Hilfe, ich habe die Zahnfee vergessen!

Hilfe, ich habe die Zahnfee vergessen

„Mama, die Zahnfee war nicht da!“

Bäm! Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Mist, da war doch was! Den Tag zuvor hatte Wirbelwind ihren zweiten Milchzahn verloren. Sorgsam steckte sie ihn in ihre Zahndose und abends unter ihr Kopfkissen. In froher Erwartung schaute sie am nächsten Morgen darunter und fand lediglich ihre olle Zahndose MIT Zahn vor. Was muss sie für ein Gesicht gezogen haben.

Tja, blöd halt, wenn die „Zahnfee“ abends auf dem Sofa versackt und schlichtweg vergisst, dass dort im Kinderzimmer eine Fünfjährige auf ein kleines Wunder wartet.

Nun stand sie vor mir und schaute mich traurig an. Schüttelte die klappernde Dose vor meinem Gesicht herum und berichtete, dass die Zahnfee nicht gekommen sei.

Doppelt Mist.

Und nun?

Zum Glück ist Wirbelwind eher von pragmatischer Natur und steuerte nach kurzer Trauerphase direkt die Kleingelddose an, die bei uns im Flur steht. „Dann nehme ich mir eben von hier das Geld“, verkündete sie. Ich öffnete – von Schuldgefühlen geplagt – die Dose und sie steckte sich etwas davon in ihr Portemonnaie.

Ich teilte meinen Fauxpas auf Twitter. Dort riet man mir dem Kind zu erzählen, dass die Zahnfee viel zu tun hatte und sicherlich die nächste Nacht kommen würde. Das sagte ich dann auch zu Wirblwind.

Diese Nacht musste es klappen. Ich bereitete mich akribisch vor. Ich holte den Kalligraphie-Stift heraus und schrieb einen kleinen Brief im Namen der Zahnfee, in welchem sie sich dafür entschuldigte, eine Nacht zu spät zu kommen. Als Wiedergutmachung sollte es dafür ein kleines Geschenk geben. Hier traf es sich gut, dass wir damals pünktlich zum ersten Wackelzahn eine Packung Filzstifte besorgt hatten. Abends entschieden wir uns jedoch spontan für die Geldvariante, weil sich die Wünsche von Wirbelwind minütlich wandelten. Seit dem warteten die Filzstifte auf ihren Einsatz. Da wir diesmal kein Geld geben konnten, weil sich das Wirbelwind ja bereits selber versorgt hatte, traf sich diese „Reserve“ ganz gut.

Wirbelwind legte die Zahndose unter das Kopfkissen und ein extra für die Zahnfee gemaltes Bild neben das Bett. Sie nahm die Sache sehr ernst. Und ich auch. Diesmal, ja diesmal würde ich daran denken.

20 Uhr brachte ich die Kinder ins Bett. Hier noch ein Küsschen, dort noch ein Liedchen. Ich verabschiedete mich von den beiden. Bevor ich die Tür des Kinderzimmers schließen konnte, rief mir schließlich Wirbelwind hinterher:

„Und Mama, aber diesmal nicht vergessen!“

Aus der Zauber?

Ooookaaay.

Glaubte sie nun an die Zahnfee, oder nicht? Das Bild hatte Wirbelwind doch auch für sie gemalt, nicht für mich. War der Zauber tatsächlich schon vorbei und alle Mühe umsonst?

Ich zog mein Vorhaben dennoch durch. Jetzt erst recht. Denn nun versagte ja nicht die Zahnfee, sondern augenscheinlich die Mutter, wenn wieder nichts geschah. Als ich mir sicher war, dass beide Kinder schliefen, schlich ich mich in das Zimmer. Ich holte den Zahn aus der Dose und verwahrte ihn sicher in einer zweiten Dosen auf, die wir gut vor Wirbelwind versteckt hielten. Ich steckte den Brief und die Stifte unter das Kissen und nahm das selbstgemalte Bild mit. Fertig.

Am nächsten Morgen hörte ich ein Schluchzen aus dem Kinderzimmer. Erst dachte ich, Wirbelwind würde heulen. Aber dann zeigte sie mir freudestrahlend den Brief und die Stifte.

„Schau mal Mama, die Zahnfee war da! Und das Bild hat sie auch mitgenommen. Es gibt sie also wirklich!“

Puh, das war knapp.

„Aber das nächste mal bleibe ich wach!“

 

Habt Ihr auch schon mal die Zahnfee vergessen? Und wenn ja, wie habt Ihr das gelöst?

Eure Wiebke

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Hilfe, ich habe die Zahnfee vergessen - Und nun?

2 Comments

  1. Denise Bella
    Antworten
    28 Mai 2018 at 2:46 pm

    Bei uns hat die Zahnfee keinen Wochenendsdienst, denn die Zähne fallen bei uns immer Samstagnacht raus, oder Sonntag morgen. Die werden Montag nach geliefert. Dann haben wir leider auch ein paar Zähne verloren, einen in der Kita, und einem im Zoo. Jedes Mal habe ich der Zahnfee eine liebe Email geschrieben (Ja, die geht mit der Zeit), Mit Foto vom Kind und der Lücke – und einer ungefähren Beschreibung des Verlustortes. – Dann schickt die Fee einen Suchrtrupp los. Die älteren Kinder haben unheimlich Spass dran die Geschichte immer weiter zu weben und keiner sagt der Kleinsten – das die Zahnfee eigentlich bei ihr im Hause wohnt.

  2. 18 Juni 2018 at 3:15 am

    E-Mail an die Zahnfee: das ist eine gute Lösung. Hmm, in den 90er wäre das das Fax gewesen. Kinderzahnbürsten waren da leider auch noch recht langweilig.

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