Neurodermitis durch Glutenunverträglichkeit?

Heilpraktikerin Neurodermitis

Etwas aufgekratzt aber dennoch gut gelaunt sitzen wir im Warteraum der Heilpraktikerin. Endlich werden wir herein gebeten. Sie schaut sich Wirbelwinds Haut, ihr Gesicht und ihre Fingernägel an und stellt sehr viele Fragen zu ihren Essgewohnheiten, zum Stuhlgang und weiteren Dingen, die mir jetzt gar nicht mehr alle einfallen. Sie bestätigt mir das, was ich ich insgeheim bereits wusste: Wirbelwinds Darm und damit auch ihr gesamtes Immunsystem ist ordentlich aus dem Gleichgewicht geraten und ihre Haut schreit um Hilfe.

Wann fing es an?

Wirbelwinds Haut war schon als Baby sehr trocken. Doch die typische Neurodermitis (mit Rötungen in den Armbeugen und Kniekehlen) fing ein paar Wochen nach der Kindergarteneingewöhnung an. Die Hautärztin erklärte den Zusammenhang mit dem Stress, der durch die Umstellung auf das Kind einwirkt. Es hieße ja nicht umsonst Neurodermitis. „Könnte es auch die Milch sein?“, fragte ich noch, weil ich mich mit dieser Ohnmacht nicht zufrieden geben wollte. „Ja, das könnte sein“, war ihre Antwort. Also versuchten wir es und ließen ein Jahr lang alle Milchprodukte weg, zeitweise verzichteten wir sogar komplett auf Milcheiweiß. Und? Es tat sich nichts. Die Arme und Beine blieben rot.

Die Behandlung beim Hautarzt

Pricktest bei Neurodermitis - AllergietestDie behandelnde Hautärztin fokussierte sich auf die Folgen der Neurodermitis, nicht auf die Ursachen. Das heißt Cremes, darunter auch Kortison, wurden verschrieben. Mehr nicht. Auf unser Bitten hatten wir vor inzwischen fast zwei Jahren (Wirbelwind war drei Jahre alt) einen Pricktest durchführen lassen. Der Pricktest ist ein Allergietest, der auf der Haut der betroffenen Person durchgeführt wird (siehe Bild). Das Ergebnis war ernüchternd, denn nichts schlug an. Angeblich zeigte Wirbelwind keinerlei Reaktion auf eine Lebensmittelgruppe. Enttäuschung machte sich breit, weil wir so sehr darauf hofften, endlich eine Antwort zu erhalten.

Nach dem Pricktest gaben wir auf. Wir beschlossen, dass Wirbelwind nun alles ganz normal wieder mitessen durfte. Wenn angeblich kein Lebensmittel Schuld daran ist, dann durfte sie auch alles Essen. Zwei Tage lang hatte sie Durchfall, dann hatte sich alles wieder reguliert. Willkommen Joghurts, Käse und Co.

Nun ist Wirbelwind fast fünf Jahre alt und lebt bereits seit dreieinhalb Jahren mit der Neurodermitis. Dreieinhalb Jahre, in denen sie immer wieder Kortison von uns auf die roten Stellen gecremt bekommt. Das allein ist schon frustrierend genug. Doch nun, seit diesem Winter breiten sich die Rötungen weiter aus. Nun sind auch die Augen, der Hals, die Achseln, die Handgelenke und Finger betroffen. HILFE!

Die Herangehensweise beim Heilpraktiker

Durch Freunde und Bekannte haben wir erfahren, dass eine Ernährungsumstellung geholfen hat und auch in unserem Falle helfen könnte. Doch immer wieder waren wir irritiert, weil der Pricktest ja unauffällig war. Dann erzählte mir jemand, dass ein Mann seine Neurodermitis in den Griff bekam, weil er auf Gluten verzichtete, obwohl er darauf gar nicht allergisch war. Ich horchte auf und überlegte, ob das auch auf Wirbelwind passen könnte. Eine Heilpraktikerin sollte hier Auskunft geben.

Die Herangehensweise der Heilpraktikerin war ganz anders, als die der Ärztin. Sie schaute auf die Ursachen, nicht auf die Folgen. Cremes brauche man bei ihr nicht, sagte sie, weil allein die Nahrungsumstellung eine Besserung mit sich bringe. Für alles andere reiche Olivenöl oder spezielle Salze.

Nahrungsumstellung. Ja, das wird wohl der Weg sein. Aber warum sollen nun doch Lebensmittel Schuld sein, wenn doch angeblich keine Allergie vorliegt? Die Heilpraktikerin klärt auf: es gibt auch Allergien (Typ 3), die erst 72 Stunden NACH dem Verzehr des allergieauslösenden Lebensmittels Reaktionen im Körper nach sich ziehen. 72 Stunden! Da ist der Pricktest bereits längst abgeschlossen. Dieser kann daher auch nur Allergien von Typ 1 aufdecken, die sofort nach Verzehr auftreten. Nur weil der Pricktest unauffällig ist, heißt es nicht, dass keine Unverträglichkeiten bzw. Allergien vorliegen. Wieder was gelernt! Das Problem bei Allergien von Typ drei ist nun, dass die ursächlichen Lebensmittel auf Grund der zeitverzögernden Wirkung kaum lokalisierbar sind. Daher kann man nur durch Versuch und Irrtum schauen, ob sich das Hautbild bessert, wenn man bestimmte Nahrungsmittel weglässt.

Was sind mögliche Folgen von Allergien Typ 3?

Was passiert, wenn wir nicht eingreifen? Die Allergien, die sich so schleichend im Körper ausbreiten, weil sie keine sofort sichtbaren Reaktionen hervorrufen, sind besonders fatal. Immer weiter reagiert der Körper auf die Angriffe. Entzündungen unterschiedlicher Gewebe und Organe sind die Folge, wie Schleimhäute des Verdauungstraktes, der Gelenke und der Haut. Das zeigt sich dann in möglichen Symptomen wie Durchfall und Blähungen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Diabetes, Rheumatische Erkrankungen oder Neurodermitis.

Wirbelwind hat eben diese Neurodermitis, häufig Durchfall (allerdings immer seltener), Husten und Kopfschmerzen. Auch klagt sie ab und an über Muskelschmerzen, die wir bislang jedoch auf das Wachstum zurückgeführt hatten.

Die Heilpraktikerin wies uns darauf hin, dass, wenn wir nichts unternehmen, die Unverträglichkeiten bei Wirbelwind irgendwann auch Flecken auf den Fingernägeln und im schlimmsten Fall Atemwegserkrankungen nach sich ziehen werden.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Heilpraktikerin schlug vor, die Ernährung – angelehnt an den Symptomen von Wirbelwind und ihrer Erfahrung – umzustellen. Ab sofort gibt es keine glutenhaltigen Produkte mehr, Laktose sollte vermieden werden und in jedem Fall dürfen keine (extra zugesetzten) Glutamate im Essen enthalten sein. Außerdem gab sie uns Tropfen mit, die als mikrobiologische Therapie den Darm wieder sanieren sollen.

Genau das werden wir nun die nächsten Wochen tun. In drei Wochen sollte sich bereits eine Besserung zeigen. Ich werde Euch in jedem Fall auf dem Laufenden halten, ob die Therapie angeschlagen hat oder vielleicht noch andere Lebensmittel mit einbezogen (bzw. aus dem Speiseplan ausgeklammert) werden müssen. Uff, da haben wir uns was vorgenommen…

Haben Eure Kinder Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. Allergien?

Eure Wiebke

8 Comments

  1. Julia
    Antworten
    26 April 2017 at 10:26 am

    Liebe Wiebke,
    das Thema ist sehr interessant, wäre klasse, wenn du uns da weiter auf dem Laufenden hälst.
    Ich hatte meine gesamte Kindheit Neurodermitis. Immer wieder an verschiedenen Stellen, mal an den Armen, mal in den Achselhöhlen, zu schlimmen Zeiten auch im Gesicht. Meine Mum hat alles ausprobiert. Nachdem mir durch eine krasse Kortisonsalbe als 2 Jährige alle Haare ausgefallen waren versuchte sie auch die alternative Medizin (Kortison habe ich seitdem nie wieder angerührt – egal wie schlimm die Haut aussah). Aber leider konnte man dort auch nur bedingt helfen. Die Neurodermitis verlagerte sich immer wieder, im Grundschulalter wurde die Haut besser, statt dessen hatte ich aber sehr starken Heuschnupfen. In der Pubertät wurde dieser wieder etwas besser, dafür wurde die Haut wieder schlimmer. Mittlerweile bin ich 32 Jahre alt, die Haut ist fast komplett ok auch der Heuschnupfen ist nicht mehr so stark. Dafür sind noch weitere Allergien dazu gekommen und ich habe seit ein paar Jahren Probleme mit dem Magen, regelmäßig Magenschleimhautentzündungen, die mich wochenlang aus der Bahn werfen. Für mich ist klar, das hängt alles irgendwie zusammen. Aber ich komme einfach nicht dahinter, was nun wirklich dahinter steckt. Ich bin auch in regem Austausch mit Heilpraktikern, experimentiere mit meiner Ernährung, aber wie gesagt: Die Lösung hab ich auch noch nicht. Ein Ansatz, der in der letzten Allergie-Saison geholfen hat war Histamin. Wenn ich histaminhaltige Lebensmittel so gut wie möglich vermieden habe, hatte ich fast keine Symptome.

    Nun habe ich einen weiteren Grund, warum ich unbedingt rausfinden will, was mir helfen kann: Ich bin seit einem Jahr Mama eines wundervollen Sohnes. Und, du ahnst vielleicht was jetzt kommt: Seine Haut zeigt nun erste Anzeichen von Neurodermitis. Ich möchte meinem kleinen Schatz den Leidensweg ersparen, den ich gehen musste und bin dankbar für jeden Tipp.

    Liebe Grüße
    Julia

    • 26 April 2017 at 11:04 am

      Liebe Julia,
      ja genau, histaminhaltige Lebensmittel zu streichen, ist auch ein guter Ansatz. Allerdings enthalten so viel Lebensmittel Histamine, dass das schon ein sehr großer Einschnitt ist. Sich hingegen Glutenfrei zu ernähren, halte ich für deutlich einfacher zu realisieren. Darum ist das für uns nun erst einmal der richtige Weg. Ich hoffe Du findest eine Lösung. Und ich werde in jedem Fall berichten, wie es Wirbelwind die nächsten Wochen ergangen ist!
      Viele Grüße, Wiebke

  2. Steffi
    Antworten
    26 April 2017 at 8:25 pm

    Sorry, aber ich seh das etwas kritisch. Habe selber Neurodermitis, kenne also den Leidensdruck. Ernährungsumstellung kann helfen, wenn man merkt, was Probleme macht, aber wild Lebensmittel weglassen macht kaum Sinn. Lactose hattet Ihr bereits versucht, hat nicht geholfen, Glutenunverträglichkeit kann wissenschaftlich nachgewiesen werden, vielleicht kommt das im Frage, bevor Wirbelwinds Speiseplan so drastisch eingegrenzt wird?

    Klar, dass man nach Anteorten und Hilfe für sein Kind sucht, aber Du weißt schon, dass Heilpraktiker keinerlei profunde Ausbildung haben und sich nach nem Multiple Choice Test Heilpraktiker nennen dürfen? Ich finde das ist reichlich wenig gegenüber einem mehrjährigen Medizinstudium… sicher gibt es auch echte Mediziner, die mehr versuchen als Cortison.

    Wie auch immer, ich wünsche Wirbelwind gute Besserung und sei’s durch Placebo, aber ich wünsche ihr auch, so normal (gesund und ausgewogen) wie möglich essen zu können!

    • 26 April 2017 at 10:03 pm

      Vielen Dank für Deinen Kommentar und Einwand. „Wild Lebensmittel weglassen“ tun wir ja nicht. Die Nahrungsumstellung erfolgte ja auf Grundlage der Amnamnese der Heilpraktikerin, die langjährige Erfahrung aufweisen kann. Dass damals Laktoseentzug nicht half, kann auch darauf begründet sein, dass Wirbelwind eben weiterhin fleißig Gluten und Glutamat zu sich nahm. Da hilft das bisschen weniger Laktose nichts.
      Ja, Glutenunverträglichkeit kann man nachweisen. Das könnten wir auch machen, in einem teuren Bluttest. Da schien es uns aber einfacher, den Speiseplan für drei Wochen umzustellen und zu schauen, ob sich etwas ändert. Wenn sich nichts tut, dann kann man immer noch den Test machen oder andere Lebensmittel ausschließen.
      Ich selber bin auch ein sehr kritischer Mensch und mache solche Veränderungen nicht einfach so. Ich werde viel Wert darauf legen, dass sich Wirbelwind dennoch vielfältig und gesund ernährt und sie kritisch beobachten. Ohne Gluten kann es sich ganz gut leben. In meiner Familie wäre das nicht der erst Fall 😉 Ich werde auf jeden Fall berichten, welche Veränderungen (oder auch nicht) sich bei Wirbelwind gezeigt haben.
      Auch für Deine Neurodermitis wünsche ich Dir viel Kraft und hoffe, dass Du sie in den Griff bekommst, falls Du es noch nicht hast.
      Viele Grüße, Wiebke

  3. Marie
    Antworten
    16 Mai 2017 at 10:57 am

    Hey Wiebke,

    bei meiner Kleinen fing das mit drei Monaten schon an. Ganzer Körper schlimmer Ausschlag. Bin dann auch erst zum Dermatologen, der mir einerseits Cortison verschreiben wollte (was ich erstmal abgelehnt habe) und eine Salbe mit Dexpanthenol und Glycerol als Pflege. Hatte vorher zahlreiche Cremes durch und benutze diese jetzt noch. Die Hautreizungen waren dennoch weiter an armen (komplett) Beinen, hals, Kopf und Brust. Bin dann zu einer Heilpraktikerin und habe meine eigene Ernährung umgestellt wegen der Muttermilch- vor allem, wenn ich Eier und Milch gegessen habe hat sie reagiert (also Hühnereiweiss und Milcheiweiss). Weiter ging es mit Nüssen und Weizen. Nach und nach haben wir so die Nahrungsmittel ausgeschlossen und es wurde besser aber dennoch ging es nicht weg. Eine Stuhlprobe bei ihr hat eine völlig unterentwickelte Darmflora und hohe Entzündungswerte der Schleimhaut ergeben. Habe dann mit Bioresonanz bei ihr angefangen (da war sie ca 1/2 Jahr). Das faszinierende war, dass das Gerät eine Unverträglichkeitsliste erstellt hat und es waren genau die Lebensmittel, die ich vorher schon nach und nach ausgeschlossen hatte, weil sie eindeutig darauf reagiert hat. Ich musste leider abstillen und nun bekommt sie eine ha pre Milch, mit der sie zum Glück gut zurecht kommt. Machen jetzt seit zwei Monaten Bioresonanz mit ihr und parallel bekommt sie Symbioflor Pro um langsam ihre Darmflora aufzubauen. Ihre Haut sah zwischendurch komplett glatt aus und nun hat sie nur noch leicht raue stellen an den Handgelenken. Beikost bekommt sie bisher Gemüse und Fleisch. In ihrer schlimmsten Phase hat sich die Haut fast abgeschält und nun sieht sie so toll aus.

    • 16 Mai 2017 at 12:27 pm

      Oh das hört sich ja gut an, also dass es so gut ausgegangen ist. Vielen Dank für Deinen Erfahrungsbericht. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel über die Ernährung und den Darm reguliert wird!

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