Alles anders – beruflicher Neuanfang mit zwei Kindern

Alles anders - beruflicher Neuanfang

Seit einem dreiviertel Jahr habe ich mich beruflich neu orientiert. Bislang habe ich kaum jemanden davon erzählt, was ich genau denn nun so treibe. Vielleicht deshalb, weil ich es selber noch so surreal empfinde. Oder weil ich ein wenig Angst vor den Reaktionen habe.

Aber Fakt ist, dass diese Veränderung unser Leben ordentlich auf den Kopf gestellt hat. Und auch wenn der Umzug ganz schön geschlaucht hat, dann war das doch weniger der Grund dafür, dass es hier auf dem Blog so ruhig geworden ist, als eben besagter beruflicher Neuanfang.

Nun gut, ich möchte Euch nicht weiter auf die Folter spannen. Nur noch ein kleines Ratespiel, dann verrate ich Euch, was ich den lieben langen Tag so treibe:

Ich bin…

Frühaufsteherin, Löwenbändigerin, Entertainerin,
Moderatorin, Konfliktmanagerin, Mutti-Ersatz, Tränentrocknerin,

Trainerin, Künstlerin, Handwerkerin, Rechengenie, Wortakrobatin.

Na, schon eine Idee? Nein? Also gut, noch ein paar Hinweise…

Ich höre etwa 100 Mal am Tag meinen Nachnamen, werde aber permanent geduzt.
Punkt 9:10 Uhr öffne ich meine Brotbüchse.
Ich schlage mehrmals am Tag eine Glocke.
An meinem Schlüsselbund hängt eine Trillerpfeife.
Ich besitze ein Laminiergerät und benutze es auch.

Ha, jetzt klingelt es sicherlich? Okay, ich löse auf:

Neben Wirbelwind wurde im vergangenen Jahr auch ich wieder eingeschult. Ja, ich bin Grundschullehrerin, als Seiteneinsteigerin. Das heißt ich unterrichte 20 Stunden in der Woche Schüler einer Grundschule. Verrückt, ich weiß. Manchmal frage ich mich selber, wie es dazu kommen konnte. Und dann fühlt es sich aber wieder so richtig an.

Was sich für mich verändert…

Ich muss früh aufstehen. Echt früh aufstehen. Das fällt mir wirklich schwer, das gebe ich zu. Daher muss ich darauf achten, dass ich abends rechtzeitig ins Bett komme. Ein Grund, warum ich abends nicht mehr zum bloggen komme. Der andere Grund ist der, dass ich in dieser Zeit den Unterricht für den nächsten Tag vorbereite. Zwar könnte ich das auch in den ein bis zwei Stunden am Nachmittag machen, bevor ich die Kinder aus der Betreuung hole. Aber das ist die Zeit, die ich für Mittagessen und „Regeneration“ benötige. Denn so ein Tag in der Schule, auch wenn es „nur“ fünf bis sechs Stunden sind, schlaucht ungemein. Ich denke gerade für Neulinge, wie ich es bin, ist es eine wahnsinnige Reizüberflutung, die da auf einen einströmt. So viel ist zu beachten, nicht nur das Fachliche (haha, das ist in der Tat einer der geringsten Anteile), sondern insbesondere das Zwischenmenschliche. Habe ich jedes Kind berücksichtigt? Bleibt eines auf der Strecke? Sind alle noch aufmerksam? Was hat X da in der Hand? Warum quatscht denn Y nun schon wieder? Warum läuft jetzt Z durch den Raum? usw. So schnell kann ich gar nicht gucken, wie irgendetwas vorfallen, jemand weinen, reden oder laufen kann. Du bist ständig auf Adrenalin, als würdest Du gleich mit deinen Skiern den schwarzen Hang hinuntersausen, ohne zu wissen, welche Poller Dir im Weg stehen.

Sicherlich wird es irgendwann besser. Routinen stellen sich ein und man lernt gelassener durch die Schule und Klasse zu gehen. Bis dahin habe ich noch viel zu lernen.

Ab April wird es dann auch offiziell, da beginnt mein berufsbegleitendes Studium. Dann werde ich zwei Tage in der Woche in eine 1 Stunde entfernte Stadt pendeln, um mir die wissenschaftliche Basis für meine Arbeit anzueignen. Es ist ein langer Weg, den ich, wahrscheinlich fünf Jahre lang, gehen werde, um einen gleichwertigen Abschluss zu erhalten. Aber zumindest erhalte ich in dieser Zeit Geld und darf unterrichten. Und so scheint das für mich einfach der richtige Weg zu sein. Manchmal führen eben holprige Umwege einen zum Ziel, besser als die glatten Straßen. In meinem Fall ist es wohl so.

Was es mit der Familie macht…

Nicht nur für mich war alles eine enorme Umstellung, sondern auch für meinen Mann und die Kinder. Da meine Schule eher startet, als die von Wirbelwind, schaffe ich es nicht, sie in die Schule zu bringen. Daher ist mein Mann ab sofort morgens dafür verantwortlich. Er bringt sie hin, ich hole sie ab. Klingt fair verteilt. Aber de facto ist es morgens doch deutlich stressiger und so aus meiner Sicht der wohl härtere Job, den mein Mann da mit Bravour meistert.

Ab April, wenn mein Studium startet und ich erst abends wieder zu Hause bin, wird der Mann die Kinder an zwei Tagen zusätzlich am Nachmittag abholen und betreuen. Dann wird er an den anderen drei Tagen noch länger arbeiten müssen, um auf seine Stunden zu kommen. Es ist eine Herausforderung, für uns alle.

Am Meisten an der Umstellung leidet aber wohl Wölkchen. Sie ist immer total traurig, dass Wirbelwind bei uns frühstückt und sie selber im Kindergarten frühstücken „muss“. Zwar darf sie auch an unserem Frühstück teilhaben, das hebt ihre Stimmung aber nicht wirklich. Letztens ging es ihr sogar so schlecht, dass sie sich übergeben musste und – das freute sie besonders – drei Tage zu Hause bleiben musste. Und ein anderes Mal wachte sie mit Nasenbluten auf und fragte hoffnungsvoll, ob sie dann heute nicht in den Kindergarten gehen muss. Solche Situationen überraschen mich jedes Mal, weil sie ansonsten recht glücklich im Kindergarten zu sein scheint. Aber vielleicht merkt sie auch einfach die Umstellung bei uns zu Hause, den Stress, den wir haben bzw. und machen und erhofft sich auf diese Weise eine Extra-Auszeit und etwas kuschelige Ruhe.

Der Trost ist, dass ich die Kinder in den Ferien später abgeben oder sogar ganz aus der Betreuung nehmen kann. Darauf freue ich mich schon sehr und genieße diese zusätzliche Zeit.

Eure Wiebke

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