Die Schreifalle – mein täglicher „Freund“

Die Schreifalle bzw. Brüllfalle - was ist das?

Jeden Morgen das Gleiche. Wirbelwind und Wölkchen spielen einfach nicht mit. Knapp eine Stunde haben wir Zeit, um vom Bett mehr oder weniger elegant im Kindergarten zu landen. Dazwischen müssen sich die Kinder theoretisch nur anziehen, frühstücken, Zähne putzen und losstiefeln. Theoretisch. Aber das tun sie selbstverständlich nicht. Sonst wäre es ja zu einfach.

Frust auf ganzer Linie

Am Wochenende ist mir es so ziemlich egal, in welchem Tempo sie sich die Strümpfe überstülpen oder ob sie dazwischen noch ein wenig ihr Kinderzimmer verwüsten. Aber in der Woche, da sitzt mir die Uhr im Nacken. Immer wieder erkläre ich den Kindern, dass wir pünktlich im Kindergarten sein müssen, damit ich es rechtzeitig auf Arbeit schaffe. Und was machen die Kinder? Sie rollen sich über den Boden, schütten das Lego aus oder flitzen halbnackt durch die Gegend und rufen euphorisch „Ich bin ein Naaaaackedeeeeeei!“.

Mein Countdown (noch 5 Minuten… noch drei Minuten…) und meine immer greller werdende Stimme werden gekonnt ignoriert. Manchmal werde ich von Wirbelwind sogar verschmitzt angegrinst, wenn ich mein Leid klage. Und dann gibt es sie, diese Situationen, in denen ich schreie. Momente, in denen ich viel zu laut meinen Kindern versuche zu erklären, warum ich gerade so erbost bin. Und ich bewirke … nichts.

Was passiert, wenn man seine Kinder anschreit?

Es ist frustrierend. Und ich frage mich, bin ich in die Schreifalle getappt? Eine Freundin benutzte letztens diesen Begriff.

Die Schreifalle.

Was ist denn daran die Falle? Wenn man laut wird, in welche Falle tappt man denn dann? Was passiert, wenn man seine Kinder anbrüllt?

Bislang bin ich an das Thema recht unbedarft herangegangen. Nach dem Motto: „Authentizität“ ist doch wichtig. Wie sollen meine Kinder denn glauben, dass ich gerade wütend bin, wenn ich ganz ruhig neben ihnen stehe und sie anlächle, obwohl es innerlich in mir brodelt? Und überhaupt: das ist doch nicht gesund, ständig seine Gefühle zu unterdrücken. Daher bekommen sie meine Emotionen auch mit. Sie erfahren IMMER, wie es mir gerade geht, ob ich gerade traurig, wütend oder fröhlich bin. Sie wissen es. Ist das nicht toll? Ist es nicht super, dass sie wissen was ich fühle? Und ist es nicht wichtig, wenn die Kinder erfahren, dass sie mit ihrem Verhalten bei uns Eltern Reaktionen hervorrufen? Warum redet man dann von der Schreifalle? Was passiert, wenn man seine Kinder anschreit?

Was ist die Schreifalle?

Im Internet stößt man auf den Film „Wege aus der Brüllfalle„, in welchem genau dieses Phänomen beschrieben wird. Die Schreifalle bzw. Brüllfalle entsteht, wenn wir unseren Kindern mal eben aus dem Nachbarraum etwas zurufen und dann eine Reaktion erwarten. Kinder sind gerne mal in ihr Spiel vertieft und wollen dieses zu Ende bringen. Was Mama oder Papa da rufen, ist ihnen in dem Moment schlichtweg schnuppe. Und das hat nichts damit zu tun, dass uns die Kinder ärgern wollen. Sie finden es einfach nur nicht wichtig genug. Egal, wie oft wir ihnen das erklären. Und das ist der nächste Punkt: nur weil wir viel reden, heißt das noch lange nicht, dass uns unsere Kinder besser verstehen. Und wir wundern uns, dass die Liebsten immer noch nicht das machen, was wir von ihnen verlangen. Folge ist, dass wir lauter werden, und lauter, und lauter. Irgendwann brüllen wir dann unsere Kinder an, weil wir uns so missverstanden fühlen. Kennt ihr, oder?

Das Problem ist, dass wir mit dem Schreien nichts erreichen. Die Kinder fangen an zu Weinen, weil sie nicht wissen, was sie jetzt gerade verkehrt gemacht haben und wir Eltern fühlen uns schlecht, weil wir (so gehe ich davon aus), andere Erziehungsziele haben, als unsere Kinder anzubrüllen. Noch dazu lehren wir unseren Kindern ein aggressives Verhalten. Denn auch Brüllen ist eine Form der Aggression. Wie kommen wir aus dieser Schreifalle wieder heraus?

Wie kann man die Schreifalle umgehen?

In dem Video werden ganz klare Anweisungen gegeben, die das Miteinander von Kind und Erwachsenen verbessern, wenngleich sie keine Wunder von heute auf morgen bewirken können.

1. Kontakten

Wichtig ist, dass wir mit den Kindern auf Augenhöhe gehen. Wir sollten unsere Anweisungen und Wünsche nicht aus einem anderen Raum zu ihnen herüber rufen, weil sie das sowieso nicht wahrnehmen. Wir sollten unsere aktuelle Tätigkeit unterbrechen, uns vor sie stellen, herunterbeugen, um ihnen in die Augen sehen zu können und mit der Hand berühren. Dann erst ist gewährleistet, dass wir ihre Aufmerksamkeit haben. „Kontakten“ wird das genannt, bei welchem wir uns auf eine Augenhöhe mit dem Kind begeben.

2. Klare Anweisungen geben

Wenn wir nun mit dem Kind sprechen, sollten wir ruhig bleiben und einfache, klare Anweisungen geben. Wir sollten uns nicht auf eine Diskussion einlassen, aber auch keine langen Moralpredigten von uns geben, denen das Kind sowieso nicht folgen kann. Mit einfachen Sätzen und einer klaren Botschaft, kann das Kind am besten verstehen, was gemeint ist. Und unseren Wunsch, unser Verhalten zu erklären, den müssen wir in solchen Momenten eben herunter schlucken (gilt insbesondere für mich).

Was kann ich verbessern?

Ich finde das klingt sinnvoll und auch machbar. Besonders das „Predigen“ von der Zimmertüre aus zu meinen Kindern, das kommt mir sehr bekannt vor. Was kann ich also tun? Und wird es etwas verbessern, gerade im morgendlichen Alltagsstress?

Ich werde versuchen zukünftig mir die Zeit zu nehmen, zu meinen Kindern zu gehen, wenn ich möchte, dass sie sich anziehen, und nicht in der Tür stehen zu bleiben. Ich werde sagen, dass sie ihre Zähne putzen sollen, ohne zu erklären, wie wichtig das für ihre Gesundheit ist (hört mir ja eh keiner zu).

Nun muss ich nur noch schauen, ob ich dieses Vorhaben auch in die Tat umsetzen kann, oder ob mich meine mütterliche Impulsivität in der morgendlichen Hektik wieder einholt. Es bleibt spannend.

Kennt Ihr auch diese „Schreifallen“?

Eure Wiebke

 

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Die Schreifalle - Warum wir mit Brüllen nichts erreichen

3 Comments

  1. Andrea R
    Antworten
    4 März 2018 at 11:37 am

    Na das werde ich auch mal versuchen:-) bin über pinterest auf deinen Blog gestolpert und werde gleich mal abonieren 😉
    Schon mehrfach herzhaft gelacht, Danke!

  2. Oma Wetterwachs
    Antworten
    9 März 2018 at 11:24 am

    Das kenne ich. Ich bin auch mal zeitweise in die „Schreifalle“ getappt.
    Was ich daran besonders schlimm finde: Wenn man einmal drin steckt, kommt man nur schwer wieder heraus.
    Etwa nach dem Motto: Einmal schreien ist keinmal schreien, zweimal Schreien ist eine schlechte Gewohnheit.
    Seit ich der Schreifalle erfolgreich entkommen bin, geht es uns allen besser. Es läuft harmonischer und die Kinder „hören“ besser auf mich. Ich erkläre ihnen auch meine Anliegen und was wichtig ist und was weniger wichtig.

    Oft lese ich auf anderen Blogs, wie authentisch man sei, wenn man seine Kinder auch mal anbrüllt. Oft habe ich aber das Gefühl, dass diese Bloggerinnen nur ihr schlechtes Gewissen erleichtern wollen und Gleichgesinnte suchen, damit sie sich mit der Schreierei besser fühlen. Meist geht es dann darum, wie sich die Mütter fühlen und die Kinder kommen schon klar …

  3. 10 September 2018 at 10:50 am

    Ja, in diese Schreifalle tappe ich auch gelegentlich. Meistens dann, wenn wir draußen unterwegs sind und mein flinker Wirbelwind davonrennt und einfach nicht hört. Ich weiß, dass mein Problem in diesen Momenten Angst ist. Ich schreie, weil ich mich in diesen Momenten so hilflos gefühlt und nackte Panik verspürt habe. Das macht es natürlich nicht besser, das weiß ich und ich arbeite an meinem Problem, aber ich denke auch, dass es wichtig ist, den Kindern zu zeigen, was gewisse Situationen mit uns anrichten und mit ihnen darüber zu reden. So weiß mein Sohn, warum ich schreie, aber auch, dass mir mein Verhalten selbst nicht gefällt und ich lernen möchte, gelassener zu sein.

    Liebe Grüße,
    Maike von MitohneMaske

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