Die Wahrheit über das Mama-Dasein

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Irgendwie hat man sich das anders vorgestellt, die Sache mit den Kindern. Alle vier Stunden das ruhige Baby stillen und wieder schlafend in sein Bettchen legen, wo es drei Stunden lang vor sich hinschlummert. Später, wenn es älter wird, beschäftigt es sich super selbst. Und wenn es nicht gerade ruhig in seinem Zimmer spielt, macht man mit dem Kind Ausflüge, bei denen es sich selbstverständlich vorzüglich benimmt und immer genau das macht, was man sagt. Natürlich ist der Haushalt picobello, schließlich hat man ja den ganzen Tag Zeit zum Saubermachen, während das Baby schläft oder das Kind spielt.

Hattet Ihr auch diese Vorstellung? Für alle, denen das Mama-Dasein noch bevorsteht, sei hier einmal klargestellt: so ist es in den seltensten Fällen. Es könnte vielleicht eher so aussehen:

1. Schlafen wird überbewertet

Wenn alle immer diese Frage stellen, muss es ja normal sein, dass ein Baby durchschläft. Ha, denkste! Wenn es nachts vier Stunden am Stück schläft, hast Du Glück gehabt. Denn auch stündlich ist gar nicht mal so selten.
Sind die Kinder größer, ist dennoch nicht an Schlaf elterlicherseits zu denken. Denn entweder sie schlafen im Familienbett, selbstverständlich mit dem Fuß in Mamas Gesicht, oder sie stehen nachts plötzlich vor dir und erschrecken Dich zu Tode, weil sie von Monstern unter dem Bett heimgesucht wurden.
Damit es nicht zu langweilig und vorhersehbar wird, geben die Liebsten gerne des Nachts ihren Magen-Darm-Virus nach, werden von Pseudo-Krupp-Anfällen oder einem Nachtschreck geplagt.
Alles halb so schlimm, wenn man dann wenigstens ausschlafen könnte. Doch Kindern ist egal, ob der Wochentag mit „S“ beginnt und man eigentlich noch etwas schlummern möchte.
Kein Wunder also, dass mit der Kinderzahl auch der Verbrauch von Concealer und Abdeckstiften exponentiell ansteigt, um die von Schlafmangel geprägten überdimensionalen Augenringe zu kaschieren.

2. Essen muss zweckmäßig sein

Schafft man es sich morgens trotz verquollener Augen und spitzem Spielzeug auf dem Boden seinen Weg zum Frühstückstisch zu bahnen, wird man als Mutter auf die nächste harte Probe gestellt. Denn ehe man sich versieht kniet man daneben und wischt 7 Uhr morgens Apfelschorle vom Fußboden auf. Schon wieder.
Mit Baby auf dem Arm schmiert man sich gekonnt die Butter einhändig auf`s Brötchen, um es anschließend hastig zu verschlingen, weil der kleine Scheißer seinem Namen alle Ehre gemacht hat.
Mittags sieht es nicht anders aus. Wenn man es nicht besser wüsste könnte man meinen, Mittagessen wird grundsätzlich kalt genossen, denn warm gelangt es nie in Mamas Mund.
Das Kind ist satt und schiebt seine Essensreste routiniert auf Mamas Teller. Dort gesellen sie sich zu den ausgespuckten Brotkrumen des Babys. Seitdem man Mama ist, degradiert der eigene Teller zur Müllablage.
Saß man vor der Kinderzeit gemütlich mit dem Liebsten auf dem Sofa und naschte nach Lust und Laune, will man nun ein gutes Vorbild sein. Wenn tagsüber genascht wird, dann in homöopathischen Mengen und nur dann, wenn auch die Kinder etwas abhaben dürfen. Man möchte ja keine Trotzanfälle riskieren. Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, verkrümelt man sich auf die Toilette, um sich hastig zwei/drei Stückchen Schokolade in den Mund zu stopfen. Den Fehler, noch kauend das Bad wieder zu verlassen, macht man nur einmal…

3. Laut ist relativ

Kinder sind laut. Jetzt könnte dieser Absatz eigentlich schon aufhören, weil dies sicherlich allen einleuchtet, aber ich möchte ihn noch weiter spezifizieren.
Fangen wir mit den kleinen Wonneproppen an. Denn auch die sind laut. Das wissen sicherlich die meisten. Wer ein Baby bekommt, kann den ersten Schrei gar nicht schnell genug herbeisehnen. Blöd nur, wenn sie nicht wieder damit aufhören. 120 Dezibel kann Babygeschrei erreichen. Es ist, als hätte man einen Düsenjet im Schlafzimmer stehen. Müttern sollte mit der Geburt des Babys ein Gehörschutz mitgegeben werden. Aber ein Hörsturz ist wohl „Berufsrisiko“.
Wenn die Kinder älter werden, wird das besser, könnte man meinen. Allerdings können auch Kleinkinder im besten Trotzalter wirklich laut sein. Ja, so ein eigener Wille ist nicht zu unterschätzen.
Vergehen ein paar weitere Jahre, sind es dann DVDs und Hörspiele, die einem um die Ohren plärren, oder auch die lieblichen Kinder selbst, die so fein mit ihren „Freunden“ spielen. Denn das sei hier gesagt: spielen geht nicht leise. Wenn sie leise sind, dann stimmt etwas nicht.
Spätestens jetzt ist es verständlich, wenn sich Mütter an einem freien Kinderwochenende aus Überforderung vor so viel Ruhe den Fernseher, den Staubsauger und das Radio gleichzeitig einschalten.

4. Alles unter Kontrolle

Als Mutter hat man das Sagen und alles unter Kontrolle. Ist ja logisch. Man zieht die Kinder groß, also tanzen sie auch nach Mamas Pfeife. Aber die kleinen Dickköpfe wollen dann irgendwie doch lieber darüber diskutieren, wie man die Zähne zu putzen oder die Schuhe anzuziehen hat.
Muss man schnell das Haus verlassen, kann man darauf wetten, dass der Zwerg ausgerechnet heute nicht die Schuhe mag, die er die ganze Zeit anhat oder den Reißverschluss einfach nicht zubekommt und deshalb einen Schreikrampf zum Besten gibt. Was früher zwei Minuten gedauert hat, braucht nun eine halbe Stunde.
Und auch die Ordnung entgleitet aus Mamas Händen. Selbst wenn man regelmäßig den Fußboden wischt, sieht er zwei Stunden später wieder aus, als hätte man wochenlang nicht den Wischmop angerührt. Und irgendwann gibt man auf. Wenn man weiß, dass sowieso gleich wieder zwanzig neue Krümel unter dem Tisch landen, warum sollte man dann die alten entfernen? 
Und wenn das Kind in seinem Zimmer in fünf Minuten eine halbe Stunde Aufräumarbeit zu Nichte macht, warum sollte man sich dann die Mühe machen? Man kapituliert irgendwann vor der Macht des Kindes und bittet es zumindest einen Gang zum Bett freizuhalten.

5. Alles klar im Mama-Kopf

Aber nicht nur in trauten Heim ist es unaufgeräumt, auch Mamas Kopf leidet ganz schön mit.
Statt rockigen Liedern und angesagten Chartstürmern werden Titelmelodien von Kindertrickfilmen und -hörspielen gesummt: Conni, Bibi und Tina, Peppa Wutz, TKKG. Es klingt so harmlos, aber die haben es echt in sich.
Schaltet man den Fernseher ein, um den Ohrwürmern zu entkommen, flimmert einem ein süßes Baby oder ein tollpatschiger Hund entgegen, die einem nicht nur eine Träne entlocken.
Weinen könnte Mama auch, wenn sie das Internet um Rat fragt, was der Sprössling denn gerade ausbrüten könnte. Ein kleiner roter Punkt, etwas Fieber, etwas Bauchweh. Dank Google möchte man als Hypochonder-Mama am Liebsten sofort ins Krankenhaus fahren.
Zum Glück gibt es da eine ganz tolle Sache: die Stilldemenz. Hat man ENDLICH Sack und Pack zur Tür hinausbefördert, fällt der Mama garantiert noch ein, was sie noch mitnehmen wollte. Dreimal. Und spätestens wenn man eine Stunde später bei den Großeltern sitzt, fällt ihr ein, was sie wirklich vergessen hat. Und da macht es nichts aus, wenn man gar nicht mehr stillt und „Stilldemenz“ als Ausrede nicht zählt. Denn, wie man bekanntlich weiß „Ein bisschen Matsch im Kopf bleibt“. So, wisst Ihr Bescheid.

6. Hobbies ade?

Vereinbarkeit von Kind und Hobby? Kein Problem. Als Mama hat man keine Ausreden mehr sich nicht sportlich zu betätigen. Denn man ist quasi gezwungen Sport zu machen. Eigentlich müssten die Pfunde nach der Geburt nur so purzeln, bei den Extremsportarten, die man als Mutter so praktiziert. Da wäre das Extreme-Robbing (hinter dem Baby her), gesteigert vom Extreme-Krabbeling. Ebenfalls zu erwähnen sei der Hürdenlauf durchs Kinderzimmer sowie das einarmige Baby-Gewichtestemmen. Für mehr Frischluft empfiehlt sich das Bike-after-running, sprich das hinterherflitzen hinter einem Kinderlauf- oder -fahrrad.
Auch kulturelle Interessen müssen nicht gänzlich eingestellt, aber – sagen wir  -etwas gewandelt werden. Tierdokumentationen im Fernsehen werden ersetzt durch den kindlichen Forscherdrang in der Natur und Konzertbesuche durch Kinderlieder-CDs. Kinobesuche werden fortan nicht mehr abends, sondern vormittags abgehalten, wenn die Kinder in Kindergarten und Schule sind. Museumsbesuche werden überflüssig. Statt Rembrand, Picasso und Monet dürfen Eltern täglich die Kunstwerke ihre Sprösslinge bestaunen. 
Ihr seht, das Mama-Dasein hat so seine Tücken, aber eben auch so zahlreiche Facetten, die man sich im Vorfeld nicht einmal ansatzweise vorstellen kann. Ja, es ist zuweilen anstrengend, nervig, ermüdend, frustrierend. Aber eben auch so viel bunter, überraschend, lustig, herzlich, frech, laut. Oder einfach: lebendig.
Eure Wiebke

4 Comments

  1. Anonym
    Antworten
    30 März 2016 at 6:12 am

    Das war ja mal eine schöne Zusammenfassung 🙂

    Liebe Grüße, Maja Krzyszczyk

  2. 30 März 2016 at 7:47 am

    Wie wahr, wie wahr!! Super zusammengefasst! 🙂 Und die pfunde würden wohl wirklich purzeln, wäre da nicht dieser Belohnungs-die-Kinder-schlafen-und-ich-hab-den-Tag-überlebt-Essreflex am Abend!!

  3. 2 April 2016 at 12:47 pm

    Toller Text 😀

  4. 21 Mai 2016 at 8:42 am

    Wahnsinnig gut getroffen. Auch wen meine "Kleinen" inzwischen zu pubertären "Außerirdischen" mutiert sind, erinnere ich mich an die Zeit, als wäre es gestern gewesen! Es ändert sich auch nicht wirklich viel mit der Zeit, es wird nur anders! Gruß

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