Die Zeit rast

Wirbelwind vor zweieinhalb Jahren

Da schlürft sie im Regen vor mir her. Mein Wirbelwind. Etwas über dreieinhalb Jahre ist sie alt. Dreieinhalb. Irgendwie klingt das gar nicht viel, und doch läuft da ein so großes Mädchen vor mir. Ihre Regensachen sind noch etwas groß. Aber da wächst sie noch hinein. Viel zu schnell. Genauso wie vor zweieinhalb Jahren. Da tappste sie mit ebenfalls viel zu großen Regensachen vor mir her zum Spielplatz. Es regnete und sie trug lachend eine Schaufel mit sich. Genau diese Regensachen liegen nun auf dem Dachboden und warten auf Wölkchen, auf dass sie eines Tages darin, wie gerade noch ihre große Schwester, zum Spielplatz tappst. Und irgendwann, wahrscheinlich viel zu bald, wird Wölkchen nicht nur die Sachen vom Dachboden anhaben, nein irgendwann wird sie auch die Regensachen tragen, die Wirbelwind jetzt gerade trägt.

Meine zwei Mäuse. Drei Jahre sind sie auseinander. Heute vor drei Jahren hielt ich Wirbelwind in meinen Armen, schaute ihr bei den ersten Drehversuchen zu, genoss ihr Gackern, ihr Staunen, ihr Lachen. Ich verfolgte ihre Fortschritte, staunte über ihre Neugierde und wunderte mich über die Persönlichkeit, die da quasi aus dem Nichts plötzlich vor uns „stand“. Heute ist es Wölkchen. Und ich staune erneut, über das Bekannte, über das Neue. Drei Jahre. Unvorstellbar, wie schnell die Zeit vergeht.

Als Wirbelwind noch klein war, war ich froh über jeden Entwicklungsschritt. Raus aus dieser Abhängigkeit. Ich feierte jede Drehung, jede Krabbel-oder Stehversuche. Drei Kreuze, als die Babyzeit vorbei war. Puh, geschafft. Und nun schaue ich Wölkchen an. Auch hier dachte ich anfangs das Gleiche.
Doch nun, wo es entspannter wird, blicke ich mit ganz anderen Gedanken auf das süße Baby hinab. Auch hier ist die Freude über jeden Fortschritt groß. Während ich diese Zeilen schreibe, robbt Wölkchen fröhlich durch die Wohnung, hascht Becherchen und Luftballon und schiebt sich stönend zur Wohnzimmertür hinaus. Vor zwei Monaten hätte ich sie bespaßen müssen. Und sie schläft vormittags ihre 1 1/4 Stunde im Bett. Auch hier musste ich vor ein paar Wochen noch mit ihr durch die Kälte laufen. Nun kann ich am PC sitzen, während sie ihr Schläfchen macht. Oder saubermachen, ähm… theoretisch.
Diese neuen Freiheiten genieße ich sehr. Ich kann viel entspannter die Zeit mit Wölkchen genießen, weil sie mir immer mehr die Luft zum Durchatmen lässt, die ich brauche. Doch genau diese „Unabhängigkeit“, die sich allmählich einschleicht, wird mir irgendwann auf die Füße fallen.
Manchmal ziehen sich die Tage in die Länge und man sehnt die Zeit herbei, bis die Würmer in ihren Betten liegen. Aber dennoch ist so ein Jahr so schnell rum. Plötzlich können sie laufen – zack ein Jahr rum. Plötzlich können sie Laufrad fahren – zack zwei Jahre rum. Plötzlich können sie Fahrrad fahren – zack drei Jahre rum. Ja in drei Jahren. Da ist Wölkchen so alt wie Wirbelwind jetzt. Da wird sie genau das tun, was Wirbelwind gerade tut. Irgendwie unvorstellbar, wie dieses süße sabbernde und alles annagende Knäul selber Fahrradschlösser öffnet, sich auf ihren Drahtesel setzt und davondüst, dass ich nur noch japsend hinterherkriechen kann. In drei Jahren werde ich wohl keine Windel mehr wechseln müssen. Stattdessen werden sich die beiden darum streiten, wer das Tablet anmachen darf.
Und Wirbelwind wird in die Schule kommen. IN DIE SCHULE!!! Und wenn sie aus der Schule heraus kommt, ist sie eine volljährige Frau. Im gebährfähigken Alter. Ich könnte Oma werden. Quasi morgen! Ich glaub ich bin alt. Aber ich schweife ab. Wo waren wir? Achja: Sagte ich schon, dass die Zeit rast?
Eure Wiebke

6 Comments

  1. 13 Februar 2016 at 9:53 pm

    Da fällt mir spontan nur eine Sache zu ein: einfach noch Nummer 3 nachlegen und sich nochmals an allem erfreuen! 😀

    • 13 Februar 2016 at 10:14 pm

      Ahhhh, oh nein damit habe ich abgeschlossen! Aber als Oma kann ich das ja auch nochmal durchleben, also übermogen 😛

  2. Anonym
    Antworten
    15 Februar 2016 at 10:01 am

    Du hast mich gerade auch wieder schön ins Grübeln gebracht. Nr 2 wird bald fünf Monate. Fünf! Wahnsinn. Und Nr 1 kann seit gestern Fahrrad fahren. Ja, meine Kinder werden auch groß *seufz*. Ich werde ein bisschen wehmütig, freue mich aber auch schon auf die neuen Phasen. Geschwistererlebnisse, die Zeit, wo man die Leine etwas länger lassen kann usw. Bisher war jede Zeit mit den Zwergen auf ihre Art schön, wenn auch anstrengend. Wenn man, wenn vielleicht auch ein bisschen rosarot verschoben, die guten Momente für sich bewahrt, habe ich damit kein Problem. 😉

    Liebe Grüße,

    Calliope

    • 15 Februar 2016 at 7:46 pm

      Ja das stimmt. Ich freue mich auch auf die kommende Zeit. Und das Vergangene wird eben immer (bitter)süße Erinnerung bleiben 😉
      LG

  3. 15 Februar 2016 at 5:26 pm

    Oh ja, die Zeit rast wirklich so schnell. Der kleine Kringel lernt auch so schnell etwas Neues. Gerade vorhin bei seinem Mittagsschlaf ist mir wieder bewusst geworden, dass ich ihn vor einigen Monaten noch, wenn er müde war, ins Bett legen konnte und er liegen blieb. Er konnte sich zwar drehen, aber er tat es in dieser Situation nicht. Mittlerweile ist es so, dass er sich, wenn ich ihn ins Bett lege, er aber nur müde und noch nicht schlafend ist, auf den Bauch dreht und im Bett hin und herrobbt. Irgendwann dringt dann ein verzweifeltes "Mamaaaaa" durch die Wohnung, weil er sich bei seinen Robb-Bewegungen quer im Bett verkantet hat. Mein kleiner, liebenswerter Chaot. Es verändert sich alles so schnell. Demnächst zieht er sich an den Regalen hoch…

    • 15 Februar 2016 at 7:48 pm

      Oh das ist bei uns auch gerade so: Ein Bett ist zum Schlafen da? Ach was. Da kann man doch prima herumrollen und sich an der Seite hochziehen 😛 Das hat Wölkchen vor ein paar Tagen noch nicht gemacht. Es verändert sich wirklich alles sehr schnell!!!
      LG Wiebke

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