift, damit hatten wir so überhaupt nicht gerechnet.

Sind es echte Schmerzen oder ist es ihre eigene Angst davor, den Arm wieder richtig zu benutzen, die sie aufschreien lässt? Und ist es Gewohnheit oder wirkliche körperliche Schwäche, die sie ihren Arm den ganzen Tag ganz fest an ihren Bauch klammern lässt?

Als ich Wirbelwind am zweiten Tag vom Kindergarten abholte, hoffte ich, sie mit einem nach unten baumelnden Arm begrüßen zu können. Doch sie hatte ihren Arm unter die Jacke geklemmt, so wie früher, als die Halterung noch dran war. Ich war fassungslos. Ich zog ihr die Jacke richtig an und versuchte ihr klar zu machen, dass sie den Arm nun wieder benutzen kann. Sie presste ihren Arm an den Bauch. Auf dem Nachhauseweg kletterte Wölkchen auf eine Mauer. Wirbelwind meinte: „Schade, dass ich das nicht darf!“. „Na klar darfst Du das!“, entgegnete ich irritiert. „Aber ich habe doch nur eine Hand“, jammerte sie. Und als ich sie erneut daran erinnerte, dass sie nun wieder zwei Arme und Hände zur Verfügung hatte, schaute sie mich etwas hilflos an.

Es ist im Kopf noch nicht angekommen. Auch jetzt, nach vier Tagen nicht. Immer wieder bittet sie um Hilfe, beim Essen, beim Schuhe anziehen, beim Ankleiden. Immer wieder vergisst sie, dass sie es nun wieder selber kann, weil sie wieder zwei Hände zur Verfügung hat. Immer wieder müssen wir sie erinnern. Einen Teilerfolg hatten wir zumindest, als sie Roller fuhr. Das klappte wirklich gut, weil sie hier das Gefühl hatte, sich festhalten zu können. Gleichzeitig musste sie gut zupacken, was dem Arm und darin versteckten Muskeln – hoffentlich – gut tat. (Auf dem Titelbild sehr Ihr sie in Aktion. Das ist die maximalste Armstreckung, die sie bisher hinbekommen hatte.)

Was, wenn das so bleibt?

Übungen mit uns macht sie nur ungern, meint immer wieder, dass es schmerzt. Doch wenn sie sich scheut den Arm zu strecken, wird die Sehne vielleicht für immer so bleiben?! Ja, ich habe Angst, dass das jetzt so bleibt. Dass sie nie wieder ihren Arm richtig strecken kann. Dass sie nie eine Ballsportart spielen kann, die sie doch so gerne lernen würde. Oder, und das stresst mich besonders, vielleicht doch noch operiert werden muss.

Ich weiß schon. Ihr denkt jetzt, dass ich dramatisiere. Ich denke es auch ab und an. Aber dann eben ab und an auch nicht. Und diese kurzen Momente reichen schon aus, um in mir das Kopfkino zu starten. Noch dazu kommen Erfahrungen aus der Familie, in denen es nach einem Ellenbogenbruch nicht so rosig geendet hatte. Und das Kopfkino geht in die Verlängerung.

Und nun?

Ohne Physiotherapie scheinen wir nicht weiter zu kommen. Etwas, das wir nun in Angriff nehmen werden. Unsere Ärztin hatte gemeint, wir sollen es erst einmal so versuchen. Aber das scheint ausgeschlossen. Ich möchte nicht, dass wir als Eltern die ganze Zeit diejeniggen sind, die Wirbelwind ermahnen, maßregeln und an die Bewegung des Armes erinnern. Das soll dann doch lieber ein Profi machen. Und der kann uns vielleicht ein wenig die Angst nehmen. Hoffentlich.

Wie war es bei Euch? Hattet Ihr Erfahrungen nach Brüchen bei Euch oder Euren Kindern, wo es ähnlich verlief und (biiiitteeee) ein Happy End herauskam?

Eure Wiebke

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Was ist, wenn das so bleibt? Die Angst nach dem Armbruch

9 Comments

  1. 21 Mai 2018 at 12:43 am

    Hallo Wiebke,

    Ich habe keine Erfahrungen mit Brüchen, aber ich kann dir versichern: Ich wäre genauso besorgt wie du. Beim eigenen Kind bin ich übervorsichtig und male mir alle möglichen Horrorszenarien aus. Bisher ist noch nie etwas davon wahr geworden und genau das wünsche ich euch. Schnelle, komplikationslose Heilung und das Verschwinden der angstvollen Gedanken.

    Viele Grüße
    Mama Maus

    • 21 Mai 2018 at 3:20 pm

      Ach meine Liebe, vielen Dank. Ich habe nun schon Vielen gehört, dass es einfach seine Zeit braucht. Wir werden jetzt die Physio angehen und in ein paar Wochen ist hoffentlich alles wieder im Lot. Ich bin auch manchmal einfach zu ungeduldig. 🙁 LG Wiebke

  2. 21 Mai 2018 at 1:59 pm

    Liebe Wiebke,
    Ängste bringen es nun mal mit sich, dass sie immer die schlimmsten Szenarien ausmalen. Mir ginge es an Deiner Stelle nicht anders. Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass tatsächlich „nur“ der Schalter im Kopf noch umgestellt werden muss, damit sie sich traut, den Arm wieder zu bewegen. Ich wünsche Euch alles Gute! LG Svenja

    • 21 Mai 2018 at 3:21 pm

      Liebe Svenja, vielen lieben Dank für die Wünsche und Gedanken. Dann werde ich abwarten und hoffen, dass es bald „klick“ macht. 😉 LG Wiebke

  3. Torsten
    Antworten
    24 Mai 2018 at 11:14 am

    Hallo Wiebke,

    Also ich kann von so einem Armbruch aus eigener Erfahrung berichten: Ich hatte mir mit 6 Jahren den rechten Oberarmknochen knapp über den Ellenbogen glatt durchgebrochen und hatte daher einen sehr ähnlichen Therapieverlauf wie deine Tochter jetzt. Soweit ich mich entsinnen kann, stand die Notwendigkeit einer Physiotherapie bei mir damals gar nicht zur Debatte. (Vllt. andere Zeit?) Ich weiß noch, dass die Therapie sehr schmerzhaft war, aber ich weiß auch noch wie sehr ich mich über jeden Fortschritt gefreut habe. Im Rückblick faszinierend, wie mir da als 6-jährigen Jungen ein Licht aufging. Ich habe mich ganz bewusst darüber gefreut, dass ich etwas (wieder) konnte, was zuvor selbstverständlich für mich war. Das war auf jeden Fall eine Lektion in Sachen Demut.
    Mein Arm ist damals in relativ kurzer Zeit jedenfalls wieder vollständig genesen. d.h. die Physiotherapie hat bis zur vollständigen Streckung meiner Erinnerung nach nicht (oder zumindest nicht nennenswert) länger gedauert, als die Tragezeit der Halterung. Ich habe auch heute keine Probleme mit dem Arm, obwohl ich ihn mir (natürlich ^^) mit ca. 13 Jahren beim Inlineskaten nochmal gebrochen habe. (Unkompliziertere Therapie: Glatter Speichendurchbruch, keine Halterung, keine Physio nur ein paar Wochen Unterarm-Gips und ein paar (leider, leider *schnief*) verpasste Klassenarbeiten 😉 )

    Ich hoffe, dass ich dir deine Ängste etwas nehmen konnte. (BTW: Was ist aus der Gehirnerschütterung geworden? Ist da wieder alles okay? Aus dem Blogeintrag geht für mich nicht ganz hervor, ob „die Barriere im Kopf“ nur auf die Gewohnheit der Halterung begründet ist, oder mit ihrem Gedächtnisverlust zu tun hat. Zusammen mit dem Titel des Eintrags macht man sich da doch etwas Sorgen als Leser…)

    Liebe Grüße von einem werdenden Papa, dem all diese Sorgen wahrscheinlich noch bevor stehen.

    • 25 Mai 2018 at 8:04 am

      Hallo Torsten,
      vielen lieben Dank für den langen Kommentar. Und ja, er beruhigt mich auch etwas. 😉
      Mit „Barriere im Kopf“ meinte ich, dass Wirbelwinds Kopf noch nicht daran glaubt, dass der Arm wieder belastet werden darf Eine andere Kommentatorin schrieb auch etwas von Phantomschmerzen. Das scheint hier (auch weiterhin) der Fall zu sein. Die Physio startet bei uns nächste Woche. Ich bin gespannt. Von der Gehirnerschütterung ist – soweit ich das beurteilen kann – nichts zurück geblieben.
      Viele Grüße,
      Wiebke

  4. Catha
    Antworten
    24 Mai 2018 at 11:30 pm

    Hej liebe Wiebke, ich kann deine Ängste und Sorgen gut verstehen. Ich hab mir selber vor ein paar Jahre das Handgelenk beim Eishockey spielen gebrochen (mit 28). Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit als der Gips endlich ab war. Ich hab meistens noch meinen Arm an mir gehabt oder weiterhin nach oben gehalten, bin aber auch gleich wieder Fahrrad gefahren. (Paradox, ich weiß :)) Es war einfach eine Mischung aus Angst, ich könnte mir wieder den Arm brechen und es fühlte sich unglaublich komisch an nicht mehr diesen Schutz vom Gips zu haben und die Haut war auch super empfindlich. Ich glaube es ist so wie das Laufen lernen. Es hat alles seine Zeit gebraucht (Wochen) und es waren jeden Tag die ganz kleinen Fortschritte bis ich es wieder voll vergessen habe und den Arm wieder voll benutzt habe. Heute mache ich wieder voll Sport, auch Liegestützte wo das Handgelenk ja ordentlich belastet wird und ich habe auch keine Physio gehabt. Es braucht einfach Zeit.
    Achso, ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich so eine Art Phantomschmerzen hatte. Das war ein anderer Schmerz, aber er war einfach da und sicherlich auch mit der Angst verbunden.
    Ich kann gut verstehen, wenn du mit ihr zur Physio möchtest, würde ich mit meiner Maus auch machen und es ist etwas anderes wenn jemand anderes etwas zu einem sagt als die eigenen Eltern. Sie wird sicherlich bald wieder ordentlich klettern und rumhüpfen.
    Euch alles Gute!

    • 25 Mai 2018 at 8:07 am

      Liebe Catha,
      das mit den PHantomschmerzen ist interessant. So ähnlich habe ich es als Außenstehende auch wahrgenommen. Aber Wirbelwind kann das ja nicht so richtig artikulieren. Ich bin gespannt, wie sie es in ein paar Jahren im Nachhinein beschreibt. Die Physio fängt nächste Woche an, und ich bin gespannt, wie es sich entwickelt. Gestern hing sie zumindest mit beiden Armen am Klettergerüst in den Seilen. Das ist ein Anfang. Aber gestreckt hat sie ihren Arm immernoch nicht. 🙁
      LG Wiebke

  5. Leboha
    Antworten
    25 Mai 2018 at 9:24 pm

    Hallo Wiebke,
    ich lese deinen Blog heute zum ersten Mal und bin eigentlich auch nicht so die Kommentatorin, aber hier wollte ich dir auch eine Geschichte zur Beruhigung schreiben. Ich habe mir mit 8 Jahren den Ellbogen gebrochen, der musste operiert werden und dann hatte ich auch so 6 Wochen oder so einen Gips, in dem mein Arm in gebeugter Stellung festgehalten wurde. Ich erinnere mich auch gar nicht an so viel spezifisches aus dieser Zeit, aber wie ich nach Hause gefahren bin, als der Gips ab war, das weiß ich noch! Mein Arm kam mir so leicht und verletzlich vor ohne Gips, so dünn und schutzlos, dass ich ihn auf der Autofahrt nach Hause vorsichtshalber mit der anderen Hand gehalten habe, um ihn vor Stößen zu schützen. An die Zeit danach erinnere ich mich selbst um ehrlich zu sein auch nicht mehr (scheint also nicht so dramatisch oder schmerzhaft für mich gewesen zu sein), aber meine Mutter erzählt mir heute noch, wie ich den Arm danach immer geschont und nicht gestreckt habe. Bei einem Ball-Fang-und-Werf-Spiel mit meinen Eltern und Geschwistern, bei dem ich quasi am Verlieren war und deshalb unbedingt den Ball noch erreichen wollte, hätte ich dann unbewusst zum ersten Mal beide Arme gestreckt und es hätte einen so lauten Knack gegeben, dass meine Eltern schon befürchteten, ich hätte mir wieder den Arm gebrochen. Ich hätte wohl nur erschrocken geguckt, meinen Arm vorsichtig bewegt und plötzlich konnte ich ihn auch komplett strecken und habe ihn wieder ganz normal benutzt.
    Also – was immer das bei mir war, es hat das Gelenk gelöst und die Blockade in meinem Kopf wohl auch. (Habe und hatte nie mehr Probleme mit meinem Ellbogen). Und auch wenn das vielleicht keine Methode zur Nachahmung ist und die Physio sicher besser weiß, wie man das Problem lösen kann, wollte ich dir nur schreiben um zu sagen – halte durch! Das wird besser werden, irgendwann wird dein Wirbelwind die Arme bestimmt wieder beide strecken ohne großartig darüber nachzudenken! Und die Physio ist eine super Entscheidung, falls wie bei mir die Hemmung tatsächlich nicht nur im Kopf ist, wissen die bestimmt am besten, wie man die Blockade lösen kann 🙂
    Alles Gute euch!

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