Ausgeschlafen

Ausgeschlafen - oder auch nicht.

Ausgeschlafen

Die muntere Sonne scheint hell zum Fenster hinein, als wolle sie sagen: „Steh` auf, Du Schlafmütze!“. Ich liege in meinem Bett. Gähne. Stecke mich. Drehe mich noch ein wenig nach links. Döse weiter. Drehe mich etwas nach rechts. Blinzle. Strecke mich erneut und beschließe dann doch mal das Bett zu verlassen. Der kleine Zeiger der Uhr verweilt auf der 10. Alles wie immer. Entspannt und ausgeschlafen schlendere ich in die Küche. Der Rest der Familie ist bereits fertig mit dem Frühstück. Das Radio gibt Hits der 80er und 90er zum Besten. Ich setze mich an den gedeckten Tisch und genieße mein Toastbrot mit Marmelade.

Es ist Wochenende und ich bin froh, dass ich nicht in die Schule muss. Ich genieße es, so lange zu schlafen, bis es mir im Bett einfach zu langweilig wird. Liegen bleiben und die Welt da draußen ein wenig an sich vorbei rauschen lassen. Und dann irgendwann, selbstbestimmt, doch entscheiden, etwas mitzumischen.

Ach wenn ich nur damals gewusst hätte, welcher Luxus das war.

So halb ausgeschlafen

5 Jahre später. Mein Wecker klingelt schrill. Es ist 9 Uhr morgens, behauptet er. Viel zu früh. Aber was soll ich machen? Die Uni ruft und meint, ich solle doch bitte eine Vorlesung besuchen, die um 10 Uhr startet. 10 Uhr! Da liege ich sonst noch im Bett!!! Es ist eine Zumutung. Gleichzeitig bin ich jedoch dankbar dafür, dass sich die Veranstaltungen, die um 8 Uhr starten, auf einem überschaubaren Niveau halten. Ich schäle mich also aus dem Bett, mache mich frisch und frühstücke etwas. So viel, wie eben in einen noch schlafenden Magen passt. Mit Mühe erwische ich die Straßenbahn, die mich zum Hörsaal chauffiert. So ein Studentenleben kann ganz schön stressig sein, denke ich. Zumindest bleiben mir die Wochenenden, um mich von dem Schlafmangel zu erholen.

Ab und an ausgeschlafen

Weitere 5 Jahre später. Mein Wecker klingelt durchdringend. 8 Uhr soll es bereits sein. Mein Körper denkt da etwas anderes. Ächzend klettere ich aus dem Bett. Nur schnell das Nötigste gemacht, etwas gegessen und dann aufs Fahrrad geschwungen. Immerhin bin ich inzwischen wach genug, um pünktlich 9 Uhr voller Tatendrang in meinem Büro zu sitzen. So ein Arbeitsleben kann ganz schön stressig sein, denke ich. Aber auch jetzt bleiben mir noch die Wochenenden. Die, bei denen man bis 10 Uhr im Bett herumlümmelt und den halben Tag im Schlafanzug verbringt. Herrlich!

So überhaupt nicht ausgeschlafen

Weitere 5 Jahre später. Irgendwann in der Nacht. Ein Babyschreiben durchdringt den Raum. Ich bin sofort hellwach und gleichzeitig matschig-müde. Im Dunkeln tapse ich zum Babybett, nehme mein hungriges Kind in den Arm und fange an, es zu stillen. Kurze Zeit darauf liege ich wieder in meinem Bett, bis mich das neue Familienmitglied zum Morgengrauen erneut weckt. Ich fange an zu ahnen, welchen Luxus ich die vergangenen Jahre genossen hatte. Aber nicht mehr lange, dann würde mein Kind sicher auch so ausgiebig lange schlafen, wie ich damals. Bestimmt. Bald.

Zumindest bin ich in Elternzeit und kann mich in meinem Rhythmus ganz nach dem Kind richten. Wenigstens ein Rhythmus, der hier Gehör findet. 7 Tage Wochenende quasi, aber mit einem kleinen, schreienden Haken.

Tja

Heute, nochmal fast sieben Jahre später. Der Wecker klingelt um 6:15 Uhr. Es ist skurril. Was ist das für eine Zeit? Ich mache mich zurecht, frühstücke etwas, schmiere das Schulbrot für das große Kind und stehe dann selbst um 7 Uhr in der Schule. Der Nachmittag gehört den Kindern, und so mache ich meine Unterrichtsvorbereitungen am Abend, wenn sie schlafen. Das Bett vermisst mich sehnlichst, ruft nach mir, aber viel zu selten höre ich darauf. Viel zu kurz sind die Nächte darin.

Die Kinder schlafen inzwischen durch, wenn sie wollen. Beide. Aber sie wollen nicht so wirklich immer. Nein, immer wieder wollen sie das sogar ganz und gar nicht. Dann schleichen sie sich zu uns ins Bett, haben „schlecht geträumt“ oder einfach nur Sehnsucht nach uns. Immer wieder liegen sie dann zwischen uns, werfen uns im Schlaf schwungvoll Arme ins Gesicht und Beine in den Bauch. Durchschlafen Fehlanzeige. Ausschlafen sowieso. Denn 7 Uhr ist die Nacht zu Ende. Ganz ohne Wecker. Also ohne diesen Wecker mit den Zahlen drauf.

Müde

Ich bin müde. Ich glaube das überrascht Euch jetzt nicht. Aber das wollte ich mal loswerden: ICH BIN VERDAMMT MÜDE!

Ich stehe verdammt früh auf. Ich gehe verdammt spät ins Bett. Und ich schlafe verdammt schlecht durch. Und wenn mal Wochenende ist, dann ist es irgendwie nicht anders. Weil Wochenenden mit Kinder – zumindest was das Ausschlafen angeht – eben keine Wochenenden sind.

Wenn mir das damals, vor 22 Jahren jemand gesagt hätte, dann hätte wahrscheinlich nichts anders gemacht. Aber ich hätte das, was ich damals hatte, noch mehr genossen. Viel mehr genossen.

Und jetzt werde ich zusehe, dass ich ins Bett komme. Ihr wisst schon…

Eure Wiebke

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Ausgeschlafen - oder auch nicht.

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