Mutter-Kind-Kur auf Usedom – ein Erfahrungsbericht

Mutter-Kind-Kur in Usedom - ein Erfahrungsbericht in Zeiten von Corona

Internet! Wer mir über Instagram oder Twitter folgt, der hat schon ein wenig von unserer Mutter-Kind-Kur mitbekommen, die gestern geendet hat. Leider war das Internet in der Klinik ziemlich schlecht und teuer. Daher habe ich mich dazu entschlossen, Euch einfach rückblickend von der Kur zu erzählen. Ich werde dazu die Bilder und Texte, die ich auf Instagram geteilt habe, nutzen. Wer die Bilder in voller Größe sehen möchte, darf gerne in der rechten Leiste auf die Instagram-Bilder klicken.

Allgemeines

Vom 5. bis 26. August waren wir in Usedom zur Kur. Wo genau wir dort waren, das möchte ich hier nicht sagen, ich teile es Euch aber gerne persönlich mit, wenn Ihr mich anschreibt.

Das Wetter war bombastisch. Bis auf die letzten zwei Tage, an denen es kälter und regnerischer wurde, hatten wir strahlenden Sonnenschein. Und während ganz Deutschland unter einer Hitzewelle jammerte, gingen bei uns die Temperaturen nicht über 30 Grad. Das Timing war also wundervoll.

Bildertagbuch

4. August (Dienstag)

Ready for „Kur“. Morgen geht es los. So sieht das gesammelte Werk jetzt aus. In den Highlights (Instagram) gibt es auch einen Einblick in meinem Koffer.
Ich bin gespannt, was uns erwartet. Irgendwie kann ich es immernoch nicht glauben, dass es in diesem Zeiten tatsächlich klappt. Mal sehen, was tatsächlich an Maßnahmen angeboten werden kann, und was hygienebedingt ausfällt.
Auf die 5 Stunden Fahrt freue ich mich nicht so. Aber da muss ich eben durch. Das Wetter soll die nächsten Tage ja gut mitspielen.

6. August (Donnerstag)

Den ersten „richtigen“ Kurtag haben wir für heute überstanden. Mich stresst es aktuell noch mehr, als dass es mich entspannt. Die Termine sind teilweise sehr eng gelegt, auch wenn mir schon mehrmals versichert wurde, dass es in Ordnung ist, nicht alles, was auf dem Therapie – Plan steht, wahrzunehmen.
Unabhängig von diesem Plan haben wir auch schon den Indoorspielplatz erkundet und den Kletterpfad im Wald. Für Strand ist es aktuell zu heiß, das holen wir vielleicht nach dem Abendbrot nach.
Mir gefällt es hier gut. Die ruhige Lage ist wundervoll. Ich habe gut geschlafen, und das ist schon viel wert. Jetzt muss ich nur noch lernen zu entspannen und die Zeiten nicht zu genau zu nehmen.

Tag zwei haben wie am der Ostsee ausklingen lassen. Am fast leeren Strand haben die Kinder noch etwas herumgetobt, ehe wir uns den Sonnenuntergang angesehen haben.
Ein schönes Ende, und die Kinder fielen quasi in ihr Bett.
Viel Zeit für mich habe ich aktuell allerdings nicht. Entweder habe ich Programm, oder die Kinder sind bei mir. Ich hoffe das wird sich noch ändern. Ich bin gespannt auf meinen neuen Therapieplan nächste Woche.

7. August (Freitag)

Tag drei der Kur. Frühstück, Thalasso am Strand, dann eine Infoveranstaltung, anschließend Mittagessen und Arztgespräch. Fertig für die Woche. Am Wochenende erfolgt individuelle „Klimatherapie“.
Doch die Freude währte nur kurz. Denn als wir am Nachmittag nur kurz mit dem Auto einkaufen fahren wollten, sprang es nicht an. Na toll. Eine Innenraum-Lampe war scheinbar die letzten drei Tage an. Der ADAC war erstaunlich schnell da und gab Starthilfe. Jetzt mussten wir umplanen, weil das Auto eine halbe Stunde an bleiben musste, um die Batterie wieder zu füllen. Deshalb ging es spontan zu Karls Erlebnis-Dorf nach Koserow. Genau die richtige Entscheidung. Die Kinder hatten Spaß und das Auto sprang sogar auf dem Rückweg wieder an.

9. August (Sonntag)

Ausgeklügelte Schach – Strategie: alle Bauern zwei Felder nach vorne.
Danach ging es allerdings nicht so lustig zu. Nach einem wunderschönen Tag am Strand im Nachbarort haben wir den letzten Bus verpasst (also genau genommen waren wir pünktlich, der Bus aber zu früh). Der Tag endete mit einem 45-minütigen Marsch zur Kurklinik. Aber zum Abendbrot haben wir es noch geschafft.
Weil mein Fuß noch lädiert ist, war es leider sehr belastend für mich. Heute schmerzt nun mein Knie. Ich werde wohl kränker wach Hause gehen, als ich her gekommen bin.

10. August (Montag)

Kuscheln am Strand. Die Sonne war warm, aber der Wind frisch. Zumindest bescherte er wundervolle Wellen, die die Kinder mit Begeisterung nahmen.
Stürmisch und auch meine Gefühle gerade. Einerseits bin ich froh hier auf Kur zu sein, bei tollem Wetter mit wundervollen Kindern. Ich habe nur wenige Kurse am Tag und viel Zeit für die Kinder (nicht für mich). Andererseits fühle ich mich etwas einsam gerade. Ein paar nette andere Mütter und Väter sind da (sogar ein Vater aus meiner Heimatstadt). Aber ich scheine die einzige von denen zu sein, die nicht raucht. Und während sie qualmend den neusten Tratsch, ihre Vornamen und was weiß ich austauschen, erfahre ich alles zum Schluss.
Zumindest waren die Kinder gestern Abend eine ganze Stunde alleine draußen auf dem Spielplatz, so dass ich wenigstens abends mal durchatmen konnte.

11. August (Dienstag)

Komischer Tag.
Früh halb in stand der Mann vor der Tür. Er war nachts von zu Hause losgefahren, um uns für einen Tag zu besuchen. In die Kurklinik durfte er nicht rein, verständlich. Wir ändern uns dann einen schönen Tag am Strand gemacht. Die Kinder habe ich aus der Betreuung genommen. Wir haben im Ort gefrühstückt und sind dann an den Strand. Leider war es sehr windig, so dass sie Kinder nicht richtig ins Wasser durften. Später war sogar komplettes Badeverbot.
10 Uhr musste ich zu einem Termin in die Einrichtung. Auf dem Weg begegnete mir eine Erzieherin, die sich wohl ordentlich wunderte, wo dem meine Kinder sind.
Außerdem stand heute Aquajogging auf dem Programm. 12 Uhr war ich wieder am Strand. Gemeinsam mit Mann und Kindern sind wir wieder zurück, um Mittag zu essen (ohne Mann, der wartete im Auto). Ein ganz schönes Hin und Her.
Während die Kinder beim Turnen waren, hatte ich dann noch eine Sonderinformstionsveranstaltung zur Coronalage. Auf Grund aktueller Zahlen herrscht ab morgen Mundschutzpflicht im Haus. Während ich dachte „na endlich“, überlegten andere Mütter vorzeitig abzureisen.
Außerdem wird bei uns Patienten ab sofort jeden Morgen vor dem Frühstück Fieber gemessen. Auch hier gab es Proteste, dass dies bei den Mitarbeitern nicht gemacht wird.
Ihr seht, hier ist einiges los. Ich bin gespannt, wie die Änderungen umgesetzt werden. Erstaunt hat mich jedoch, wie kritikfreudig hier die anderen sind.
Ach so: mit dem man waren wir dann nochmal am Strand, was allerdings badetechnisch schwierig war, auf Grund des sturmbedingten Badeverbotes. Ich denke meinem Mann hat es trotzdem gefallen. Es war schön, wenigstens ein paar Stunden „komplett“ zu sein.

12. August (Mittwoch)

Eine Woche sind wir nun auf Kur. Heute reisen die neuen Patienten an. Verrückt, wie die Zeit vergeht.
Wölkchen tut sich immer noch schwer mit der Kinderbetreuung. Das liegt wohl auch daran, dass die Kinder jeden früh zum Strand gehen. Das viele laufen mag sie ja gar nicht. Auch fällt es ihr schwer eine Bindung zu den Erzieherinnen aufzubauen. Ich denke es liegt aber auch daran, dass sie Erzieherinnen hier etwas auf Distanz gehen. Kann ich auch verstehen, wenn ich weiß, dass ich das Kind nach drei Wochen wahrscheinlich nie wieder sehe.
Nun denn. Dieses Bild hat sie mir heute vor dem Mittagessen gemalt. Das bin ich, mit Krone, versteht sich. Designerschuhe hat sie mir anschließend noch dran gemalt.
Ich selber bin heute sehr entspannt. Ein Spaziergang am Strand mit netter Gesellschaft, eine Traumreise und eben noch Entspannungsübungen. Läuft.
Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist leckeres Essen. Das geht hier leider gar nicht.
So, nun aber ab zum Strand. Mal sehen, ob sie das Badeverbot aufgehoben haben.

13. August (Donnerstag)

Auf dem Blog könnt ihr lesen, wie unsere Kurklinik mit der steigenden Zahl an positiv getesteten in Deutschland umgeht (oder auch nicht). Diese Masken spielen leider seid zwei Tagen wieder eine tragende Rolle. Viel mehr hat sich allerdings nicht geändert. Aus meiner Sicht nicht genug. Viele PatientInnen hier haben Angst, dass es zu einer Infektion kommt und die ganze Klinik unter Quarantäne gestellt wird.

14. August (Freitag)

Mit Prosecco am Strand. In der Kurklinik ist ja striktes Alkoholverbot. Und so recht finde ich auch niemanden, der mit mir abends mal zusammen sitzt zum Quatschen. Also habe ich mir heute aus Trotz einen Prosecco gegönnt. Zuvor haben wir Brombeeren gepflückt, einen neuen Spielplatz kennen gelernt und ungewollt einige Kilometer zurück gelegt. Morgen gehen wir das Ganze entspannter an. Da gibt es einen Strandtag. Das Gute: wir umgehen das Mittagessen in der Kureinrichtung.

 

15. August (Samstag)

Bergfest. Eineinhalb Wochen liegen hinter uns. Irgendwie verging die Zeit dann doch schneller als gedacht.
Ich fange an hier allmählich anzukommen. Heute waren wir den ganzen Tag am Strand. Die Kinder haben zusammen mit einer „Kurfreundin“ gespielt und ich ein Buch gelesen. Es war äußerst entspannt, auch Diakon, weil sie Mutter der Freundin Perlenketten mit dem Kindern gebastelt hat. Was man eben so an einem Strandtag bei sich hat.
Nur der Heimweg war weniger entspannt, weil Wölkchen gerne am Wasser bleiben wollte.

17. August (Montag)

Zum dritten Mal sind wir inzwischen hier in Karls Erlebnis-Dorf [Werbung].
Nachdem wir das erste Mal die Raupenbahn gefahren sind, war heute der Traktor dran.
Zuvor hatte ich heute Wirbelsäulengymnastik und Wirbelwind ein spezielles Sole-Öl-Bad für ihre Haut. Diese sieht wirklich so wunderschön aus, wie noch nie (und das ist nicht übertrieben, sie hat ja rote Flecken seit dem Säuglingsalter). Aktuell ist nichts zu sehen. Nur schade, dass man weiß, dass es nicht lange so bleiben wird. Wahrscheinlich sollten wir einfach ans Meer ziehen. #nichtsleichteralsdas
Das Abendbrot haben wir sausen lassen, werden uns aber gleich noch etwas besorgen, was wir in der Teeküche warm machen können.

19. August (Mittwoch)

Gestern habe ich kaum Bilder gemacht. Deshalb muss das hier herhalten. Es entstand, als die zwei Tablet geschaut haben in der Mittagspause. Es war ein entspannter Tag. Bis auf mein Auqajogging, von dem mir jetzt noch die Handgelenke weg tun. Ich hatte Visite. Sie fiel sehr knapp aus, weil ich mit meinem Therapieplan sehr zufrieden bin. Ich bemerkte auch an, dass die Haut von Wirbelwind so schön ist, wie noch nie. Es allerdings schade ist, dass es im Herbst wieder anders sein wird. Der polnische Arzt meinte daraufhin trocken: „Da gibt es nur eine Lösung: Sie müssen sich umziehen.“ Ist auch lustig hier, manchmal.
Das Essen war übrigens auch super. Ich hatte Lachs mit Fenchelgemüse.
Am Nachmittag wollten wir zum Strand, doch dann entdeckte ich etwas Seltsames am Himmel: es war weiß und verdeckte die Sonne! Nein im Ernst: gestern war es das erste Mal seit 2 Wochen richtig bewölkt. Wir sind dann doch nicht zum Stand gegangen, sondern ins Schwimmbad. Nach dem Abendessen haben wir uns in mein Bett gekuschelt und haben eine DVD angeschaut.

21. August (Donnerstag)

Trennungsschmerz.
Äußerlich ist Wirbelwinds Haut so gesund wie noch nie. Einzig die hellen Flecken in den Kniekehlen, die nicht braun werden wollen, weisen auf die zu oft verletzte Haut hin.
Innerlich wühlt Wirbelwind die aktuelle Situation jedoch sehr auf. Das eine ist die Tatsache, dass ihr Haut plötzlich so im Mittelpunkt steht. Das haben wir – abgesehen von unseren Diätversuchen vor ein paar Jahren – versucht zu vermeiden. Plötzlich ist da ein Arzt, der sie so genau begutachtet und sie sogar als reha-Kind umschreiben lassen möchte. Plötzlich sind die anderen, die wissen wollen, ob sie „nur“ Begleitung oder Therapiekind ist. Und sie zeigt mir großen Augen auf ihre Armbeugen, an denen allerdings gerade nicht viel zu zeigen ist. #Neurodermitis ständig im Bewusstsein.
Das andere, was ihr zu schaffen macht, ist die Unbeständigkeit, insbesondere jene der Freundschaften. Am Dienstag ist ihre liebste Spielkameradin abgereist. Wir haben es versäumt Kontaktdaten auszutauschen. Was bleibt ist ein kurzer Brief, den die Freundin zum Abschied vor unsere Tür gelegt hat.
Gestern Abend weinte sie sich, Brief fest umklammert, in den Schlaf. Es bricht mir das Herz zu sehen, wie sensibel sie auf solche (ich nehme es mal) „Unruhe“ in ihrem Leben reagiert. Sie hat eben eine dünne Haut, in jeder Hinsicht.

Noch fünf Tage. Aber irgendwie war es heute schon ein bisschen wie Abschied. Denn es soll kühler werden die nächsten Tage. Und vielleicht war es heute unser letzter Strandtag. Schon komisch. Die letzten 16 Tage vergingen tatsächlich wie im Flug. 5 sind noch vor uns. Naja, 4 plus Abreise, wenn man es genau nimmt.
Ich werde die Zeit als sehr schöne Zeit in Erinnerung behalten, so viel steht fest. Die KURse (kleines Wortspiel, hihi) haben Spaß gemacht, die Freizeit konnte man sich hier sehr schön gestalten.
Und sogar das Essen, welches die erste Woche echt furchtbar war, ist besser geworden. Ich vermute ja, dass der Chefkoch da noch im Urlaub war.
Ich bin den Kindern näher gekommen, ohne dass wir uns zu sehr auf die Pelle gerückt sind. Das war auch deshalb möglich, weil sie hier viele Spielkameraden gefunden haben und es nicht gescheut haben Kontakte zu knüpfen. Und es lag auch daran, dass ich den Kindern mehr Freiräume gegeben habe, als der Klinikleitung vielleicht lieb war.
Am Wochenende wollen wir die Gegend ein wenig erkunden, nach Peenemünde zum Beispiel. Ich bin gespannt.
So, nun aber erst mal gute Nacht. Die Mäuse schnorpseln bereits vor sich hin.

22. August (Samstag)

Heute haben wir den Norden der Insel Usedom erkundet, waren in Trassenheide im „Verkehrtherum-Haus“, wie wir es nennen, und anschließend noch in Peenemünde in der Phänomenta. Dort ist auch das Bild entstanden. Denn witzigerweise gab es dort neben vielen physikalischen Phänomenen zum Anfassen auch eine Boulderwand.
Leider verlief der Ausflug nicht so glatt, wie gehofft. Zunächst sind wir ewig gefahren, ehe wir da waren, weil es extrem voll auf dem Straßen war. Dann standen wir voller Vorfreude vor dem Haus, ich mit dem Plastik-Geld in der Hand, und dann hieß es, es gehe nur Bargeld. Also sind wir in den Ort reingefahren, um einen Automaten zu suchen (und meinen Handyempfang). Automat gefunden und kostenpflichtig abgehoben, 100 Euro Schein erhalten und wieder gebangt, dass sie den nicht wechseln können, zurückgekehrt und dann doch Eintritt erhalten. Puh. Meine Ruhe war dann mal weg.
Das Haus war dann doch kleiner als gedacht, und weil man von außen nicht sah, wie viel Leute schon drin waren, waren es am Ende deutlich mehr als 10, wie eigentlich am Eingang gefordert. Daher waren wir am Ende schneller wieder draußen, als gedacht. Ein paar schöne Bilder sind dennoch entstanden. Und die Kinder waren begeistert.
Insgesamt war es ein gelungener Ausflug, aber platt bin ich jetzt trotzdem.

24. August (Montag)

Ein verwackeltes Foto, mehr kann ich euch nicht bieten heute. Aber von unserem vorletzten Tag zur Mutter-Kind-Kur kann ich euch dennoch berichten.
Heute früh schien tatsächlich noch die Sonne. Ich bin mit meiner Thalasso-Gruppe am Strand gelaufen. Ein letztes Mal. Dann hatte ich das Abschlussgespräch mit dem Arzt. Er fragte mich, ob ich mein Ziel „Entspannung“ erreicht hätte. Ich antwortete wahrheitsgemäß „Sicherlich, ich bin entspannter. Aber ich merke, dass es mich zunehmend belastet die ganze Zeit so eng mit den Kindern zu leben. Es wird Zeit, dass ich nach Hause komme.“ Der Arzt schaute mich daraufhin verstört an, scheinbar hat das noch niemand vor mir gesagt. Was verwundert, denn allgemein berichten die Anderen auch, dass allmählich ein Lagerkoller bei Kind und Elter einsetzt. Die Kinder sind seit drei Tagen so dermaßen überdreht, sind ständig am Gackern, Herumhampeln und Quatsch machen. Und meine Geduld schwindet von Tag zu Tag. Ich bin froh, dass wir am Mittwoch wieder fahren.
Das Wetter macht uns den Abschied leicht. Am Nachmittag fing es an zu regnen. Deshalb haben wir das Schwimmbad genutzt. [Hier gibt es auch etwas Neues zu berichten]
Abends haben wir das Abendbrot geschwänzt und sind mit einer anderen Mutter und ihrem Kind in ein Restaurant gegangen. #mussauchmalsein
Im Zimmer haben wir noch Karten gespielt. Als Wirbelwind aus dem Gähnen nicht mehr heraus kam, habe ich die beiden ins Bett gesteckt. Und sie haben tatsächlich vor 21 Uhr geschlafen. Voll krass!!

25. August (Dienstag)

Koffer packen. Inzwischen kann ich es kaum noch erwarten zu gehen. Die Gruppe, die letzten Mittwoch angereist ist, bringt mich immer wieder zum verzweifeln.
Wahrscheinlich weil die Ferien vorbei und die Schüler wieder in der Schule sind, sind besonders viele Babys und Kleinkinder darunter. Und es ist jetzt echt laut in den Gängen. Hinzu kommt, dass sie die Regeln besonders wenig verfolgen. Eine Mutter macht aus einem kurzen Kneipp-Wassertreten ein 5-minütiges Badevergnügen. Sie stürmen das Schwimmbad und ignorieren meinen Hinweis, dass maximal 5 Personen in das Becken dürfen. Sie desinfizieren sich ihre Hände am Eingang des Essensraum nicht. Sie tragen die Mund-Nasenbedeckung als „Nase-hat-heut-Ausgang-Bedeckung“. Und ganz empfindlich wurde ich heute ja, als ein Kind am Buffet seine Finger abgeleckt hat. Obwohl ich es darauf hingewiesen habe, dass es mit der Hand nichts mehr von Buffet nehmen soll, ließ es sich nicht beirren. Die Mutter saß bereits am Platz und bekam nichts mehr davon mit.
Bin ich froh, wenn ich hier gesund aus der ganzen Sache heraus komme.

Resümee

Im Reflexionsbogen der Klinik wird gefragt, wie wahrscheinlich es ist, dass ich sie weiterempfehlen würde. Ich habe 20 Prozent angekreuzt. Das ist nicht viel, aus mehreren Gründen.

1. Die Klinik liegt etwa 10 Gehminuten vom Strand entfernt. Das hat mir nichts ausgemacht, denn ich wusste es ja bereits im Vorfeld, als ich nach einer passenden Klinik gesucht habe. Allerdings habe ich nicht bedacht, dass Wölkchen nicht so gerne läuft. Ansonsten war die Lage super, weil sie – dank der Entfernung zum Strand – sehr ruhig lag und ich so wunderbar schlafen konnte, zumindest was die Geräuschkulisse anging.

2. Die Klinik ist nicht superklein, aber auch nicht riesig. So mittel, würde ich sagen. Ich weiß nicht, ob das ein Grund dafür sein kann, dass ich das Gefühl hatte, wir wurden alle über einen Kamm geschert. Individuelle Therapien und Gespräche wurden auf ein Minimum begrenzt. Die Gruppentherapien waren super und haben Spaß gemacht (Wirbelsäulengymnastik, Aquajogging, Thalasso am Strand, Entspannungstherapie). Allerdings schien es den Ärzten und Pädagogen egal zu sein, wie es uns dabei geht. Wichtig war nur, dass der Arzt sein Häkchen bei „Therapieziel erfüllt“ setzen konnte. Eine Pädagogin meinte sogar in der Einführung: „Wenn Sie eine Therapie nicht machen wollen, dann müssen sie das nicht. Es ist alles bezahlt, es ist ihre Entscheidung, ob sie dort hingehen oder nicht.“ Sie wollte damit argumentieren, dass wir uns nicht unnötig Stress machen sollten, indem wir von einem Termin zum anderen hetzen. Aber es klang schon sehr viel Gleichgültigkeit heraus. In den zwei Arztgesprächen, die ich in der zweiten und dritten Woche hatte, wollte der Arzt auch nicht meinen Therapieplan sehen, um zu schauen, welche Therapien ich tatsächlich wahrgenommen habe. Eine mündliche Bestätigung über mein tolles Wohlergehen haben völlig gereicht. Psychologen gab es nicht.

3. Das Essen war die erste Woche echt furchtbar. Alle Soßen waren maßlos versalzen, das Essen einseitig, verkocht und echt nicht genießbar. Seltsamerweise änderte sich das nach 10 Tagen. Meine Theorie ist, dass der Koch im Urlaub war und nun endlich wieder das Ruder an sich gerissen hat. Auch zum Abendbrot gab es nun mal andere Aufschnitte und sogar Räucherfisch.

4. Gerade zu Corona-Zeiten war das Hygienekonzept eher minder ausgereift. Ich hatte dazu bereits einen gesonderten Beitrag geschrieben. Das Buffet stört mich besonders. Hier bedienen sich Eltern und Kinder, und gerade letztere können Hygieneregeln schwer einhalten (siehe Text zum Kofferbild). Wenn schon ein Buffet angeboten wird, müsse aber doch zumindest Personal abgestellt werden, das auf die Hygiene achtet!

So, jetzt habe ich mich ganz schön in Rage geschrieben. Neben diesen Kritikpunkten war es nämlich eigentlich ganz schön. Gerade weil ja so schönes Wetter war, waren wir viel unterwegs. Man darf eben von der Einrichtung nicht zu viel erwarten. Manchmal war es ja auch ganz gut, dass man viel Freiräume hatte. Zurück im Alltag werde ich allerdings – außer den Rückenübungen – nicht viel mitnehmen. Entspannungstechniken und Stressbewältigung im Alltag habe ich hier nicht gelernt (außer eine Traumreise-CD einzuwerfen). Ich werde sehen, wie lange der Erholungseffekt anhält. Ich tippe auf 3 Tage. Denn die Schulvorbereitung und das Lernen für meine Prüfungen werden mich wohl schnell wieder in den Alltag zurückkatapultieren.

Dennoch würde ich jedem eine Mutter-Kind-Kur empfehlen. Es gibt neue Impulse und evtl. sogar Freundschaften. Wer ein abwechslungsreiches und individuelles Programm möchte, ist aber vielleicht in einer größeren Einrichtung besser aufgehoben.

Eure Wiebke

1 Comment

  1. 1 September 2020 at 9:49 am

    Super Beitrag. Usedom ist wunderschön. Schade das dass essen 10 Tage lang nicht so toll war :/

Ich freue mich über einen Kommentar

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