Ein ganz normaler Nikolaustag

So, das war er also, der Nikolaustag. War doch gar nicht so schlimm. Irgendwie sogar lustig. Allerdings hatte Wölkchen heute besonders lange gebraucht, um einzuschlafen. Ich schiebe es auf den hohen Zuckergehalt im Blut. Wie unser Tag war? Na, dann fangen wir mal von Vorne an…

Schuhe putzen

Eigentlich fing der Nikolaustag ja bereits gestern Abend an, als Wirbelwind feststellte, dass sie ja noch Schuhe putzen muss. Doch welche sollten die auserwählten Schuhe werden? Sie griff zu ihren gerade einmal fünf Tage jungen Schneeschuhen. Dann ist das Putzen zumindest schnell erledigt, dachte ich mir. Beim Blick auf die Bottiche musste ich meine Ansicht jedoch schnell revidieren. Mit Pinzettengriff verschleppte ich die Objekte zum Waschbecken, drückte Wirbelwind eine Schrubberbürste in die Hand und ließ sie mit ihrem Schicksal allein. Fünf Minuten später steckte ich neugierig den Kopf zur Tür herein. Das Wasser blubberte pechschwarz den Abfluss hinunter. Den Schuhen sah man die bisherige Schrubbaktion nicht an. Nun gut, dann helfe ich etwas mit. Dafür genehmige ich mir morgen dann ein Stückchen Schokolade vom „Nikolaus“ mit.

Irgendwann war es vollbracht und die blinkenden Schuhe standen vor der Tür. Auch Wölkchens Schühchen durften daneben Platz nehmen. Wirbelwind hatte mit 18 Monaten noch keinen Nikolausstiefel. Aber als kleine Schwester wird man eben schon etwas eher in die Wunder der Welt eingeweiht. In jeglicher Hinsicht.

Beschuhtes Glück

Ich hatte schon Bedenken, dass Wirbelwind mitten in der Nacht zur Tür hinausstapfen und nach ihrem befüllten Schuh Ausschau halten würde. Aber das Gegenteil war der Fall. Verschlafen erschien sie morgens in ihrer Tür und musste erst erinnert werden, dass da etwas Schönes vor der Wohnungstür stehen könnte.

*Bling* machte es in ihrem Kopf und ein Fußballstadion brannte plötzlich in ihrem Kopf. Wenn sie doch auch so schnell an der Tür wäre, wenn ich mit ihr losgehen möchte… Die Schätze wurden sofort gehamstert, anschließend im Kinderzimmer auf einen Haufen zusammengetragen und gierig bestaunt. Vorsichtig fragte mich Wirbelwind, ob sie denn jetzt etwas davon essen dürfe. Eine berechtigte Frage, wo es doch sonst vor dem Frühstück nichts zu Naschen gibt. Aber es war ja Nikolaustag. Mein gequältes „Ja“ war der Startschuss für eine Zuckerorgie. Ich öffnete Wirbelwind noch eine kleine Gummibärchenpackung und verließ fluchtartig den Raum.

Zucker, Zucker, Zucker

Ich kündigte an, dass ich derweil meine Haare waschen würde. Wirbelwind versicherte mir: „Mama, du kannst ruhig gehen. Wir essen in der Zeit die Süßigkeiten und hören auf, wenn Du fertig bist.“ So schnell habe ich wohl noch nie meine Haare gewaschen.

Als ich fertig war, wühlten sich Wirbelwind und Wölkchen noch durch ihre Süßigkeiten. Die Schokolade von Wölkchen ließ ich unauffällig in meinen Händen verschwinden. Das half nur nicht viel, da Wirbelwind großzügig weitere Schokolade an Wölkchen verteilte. Ihre Großzügigkeit ist doch wirklich wundervoll. Nicht.

Nun bekam ich aber Hunger. Ich verschwand in der Küche und fragte meine Kinder, ob sie denn dennoch etwas frühstücken wollten. „Mama, du kannst ruhig frühstücken. Wir sind mit den Süßigkeiten beschäftigt“, war die verständliche Antwort. Dass sie mir ja eigentlich versichert hatte, nach dem Haarewaschen aufzuhören, war urplötzlich vergessen. Immerhin gesellte sich dann doch noch Wölkchen zu mir, die einen halben, ebenfalls überzuckerten Joghurt aß.

Nikolaus im Kindergarten

Auch im Kindergarten wurde fleißig Nikolaus gefeiert. Wirbelwind erhielt eine Socke mit Mandarine und einem kleinen Schokoladen-Weihnachtsmann. Wirbelwind wurde Selbiges mit samt Buch in ihre Schuhe gesteckt. Am Vormittag grillten sie Apfelscheiben im Garten, natürlich mit Extra-Zucker oben drauf. Und am Nachmittag feierten wir alle zusammen, also Kinder und Eltern, ebenfalls im Garten, ein Nikolausfest mit Stockbrot (oder Knüppelkuchen, wie es bei mir früher hieß), natürlich ebenfalls gezuckert. Wem das zu trocken war, der durfte einen kräftigen Schluck vom heißen Apfelsaft machen. Auf dem Nachhauseweg wurden noch die Schokoladen-Weihnachtsmänner vertilgt.

Der Ausklang

Völlig überdreht kamen unsere zuckerschockgefrosteten Kinder zu Hause an. Zum Abendbrot gab es Fleisch. Low Carb quasi. Waren ja genug Kohlenhydrate für Heute. Aber die Intervention war wohl zu spät. Wölkchen wuselte völlig überdreht von den Eindrücken und dem Zucker durch die Wohnung. Wo sie sonst an uns gekuschelt den Sandmann schaut, wusste sie heute nicht wohin mit sich, kletterte aufs Sofa, rutschte hin und her, kletterte wieder hinunter und begann ihr Treiben von Vorne. Irgendwann brachte der Papa sie ins Bett und ließ sich auch nach 50 Minuten nicht wieder blicken. Als ich schon dachte, er war eingeschlafen, öffnete sich doch die Tür. „Sie wollte heute einfach nicht einschlafen“, meinte er und verkroch sich ins Wohnzimmer. Ja, es war wohl ein aufregender Tag.

Wie haben Eure Kinder den Nikolaustag erlebt?

Eure Wiebke

2 Comments

  1. Julia
    Antworten
    7 Dezember 2016 at 4:05 pm

    Hallo Wiebke,
    Oh man, was so ein Zuckerkonsum so alles bewirken kann 🙂
    Wir haben gar nichts Besonderes gemacht mit fast 15 Monaten. Wie du auch schon berichtet hast von Wirbelwind damals. Aber klar, wenn die große Schwester einen Stiefel hat …!
    Kommt demnächst mal wieder ein Wölkchen-Update? Würde mich sehr freuen!
    Du hast den Sandmann erwähnt. Vielleicht kannst du ja auch mal berichten wie so ein normaler Tag bei euch abläuft und welche Rituale ihr da mit euren Mädels habt, z.B. Sandmann gucken und kuscheln?!
    Liebe Grüße und eine schöne Restwoche.
    Julia

    • 7 Dezember 2016 at 5:15 pm

      Liebe Julia,
      ja ein Wölkchen-Update ist in Arbeit und wird sicherlich morgen kommen. 😉
      Ein Post über Rituale ist eine gute Idee. Ich denke mal drüber nach!
      LG Wiebke

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