Wie sich die Liebe zu meinen Kindern entwickelte

Heute möchte ich Euch erzählen, wie ich die Liebe zu meinen Kindern empfinde und wie sie sich entwickelt hat. Ich möchte erzählen wie es ist, die Liebe plötzlich zu „teilen“ mit einem neuen Geschwisterchen, und ob die Liebe zu meinen zwei Kindern identisch ist. Zumindest möchte ich es versuchen. Denn es wird schwer sein die richtigen Worte zu finden. Einige von Euch haben es bereits vorgemacht und an meiner verflixten Linkparty zum Thema Mutterliebe/Vaterliebe teilgenommen. Und auch dieser Beitrag soll dazugehören.

Die Entwicklung meiner Liebe

Szene 1: Nach der Geburt von Wölkchen 

Da liegt es eng an mich gekuschelt. Das Baby. Mein Wölkchen. Natürlich will ich dir eine gute Mutter sein, denke ich. Ich will dich beschützen, behüten, dir den bestmöglichen Start in Dein Leben geben. Genauso, wie ich es vor drei Jahren auch Wirbelwind versprochen habe. Doch mein Herz sagt das nicht, es sagt der Verstand. Mein Herz denkt: Es ist nicht Wirbelwind. Es sieht so anders aus. Irgendwie hat es schon Ähnlichkeit mit der Großen, aber irgendwie ist es doch so anders. Warum konnte sie nicht etwas mehr sein wie sie? Kleinere Nase, vollere Lippen? Nicht so zerknautscht? Dann wäre es mir viel leichter sie in mein Herz zu schließen. Dorthin, wo auch Wirbelwind bereits ihren festen Platz hat. Doch sie ist so anders. So anders. So anders.

Szene 2: Ein paar Tage nach der Geburt

Wirbelwind schaut den Sandmann und ich verabschiede mich von ihr, da ich das schreiende Wölkchen in den Einschlafmarathon begleiten muss. Wirbelwind ist entsprechend ´not amused`. „Ich hab Dich lieb, mein Wirbelwind“, höre ich mich sagen. „Und weißt Du was?“ Ich beiße mir schnell auf die Zunge. Fast wäre es mir herausgerutscht. In dem Moment die absolute Wahrheit, aber wohl nichts für die Ohren der Kinder bestimmt. Fast hätte ich ihr gesagt: „Ich habe Dich tausend mal mehr lieb als deine Schwester“.

Hätte ich es ausgesprochen, ich hätte es bereut. Wirbelwind hatte drei Jahre Zeit gehabt mein Herz zu erobern. Da sollte ich Wölkchen doch wenigstens ein paar Tage gönnen. Denn von Wirbelwind wusste ich, dass ich meine Zeit brauchte mit dem neuen Erdenbürger warm zu werden.

Und so war es auch. Die Liebe wuchs und wuchs. Auch Unwegsamkeiten konnte dem Wachsen der Liebe nichts anhaben. Mit jedem Lächeln, jedem Jauchzer, jedem Schlabbern, jedem Plabbern, wuchs meine Liebe. Von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Mit jedem Augenblick, den ich mit ihr verbrachte. Heute Wölkchen, damals Wirbelwind.

Szene 3: Heute

Ich liege mit Wölkchen im Bett. Sie schläft und ich lausche ihrem süßen Schnarchen Atmen. Mein Herz hüpft vor Freude und Dankbarkeit dieses wundervolle Wesen bei mir haben zu dürfen. Ihre kleinen Finger umspielen ihr Schmusetuch. Die kleinen Finger, die ein paar Minuten zuvor noch neugierig ihr Spielzeug untersuchten, mein Handy inspizierten und ihren Körper über den Boden zogen. Ihr Mund ist entspannt. Ganz anders, als sonst, wenn er die lustigsten Silben formt, lacht, brabbelt, weint. Die Beinchen liegen angewinkelt unter der Decke vergraben. Ganz still sind sie, müssen sich ausruhen von den Krabbelübungen am Tag. Obwohl ich auch müde bin, schaue ich sie noch ein Weilchen an. Ich überlege, was wohl als Nächstes kommt. Womit wird sie uns überraschen? Womit wird sie mich zum Lachen bringen?
Am Abend sitze ich bei Wirbelwind. Sie schaut fern. Ihre Augen blicken regungslos auf das flimmernde Zauberwerk vor ihr. Ganz fasziniert ist sie. Der Mund ist leicht geöffnet. Ich streiche ihr über das Haar und ernte keine Reaktion. Ich kitzele sie in die Seite und sie schaut mich an, ihre Augen leuchten, ihr Mund lacht kess und formt die Worte „Hey, Mama!“. Mehr braucht es nicht. Sie schaut wieder zum Fernseher und ich schaue sie an. Ihren Mund, ihre Augen, ihre Haare. Ich schaue auf dieses Kind und sehe all die schönen und spannenden Dinge, die wir bereits zusammen erlebt haben. Ich frage mich, wie sie wohl später einmal aussehen wird. Was sie machen wird. Welchen Weg sie gehen wird. Mein Wirbelwind.

Ich liebe sie so sehr, alle beide. Sie sind so verschieden, wie meine Liebe zu ihnen. Die zarte Liebe zu Wölkchen, gespeist von viel Nähe, Befühlen und Staunen. Die starke Liebe zu Wirbelwind gewachsen über Jahre, durch gemeinsame, einzigartige Momente. Doch eines ist beiden gemeinsam. Sie rufen in mir eine Verwunderung hervor. Eine Verwunderung darüber, was das Leben ist, wie es beginnt, wie es sich entwickelt. Sie lassen mein Herz schneller schlagen, wenn sie mich zum Lachen oder zur Verzweiflung bringen. Sie lassen mein Herz langsamer schlagen, wenn sie mich umarmen oder ich ihnen dabei zusehe wie sie die Welt entdecken. Sie lassen mich Weinen, vor Freude, vor Rührung, vor Stolz, vor Angst. Sie vervollständigen mich und machen mich zu dem Menschen, der ich bin. Eine liebende Mutter.

Eure Wiebke

4 Comments

  1. 22 Februar 2016 at 2:44 pm

    Wie, das hast Du wirklich ganz toll geschrieben. Mir geht das genauso: meine Große liebe ich tief und innig – eben weil sie schon so lange bei uns ist. Wie schon so viele Momente geteilt haben. Die Liebe zu den Zwillingen ist stark, aber noch "frisch"…alle Drei machen mich komplett…! Liebe Grüße

    • 22 Februar 2016 at 7:12 pm

      Liebe Anna, ja genau so ist es. Irgendwie ist die Liebe zum Baby noch anders, aber sie wird wachsen und sich verändern. Und in drei Jahren bringt Wölkchen mich sicherlich auch genauso zur Weißglut wie Wirbelwind heute ;-P
      LG Wiebke

  2. 22 Februar 2016 at 10:58 pm

    So ein inniger und im wahrsten Sinne des Wortes liebevoller Post!:-) Mein Eiliensche ist wie Deine Große 3 Jahre und ihre kleine Schwester, das Ämmale, ist gerade 1 geworden. Die Zeilen, in denen Du von Deinem Wirbelwind schreibst, könnte ich zum Eiliensche verfasst haben. Beim Ämmale empfinde ich es so, als wäre sie noch immer körperlich mit mir verbunden. Die Große ist schon ein wenig abgenabelter, die Liebe reifer. Ich liebe beide mit der gleichen, ungeheuren Intensität, aber das "wie" unterscheidet sich. Herzliche Grüße

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