Wenn zwei Geschwister unterschiedlich stark kooperieren…

Wenn Geschwister unterschiedlich stark kooperieren...

Ich stecke in einem Dilemma. Es bereitet mir tatsächlich Bauchschmerzen und ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Im folgenden Beitrag möchte ich Euch darüber berichten. Sehr gerne würde ich von Euch Mehrfacheltern wissen, ob Ihr diese Situation auch kennt.

Das „Problem“ ergibt sich daraus, dass meine zwei Kinder, Wirbelwind und Wölkchen zwei sehr unterschiedliche Charaktere sind. Das ist grundsätzlich wundervoll. Im Alltag stoßen wir hier jedoch immer wieder an unsere Grenzen.

Typ 1: Die Kooperative

Wirbelwind (fast 6) gehört zwar zu den sehr lebendigen Kindern, die sehr schnell aufdrehen und auch überdrehen können. Aber sie ist auch eine Person, die sehr bereitwillig unseren Anweisungen folgt und sich in unser Familiengefüge einordnet. Wenn wir sie bitten etwas zu tun, dass sie nicht machen möchte, dann sagt sie es uns zwar. Wenn wir sie aber bitten, es dennoch zu tun, dann kommt sie unserer Bitte nach. Das ist sehr angenehm und führte dazu, dass wir es auch bereits zu Kleinkindzeiten (im Nachhinein betrachtet) relativ entspannt hatten. Wir konnten alle unsere Bedürfnisse äußern und ich hatte das Gefühl, dass ein Gleichgewicht zwischen uns Eltern und den Kindern herrschte, zwischen Geben und Nehmen, Bitten und Kooperieren.

Typ 2: Die Standfeste

Anders verhält es sich bei Wölkchen, die nun fast drei Jahre alt ist. Wenn wir etwas von ihr wollen, was sie nicht möchte, dann sagt sie es uns klar und deutlich: „Will ich aber gar nicht!“. Und, was noch beeindruckender ist, sie bleibt bei diesem Standpunkt. Bis zum bitteren Ende. Ja, es beeindruckt mich tatsächlich, weil ich diese Eigenschaft eigentlich sehr schätze. Ich finde es toll, dass sie zu ihren Wünschen und Grenzen steht und sie uns so klar vermittelt. Nur im Sinne des oben erwähnten Familiengefüges ist es doch etwas… äh… anstrengend. Von Kooperation weit und breit keine Spur. So sehr ich diesen Sturkopf auch liebe, so sehr bringt sie mich an meine eigenen Grenzen, weil diese von ihr in keinster Weise gesehen und respektiert werden. (Ich weiß, sie ist noch keine drei Jahre. Der Unterschied zur großen Schwester ist dennoch enorm!) Ein starkes Ungleichgewicht zwischen der Erfüllung unserer eigenen Bedürfnisse und denen von Wölkchen entsteht.

Zwei Typen prallen aufeinander

Doch das alleine wäre wohl gar nicht so erwähnenswert. Schwierig ist diese Situation deshalb, weil da eben noch eine große Schwester existiert, die genau dieses unterschiedliche Verhalten – nämlich ihr eigenes und das der kleinen Schwester – sieht und bewertet. Und sich wundert.

Ja dieser Umstand führt dazu, dass die unterschiedlichen Reaktionen im Familienalltag miteinander kollidieren. Wir bitten die Kinder das Zimmer aufzuräumen? Wirbelwind räumt auf, Wölkchen verkündet „will ich aber gar nicht!“ und macht irgendwas anderes. Ich bitte die Kinder das Spielzeug auf dem Spielplatz einzuräumen? Wirbelwind tut es ganz artig und Wölkchen trotzt erneut „will ich aber gar nicht!“ und setzt sich schmollend auf die Bank. Ich bringe die beiden Mäuse ins Bett. Wirbelwind legt sich ins Bett und schläft ein. Wölkchen wälzt sich auf dem Boden und jammert (ihr könnt es euch sicherlich schon denken) „will ich aber gar nicht!“. Stellt Euch diese Reaktionen nun bei beliebig anderen Situationen vor und Ihr könnt Euch ein Bild davon machen, wie unsere Tage so aussehen.

Zwei Kindern gerecht werden

Mit einem Kind würde sich diese Situation ganz schnell lösen. Wirbelwind alleine würde aufräumen und wir würden zum nächsten Tagesgeschäft übergehen. Wölkchen alleine, würde sagen, dass sie es nicht möchte und ich würde für sie aufräumen oder mir mehr Zeit beim Zubettbringen lassen. Beide gleichzeitig, das geht aber eben nicht. Denn am Ende ist Wirbelwind die Leidtragende. Denn sie räumt auf bzw. zusammen und kommt anschließend klagend zu mir: „Warum muss ich eigentlich immer alles alleine machen?!“. Und sie ist diejenige, die beim Zubettbringen zu Kurz kommt, weil Wölkchen zum dritten Mal aus dem Zimmer gelaufen kommt und von uns eine Extrabehandlung verlangt.

Am Ende des Tages ist es immer Wölkchen, die eine Portion mehr Aufmerksamkeit erhält, weil sie weniger kooperiert. Da stimmt doch was nicht! Dass ich anschließend Wirbelwind sage, wie schön ich es fand, dass sie es gemacht hat und wie doof ich das fand, dass ihre Schwester hier nicht mitmacht, das versöhnt nur kurz. Auf lange Sicht merkt auch sie das Ungleichgewicht. Und das frustriert.

Was kann ich hier tun? Eine extra Belohnung (außer das Lob) zu geben, nur weil Wirbelwind brav mitmacht oder Wölkchen in irgendeiner Form dafür zu bestrafen, dass sie ihren eigenen Kopf hat, halte ich für keine gute Lösung. Aber darüber hinaus bin ich echt mit meinem Latein am Ende. Daher meine Frage an Euch:

Was kann ich dagegen tun? Wie kann ich die Kinder dazu bringen, in ähnlicher Weise zu kooperieren, damit gar nicht erst ein Ungleichgewicht entsteht? 

Oder wie gleiche ich das Ungleichgewicht wieder aus, damit sich die Kooperative nicht benachteiligt fühlt?

Eure Wiebke

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Wenn Geschwister unterschiedlich stark kooperieren

1 Comment

  1. 27 Mai 2018 at 12:22 am

    Hallo Wiebke,

    Diese Situationen und deine Gedanken kenne ich nur zu genau. Bei uns gibt es auch immer wieder diese Situationen und auch ich hadere immer mit mir, ob nicht ein Kind zu kurz kommt.

    Ich versuche meist in anderen Momenten Gerechtigkeit bei meiner Aufmerksam für die Kinder herzustellen.
    Wenn ein Kind1 alleine aufräumt und ich nur Kind2 helfen muss, habe ich ja noch etwas Zeit um mit Kind1 etwas alleine zu machen und sei es nur gemeinsam den Abendbrottisch zu decken und dabei über den Tag zu reden.
    Ein paar weitere Strategien um mehreren Kindern gerecht zu werden, habe ich auch schon auf dem Blog zusammen gefasst. https://mamamaus.de/wie-kann-man-mehreren-kindern-gerecht-werden/
    Vielleicht ist der ein oder andere Tipp für dich dabei.

    Viele Grüße
    Mama Maus

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