Mutter-Kind-Kur zu Zeiten von Corona

Mutter-Kind-Kur in Zeiten von Corona

Derzeit bin ich zur Mutter-Kind-Kur auf Usedom. Die zweite Woche ist nun angebrochen und ich habe mir einen Tag WLAN gegönnt, um Euch von hier zu berichten. Mein Datenvolumen ist leider schon aufgebraucht und so bin ich in den Social-Media-Kanälen nur sporadisch unterwegs. Hier möchte ich euch nun berichten, wie die Kur in Zeiten von Corona läuft und was mich irritiert und auch ein wenig wütend macht.

Die Ankunft

Als wir am Mittwoch vor einer Woche hier ankamen, war es zunächst wie erwartet. Es gab für uns Neuankömmlinge einen separaten Eingang. In einem abgetrennten Raum wurden wir von einem Arzt auf Symptome untersucht. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir drei (Wirbelwind, Wölkchen und ich) noch unsere Masken auf, weil mir das nur logisch erschien. Als wir die Einlasskontrolle bestanden haben, durften wir in den Eingangsbereich gehen. Dort starrten uns alle Personen verwirrt an. Ich sah auch gleich wieso: niemand trug eine Maske. Also fragte ich an der Rezeption nach, wie es hier mit der Maskenpflicht gehandhabt wurde, und mir wurde meine Vermutung bestätigt, dass wir im Haus keine Masken zu tragen brauchten. Okay. Etwas seltsam war mir schon. Aber andererseits fand ich es für die Kinder auch gut, dass sie sich hier frei bewegen durften. Eine Sozialpädagogin bestätigte am nächsten Tag beim Informationsgespräch, dass dies eine private Einrichtung sei und es uns deshalb frei steht, ob wir die Masken tragen wollen oder nicht. Es wird niemand verpflichtet.

Diese Lockerheit empfing mich auch beim Buffet. Zwar waren wir angehalten, am Eingang zum Essensbereich unsere Hände zu desinfizieren, kontrolliert hat das aber niemand. Beim Buffet selbst kann jeder auf alles zugreifen. Wir benutzen dieselbe Wurst- und Käsezange, dieselben Löffel und Zangen, die im Salat stecken. Wenn einer das Corona in die Klinik trägt, dann haben wir es alle. Die Tische stehen viel zu dicht aneinander.

Verschärfung der Regelungen

Vor zwei Tagen dann erhielten wir eine neue Information. Nach Rücksprache mit dem Landesgesundheitsamt besteht ab sofort (seit gestern, zum neuen Anreisetag) Maskenpflicht im Haus. Zunächst galt es für alle Personen ab 10 Jahren. Gestern revidierten sie ihre Aussage und verschärften das Ganze auf 6 Jahre. Das bedeutet nun, dass auch Wirbelwind mit Maske herumlaufen muss, AUCH währen der gesamten Kinderbetreuung, wenn sie drinnen sind! Da gewinnt das Wort „Klimatherapie“ doch gleich eine ganz andere Bedeutung.

Zum Frühstück wird am Einlass kontaktlos Fieber gemessen. Sollte jemand fiebrig sein (ab 37,7°C), würde er sofort auf seinem Zimmer isoliert werden, um die Ursache abzuklären. Klingt nachvollziehbar. Im Speiseraum muss ebenfalls die Maske getragen werden und darf erst am Platz abgenommen werden (ich erinnere: die Tische sind weiterhin viel zu dicht gestellt).

Im gleichen Atemzug erklärte der Arzt jedoch, dass Symptome wie Husten und Fieber nur bei vielleicht 70 Prozent der Leute auftreten, und es keine absolute Sicherheit gibt, dass man gesund ist. Daher die Maskenpflicht.

Interessanterweise wurde die Vorgehensweise beim Buffet nicht geändert. Auch weiterhin greifen alle drei Essensgruppen auf das gleiche Besteck zu. Nicht einmal ein Austausch nach einem Essensdurchgang wird vorgenommen. Und wieder sag ich: Wenn einer das Corona in die Klinik trägt, dann haben wir es alle.

Auch die Therapiegruppen werden übrigens fast unverändert durchgeführt. Im Schwimmbad dürfen sich eigentlich maximal 5 Personen aufhalten. Heute zum Aquajogging waren wir 7. Konsequent ist was anderes. Zudem sind wir ständig in anderen Gruppen zusammen: Wirbelsäulengymnastik am Dienstag waren mit fast komplett anderen Personen, als heute. Aquajogging ebenfalls. Ständig wechseln wir die Gruppenmitglieder, und in den Therapien selber nehmen wir die Masken ab.

Das Corona-Damoklesschwert

Aber das, was viele von uns hier am meisten stört ist die Tatsache, dass in Bayern gerade ein ziemliches Durcheinander wegen der Corona-Test herrscht. 900 positiv getestete wissen noch nichts von ihrem Glück. Und gestern zum Anreisetag waren einige aus Bayern dabei.

Wenn das hier so weiter geht, dann sitzen wir hier noch in Quarantäne fest. Sicherlich male ich das Ganze jetzt etwas schwarz. Aber ich sage mal so: viel gemacht wird nicht, um genau dieses Szenario zu vermeiden.

Nun ja, bis es soweit ist, versuche ich das Kopfkino auszuschalten und die schönen Tage hier zu genießen. Zumindest das Wetter ist ganz wunderbar. Sonnenschein und angenehme Temperaturen, währen der Rest von Deutschland vor sich hin brutzelt. In einem separaten Beitrag werde ich von der Kur und seinen Therapien berichten.

Aber für heute war es das. Bleibt gesund.

Eure Wiebke

3 Comments

  1. Kristina Sie.
    Antworten
    13 August 2020 at 7:44 pm

    Das klingt alles relativ locker. Ich war Anfang Juni zur Kinderreha in Niedersachsen. Da war alles sehr streng geregelt. Maskenpflicht in allen Therapiegebäuden und beim Abholen des Essens an der Küche. In den ersten 2 Wochen sollten im Gemeinschaftsraum Masken getragen werden. Keinerlei Durchmischung der Gruppen. Therapieschwimmen fand deshalb nicht statt. Ich hatte ein sehr gutes Gefühl im der Reha.
    Gute Erholung !

    • 13 August 2020 at 9:10 pm

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Das hört sich bei euch deutlich strukturierter und durchdachter an. So in etwa hätte ich es hier auch erwartet. Ich bin gespannt, wie es sich entwickelt…

Ich freue mich über einen Kommentar

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