Kita vs. Schule – Flausch vs. Drill?

Schule vs. Kita - Was sich ändert

Unser Wirbelwind ist jetzt seit etwas über einem halben Jahr in der Schule. Unser Wölkchen geht weiterhin in die Kita. Auf diese Weise habe ich zeitgleich Einblick in zwei sehr unterschiedliche Systeme. Dass die Schule schon ein anderes Kaliber ist, das war mir klar. Aber etwas stört mich doch gewaltig…

In einer Hinsicht unterscheiden sich die beiden Formen doch enorm. Und das wurde mir erst klar, als wir im November eine zeitlang Probleme hatten, die Hausaufgaben pünktlich abzugeben bzw. das Prinzip dahinter (irgendwie aus meiner Sicht sehr kompliziert gestaltet) zu verstehen. Der Ton, der uns in dieser Zeit entgegen schlug, war rau. Sehr rau. Das kenne ich so aus dem Kindergarten nicht.

Rosarote, flauschige Kindergartenwelt

1. Gelassen. Im Kindergarten sind die Erzieherinnen immer freundlich und gelassen. Wenn man mal etwas vergessen hat, dann ist das kein Problem. Dann bringt man es einfach am nächsten Tag mit. Klar muss man sich auch hier an Fristen und Termine halten. Aber die sind länger planbar, deutlich weniger und man wird eben öfter mal von den Erzieherinnen daran erinnert, wenn die Deadline naht. Alles ganz entspannt.

2. Individuell. Es wird versucht auf die Wünsche einzugehen, die man den Erzieherinnen entgegen bringt. Das Kind hat diese oder jene Vorliebe? Kein Problem. Das Kind ist hier etwas weniger talentiert? Macht nichts. Jeder wird so angenommen, wie er ist. Jeder wird so gefördert, wie er es braucht. Nur wenn Kinder zu sehr vom Plan abweichen, werden anderen Instanzen hinzugezogen. Das ist klar und nachvollziehbar. Grundsätzlich herrscht im Kindergarten jedoch eine große Toleranz der Verschiedenartigkeit, sowohl im Gemüt als auch in den Kompetenzen. So ist es zumindest mein Eindruck.

3. Persönlich. Morgens, wenn man das Kind bringt, oder am Nachmittag, wenn man es abholt, kann man locker flockig ein kleines Schwätzchen mit den Erzieherinnen halten und sich erkunden, wie der Tag so war. Man begegnet sich auf Augenhöhe und von Angesicht zu Angesicht. Es gibt genügend Möglichkeiten, um kurze Rückmeldungen zum aktuellen Stuhlgang zu geben und die Toilettenerfolge zu feiern. Alles ganz vertraut und familiär.

Funktionieren in der Schule

Tja nun. Und dann kommt die Schule.

1. Gelassen. Nicht. Plötzlich hat man nicht nur einen Termin im Monat, den man sich merken muss, sondern jede Woche mehrere Dinge aufs Neue. Plötzlich gibt es Hausaufgaben, die gemacht werden müssen. Es müssen Sachen besorgt, nachgekauft und erneuert werden. Ständig. Und wehe man denkt nicht rechtzeitig daran, dann gibt es eben einen Eintrag. Am Ende der Woche wird dann resümiert, wie gut und weniger gut sich das Kind im Unterricht verhalten hat und – darin mit eingeschlossen – die Eltern ebenso ihre Hausaufgaben gemacht haben. Denn wenn man als Elter vergisst etwas zu besorgen oder zu machen, dann muss in der Regel das Kind das Ganze ausbaden.

2. Individuell. Nicht. Waren es im Kindergarten bis zu 16 Kinder, die in der Regel von 2 Personen betreut wurden (so war es zumindest bei Wirbelwind, wo dank Integrativkindern der Betreuungsschlüssel etwas heruntergesetzt werden konnte), so muss unser Wirbelwind nun in der Schule schauen, wo sie bei 26 Mitschülern und einer Lehrerin bleibt. Das Betreuungsverhältnis hat sich quasi von 1:8 auf 1:27 erhöht! Hier auf individuelle Besonderheiten Rücksicht zu nehmen, ist quasi nicht möglich. Selbst die engagiertesten Lehrer*innen stoßen hier an ihre Grenzen.

3. Persönlich. Nicht. Wirbelwind ist seit 7 Monaten in der Schule und ich habe seitdem noch kein einziges Wort mit der Lehrerin gewechselt. KEINES. Es ist nicht so, dass wir nicht miteinander kommunizieren. Dazu gibt es vielfältige Möglichkeiten. Ich wurde zum Beispiel über das Hausaufgabenheft darüber informiert, dass mein Kind den Unterricht stört oder wiederholt keine Hausaufgaben gemacht hat. Und ich erhalte über selbiges sowie das Muttiheft regelmäßig Informationen zu Veranstaltungen, geplanten Ausflügen. Total persönlich. Aus meiner Sicht krankt es an dem System grundlegend. Und die Lehrer können dafür das Mindeste. Sie müssen im Alltagsstress mit bis zu 28 Kindern in der Klasse klar kommen und dazwischen – ohne dass es honoriert wird – Elternarbeit betreiben. Irgendwie nachvollziehbar, dass man da den Kontakt auf das Mindeste beschränkt.

Alles in Allem knabbere ich noch immer an der Umstellung von Kindergarten zu Grundschule. Wirbelwind hat sich inzwischen ganz gut eingelebt und versichert jedes Mal nach dem Abholen, dass es heute wieder Spaß gemacht hat. Und ich muss sagen, dass ihre Lehrerin auch tatsächlich sehr engagiert ist und einen sehr kreativen und methodenreichen Unterricht macht. Sie versucht das Beste in einem System, das eben dazu verleitet, Eltern mit kurzen Kommandos abzuspeisen und einen offenen, konstruktiven Austausch zu unterbinden.

Ob sich das in meiner Zeit als Schulkind-Mutter noch ändern wird, wage ich zu bezweifeln.

Eure Wiebke

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Schule vs. Kita - Was sich ändert...

4 Comments

  1. 8 Februar 2019 at 9:39 pm

    Orrrrrrrrrr ja, das werden auch bei uns hatte ich Zeiten für mich. Ich bin im Geiste bei Dir!

  2. 12 Februar 2019 at 10:15 am

    Was für ein toller Beitrag, denn genauso ging es mir/uns auch gerade! 😀 Der Übergang war echt etwas schwierig, aber ich denke, es fällt wirklich alles mit der Lehrerin und der ihr zur verfügung stehenden Ressourcen. Wir haben wirklich glück gehabt, dass man mit unserer Lehrerin immer reden kann (habe sogar schon paar mal mit ihr telefoniert) und sie Hausaufgaben und dergleichen nicht so eng sieht. SIe meint selber, dass kein Druck entstehen soll, weil Schule sonst niemandem mehr Spaß hat.
    Aber natürlich, Kindergarten ist das lange nicht mehr. Irgendwie ist das ja auch gut, denn später nimmt dich auf Arbeit ja auch niemand bei der Hand. Ich hätte mir nur gewünscht, dass der Wechsel nicht so aprubt und hart wird…
    Liebe Grüße

    • 12 Februar 2019 at 6:54 pm

      Schön zu hören, dass auch andere ähnlich empfinden. Da scheint ihr wirklich Glück mit der Lehrerin zu haben. Finde ich prima, dass sie so viel Wert darauf legt, wenig Druck auf die Kinder auszuüben. Liebe Grüße, Wiebke

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